Bundeswehrsoldaten kollabiert - heikle Details nach dem Todesfall

Bundeswehrsoldaten kollabiert - heikle Details nach dem Todesfall
Die Bundeswehr wirbt bereits damit, dass Soldaten an ihre Grenzen gehen müssen- wie weit ist vielleicht nicht gleich ersichtlich
Mehrere Soldaten kollabierten bei einem Training in Munster, ein Offiziersanwärter verstarb, ein weiterer kämpft ums Überleben. Aus ersten Berichten gehen heikle Details hervor. Die Erkenntnisse weichen stark von früheren offiziellen Bekanntmachungen ab.

Der nach einem Zusammenbruch verstorbene Soldat starb laut Obduktionsbericht an einem Multiorganversagen, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg, Angelika Klee, am Donnerstag mitteilte. Ein weiterer kollabierter Soldat soll sich immer noch "in kritischem Zustand" befinden, berichteten Medien unter Berufung auf Informationen des Verteidigungsministeriums an den Verteidigungsausschuss des Bundestages.

Mehr Soldaten betroffen als bisher bekannt

Zudem habe es bei insgesamt elf Soldaten Gesundheitsprobleme gegeben. Bislang lautete die offizielle Version, es seien lediglich vier Betroffene gewesen.

Das Multiorganversagen des Verstorbenen habe im Zusammenhang mit einer Blutvergiftung gestanden, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Weitere rechtsmedizinische Untersuchungen sollten die genauen Ursachen klären. 

Am 19. Juli waren bei der praktischen Ausbildung im niedersächsischen Munster mehrere Soldaten zusammengebrochen. Nach ersten Untersuchungen hatten sie einen Hitzschlag erlitten.

Die Bundeswehr hatte nach dem Vorfall mitteilen lassen:

Die drei Kameraden sind stabil beziehungsweise auf dem Wege der Besserung.

Es hieß damals seitens der Bundeswehr, dass die Soldaten bei moderaten Temperaturen um 27 Grad Celsius mit leichter Ausrüstung trainiert hätten. Die Betroffenen seien bei einem regulären Zwölf-Kilometer-Marsch zusammengebrochen. Die Truppe leitete eine Untersuchung ein, um auszuschließen, dass ein Drogen- oder Medikamentenmissbrauch im Spiel war. Auch hatte ein Soldat erwähnt, einen Energy Drink getrunken zu haben. Es gab Spekulationen darüber, ob dies zu dem Hitzschlag beigetragen haben könnte. Den Gebrauch illegaler Aufputschmittel dementierte das Verteidigungsministerium am Montag.

Erschöpfungszustände nach Strafaktionen und ungeklärte Blutvergiftung

Aus dem aktuellen Untersuchungsbericht geht allerdings auch hervor, dass die betroffenen Soldaten einen Strafmarsch absolvieren mussten,

über eine Strecke von insgesamt sechseinhalb Kilometern, streckenweise im Laufschritt zurück" - einige der Offiziersanwärter mussten auch "Liegestütze absolvieren".

Außerdem heißt es jetzt, eine Soldatin sei "kurzzeitig benommen und nicht ansprechbar" gewesen.

Nach dem Tod des Soldaten waren bereits Vermutungen aus seinem Umfeld aufgetaucht, wonach er bei einem normalen Marsch ohne Gepäck kaum kollabiert wäre. Es erschien zudem als unerklärlich, dass mehrere Soldaten am gleichen Tag zusammenbrachen.

Der Bericht verweist stellenweise auf scheinbar widrige Umstände. So hätten die Soldaten fehlende Ausrüstungsgegenstände aus der Kaserne holen müssen.

Als einen „Strafmarsch“ würden die Ausbilder es nicht bezeichnen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, ergänzte aber:

Wenn Sie es als erzieherische Maßnahme betiteln wollten, damit hätte ich jetzt praktisch keine Schwierigkeiten.“

Der später verstorbene Soldat kollabierte bereits auf dem Weg zu den Unterkünften. Seine Kameraden kollabierten später, sie mussten also nach dem ersten Zusammenbruch eines Soldaten noch weiterlaufen. 

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Ungeklärte Details, abwesende Ausbilder und abgewiesene Fragen

Außer der Ursache der Blutvergiftung des verstorbenen Soldaten bleiben nun mehrere weiterer Details zu klären. Einige Soldaten hatten trotz Knieverletzungen nach Stürzen weiterlaufen müssen.

Die am Tag der Vorfälle verantwortlichen Ausbilder standen bisher für eine Vernehmung nicht zur Verfügung, offiziell sind sie krankgeschrieben.

Auch die Bundeswehrführung konnte bis dato keine Klarheit schaffen. Weitere Untersuchungen seien erforderlich, bisher gebe es

keine stichhaltige Erklärung für das Gesamtbild an Ereignissen und Auffälligkeiten dieses Ausbildungstages".

Alexander Neu (Die Linke), Obmann im Verteidigungsausschuss, kritisierte nicht nur die Vorfälle, sondern auch den Umgang des Verteidigungsministeriums mit der Aufklärung. So habe er nach dem Vorfall nach Strafaktionen gefragt, sei aber in einem "unverschämten und höhnischen Unterton" abgewiesen worden.

Ich hoffe, das Ministerium klärt nun auf", so der Abgeordnete, "jede weitere Verharmlosung schadet nur dem Image der Truppe".

Erst im April war der Chef-Ausbilder der Bundeswehr, Generalmajor Walter Spindler, aufgrund mehrerer Skandale in der Ausbildung von Soldaten seines Amtes enthoben worden.

Todesfall auch in Österreichs Bundesheer

Auch in Österreich hat vor zwei Wochen der Tod eines Grundwehrdieners für Aufsehen gesorgt. Im niederösterreichischen Horn starb ein 19-Jähriger, nachdem er auf einem Marsch zusammengebrochen war.

Laut vorläufigem Obduktionsergebnis war eine Überhitzung des Körpers die Todesursache. Bei einer Blutuntersuchung des verstorbenen Rekruten wurde, wie die Tageszeitung "Die Presse" berichtete, außerdem ein akuter Infekt festgestellt.

Ein Kommandant soll vor dem Marsch gesagt haben, es bringe nichts, sich während der Übung zu beschweren - wer genug Luft habe sich zu beschweren, habe genug Luft zu marschieren.

Die Herkunft der Keime ist auch hier noch ungewiss. Für Kritik an der Heeresführung hatten Behauptungen gesorgt, wonach Beschwerden des Rekruten im Vorfeld und während des Marsches ignoriert worden seien.