Ankara verlangt Auslieferung von mutmaßlichem Putschisten

Ankara verlangt Auslieferung von mutmaßlichem Putschisten
Bei dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei kamen 179 Zivilisten ums Leben.
Die türkische Regierung drängt seit langem auf die Auslieferung aus ihrer Sicht terrorverdächtiger Personen aus Deutschland. Der Verdächtige im jüngsten Fall eines Auslieferungsersuchens ist türkischen Angaben zufolge ein islamischer Theologe.

Die Türkei verlangt nun die Auslieferung eines mutmaßlichen Wortführers des Putschversuchs vom Juli 2016, der sich angeblich in Deutschland aufhalten soll. Falls der Verdächtige Adil Ö. in der Bundesrepublik sei, verlange man seine sofortige Verhaftung und Auslieferung, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Mittwoch dem türkischen Sender TRT. Man habe der Bundesrepublik dazu eine offizielle Note übermittelt.

Das türkische Militär kann weiter auf Rüstungslieferungen aus Deutschland zählen. (Symbolbild)

Das Auswärtige Amt bestätigte, dass die Note am 12. August eingegangen ist. Man werde dem türkischen Wunsch "auf der Grundlage von Recht und Gesetz" nachgehen, sagte ein Sprecher. Zur Frage, ob sich Ö. tatsächlich in Deutschland aufhalte, gab er an: "Ich weiß das nicht."

Prozess gegen Ö. in Abwesenheit

Die Türkei reagierte mit der Note auf Medienberichte der vergangenen Tage, wonach sich Adil Ö. in Deutschland aufhalten soll. Ö. ist nach Angaben türkischer Medien islamischer Theologe und mutmaßlicher Wortführer im Zusammenhang mit dem Putschversuch vom vergangenen Jahr. Er wurde demnach kurz nach dem gescheiterten Staatsstreich vom 15. Juli 2016 festgenommen, aber nach seiner Aussage vor der türkischen Polizei wieder freigelassen. Seitdem ist er auf der Flucht.

In einem Mammutprozess in der Hauptstadt Ankara gegen rund 500 Angeklagte macht die Türkei Ö. zurzeit in Abwesenheit den Prozess. Die türkische Führung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den gescheiterten Putsch verantwortlich.

Cavusoglu kritisierte in dem TRT-Interview außerdem das geplante Referendum über eine kurdische Unabhängigkeit im Nordirak. Die Situation im Land werde sich mit der Volksbefragung noch verschlechtern, sagte er. In der Türkei lebt eine große kurdische Minderheit. Unabhängigkeitsbestrebungen von Kurden in anderen Ländern sind der türkischen Regierung deshalb ein Dorn im Auge. (dpa/rt deutsch)