Jürgen Trittin im Wahlkampf-Interview: Sanktionen gegen Russland beibehalten

Jürgen Trittin im Wahlkampf-Interview: Sanktionen gegen Russland beibehalten
Grünen-Politiker Jürgen Trittin betreibt Wahlkampf. In einem Interview kritisiert er Angela Merkels Europapolitik, wettert gegen Christian Lindner und spricht sich für den Erhalt der Russland-Sanktionen aus.

Im Vorfeld der kommenden Bundestagswahlen gab der ehemalige Umweltminister Jürgen Trittin von der Partei Bündnis90/Die Grünen der Neuen Osnabrücker Zeitung ein Interview. Mit dem Thema Europa versuchen die Grünen im diesjährigen Wahlkampf zu punkten und sich ein Profil zu geben.

Angela Merkels und Wolfgangs Schäuble "brutale Sparpolitik" seien laut Trittin Schuld an der Verlängerung der Wirtschaftskrise in Europa. Deutschland sei demnach der größte Profiteur der Europäischen Union und jeder Euro, den man dafür ausgebe, sei gut angelegtes Geld, so die Aussage des Politikers.

Die US-Botschaft in Moskau reflektiert sich in der Glasscheibe eines Armee-Ladens, Russland, 28. Juli 2017.

Mit dem Vorwurf, die FDP sei eine "Anti-Europa-Partei", die mit ihrem Programm "die Spaltung und das Ende Europas sehendes Auges billigend in Kauf" nehme, kritisiert er die Liberalen und rückt sie in Nähe der AfD. 

Weiter bezeichnet er die FDP als "One-Man-Show" und spielt damit auf den liberalen Spitzenkandidaten Christian Lindner an, der zum Gesicht der Wahlkampagne seiner Partei wurde. Dieser hatte erst kürzlich die Wiederannäherung an Moskau gefordert, sehr zum Missfallen von Trittins Parteigenossen Cem Özedemir.

Auch zur Sanktionspolitik gegenüber Russland äußerte sich der ehemalige Bundesumweltminister.

Sie zielen darauf, dass die Verantwortlichen für die völkerrechtswidrige Annexion der Krim zur Verantwortung gezogenen werden und das Minsker-Abkommen umgesetzt wird. Das ist beides richtig. Die Amerikaner koppeln aber ihre neuen Sanktionen nicht daran. Sie wollen in erster Linie ihr Fracking-Gas loswerden und wollen dafür europäische Firmen sanktionieren. Das machen wir nicht mit.

Man sollte Russland nicht in eine Ecke stellen, aus der es nicht mehr rauskommt. Russland ist weder unser Feind noch unser Partner. Russland ist unser Nachbar. Und ein Nachbar mit 170 Millionen Einwohnern und Atomwaffen, da kann man kein Interesse daran haben, dass der den Bach runtergeht. Das scheint aber das Interesse Einiger im US-Kongress zu sein. Das gefährdet unsere Sicherheit in Europa und ist inakzeptabel.“, antwortete Trittin auf die Frage nach der Richtigkeit der Sanktionen.

Ja, wir brauchen beides: Einhaltung des Sanktionsregimes – und gleichzeitig politische und ökonomische Kooperation. Wir sind aufeinander angewiesen“, lauten die Forderungen des Grünen-Politikers.

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