Insolvenz von Air Berlin: Soziale Medien beschuldigen Bushido - Ryanair reicht Klage ein

Insolvenz von Air Berlin: Soziale Medien beschuldigen Bushido - Ryanair reicht Klage ein
Air-Berlin-Anzeige vor einer Lagerhalle in Berlin; Deutschland, 15. August 2017.
Ryanair sieht in der Insolvenzanmeldung von Air Berlin ein Täuschungsmanöver im Interesse einer möglichen Übernahme durch Lufthansa. Noch drei Monate Flugbetrieb sind gesichert. Unterdessen entwickelt das Netz seine eigenen Erklärungen für die Pleite.

Im Zentrum der alternativen Deutungsansätze steht der Rapper Bushido. Dieser hatte im Juni ein negatives Reiseerlebnis mit Air Berlin. Sein Flug fiel aus, er wurde auf Alitalia umgebucht und machte darob seiner Wut auf Facebook Luft: 

Ab jetzt nie wieder Air Berlin. Ihr seid für mich gestorben. Alitalia ist eh schon pleite, können sie auch ruhig pleite sein.

So kam es dann auch. Am Dienstag meldete Air Berlin Insolvenz an. Als Grund nannte Air Berlin, dass Etihad Airways, der Großaktionär der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, die angeschlagene Airline nicht mehr weiter fördern will. 

Netznutzer sehen nun einen Zusammenhang zwischen Bushidos Äußerungen und der Pleite Air Berlins: 

Air Berlin sucht Hilfe bei der Lufthansa

Ryanair hat unterdessen bereits eine Kartellbeschwerde beim Bundeskartellamt und der EU eingereicht, um eine mögliche Übernahme Air Berlins durch die Lufthansa zu unterbinden. Das Unternehmen sieht in der Insolvenz-Anmeldung einen Coup, um kartellrechtliche Bedenken bezüglich eines solchen Geschäfts zu umschiffen.

Air Berlin erwägt Bündnis mit Lufthansa

Auf der Homepage Ryanairs hieß es: 

Diese künstlich erzeugte Insolvenz ist offensichtlich aufgesetzt worden, damit Lufthansa eine schuldenfreie Air Berlin übernehmen kann und dies widerspricht sämtlichen Wettbewerbsregeln von Deutschland und der EU.

Noch drei Monate ist der Flugbetrieb Air Berlins durch einen Kredit gesichert. Die Pilotenvereinigung Cockpit befürchtet dennoch negative Auswirkungen. Ob Entschädigungen für Flugausfälle gezahlt werden können, ist demnach nicht sicher. Der Vorstandschef Thomas Winkelmann verhandelt derzeit mit der Lufthansa und hofft zumindest auf einen anteiligen Verkauf der Airline.

Auch Easy Jet soll an einer Teilübernahme Interesse bekundet haben, dies wurde aber weder von Easy Jet noch von Air Berlin selbst bestätigt. Ryan Air fürchtet durch eine Übernahme die Anhebung der Ticketkosten in Deutschland. 

Mifa-Retter wird Insolvenz begleiten

Air Berlin beschäftigt 8.600 Menschen und schrieb schon seit Jahren Verluste. Nur die Finanzspritzen durch Etihad Airways konnten den Flugbetrieb sicherstellen. Täglich befördert Air Berlin 80.000 Passagiere. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat eine Anordnung zur Insolvenz in Eigenverwaltung erteilt. Verantwortlich ist nun der Vorstandschef Thomas Winkelmann.

Als Sachverwalter wird in dieser Zeit der Rechtsanwalt Lucas Flöther fungieren, bekannt durch seine Rettung des Fahrradherstellers Mifa aus Sachsen-Anhalt und die Insolvenz um Unister. Bushido ist unterdessen nicht die einzige Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die sich durch Air Berlin enttäuscht sieht. Auch Fernsehmoderator Frank Elstner war verärgert, als sein Koffer auf einem direkten Inlandsflug verloren ging. 

Einige zogen auch einen Vergleich zum noch nicht eröffneten Berliner Flughafen: 

Wenn Berlin dran steht, ist es nun mal zum Scheitern verurteilt.

(rt deutsch/dpa)