Verpackung statt Inhalt: Jungwähler gehen bei Politikern nach dem Äußeren

Verpackung statt Inhalt: Jungwähler gehen bei Politikern nach dem Äußeren
Stammt das Bild aus einer Modestrecke - oder von einem Wahlplakat? Wenn eine jüngst veröffentlichte Umfrage aus Österreich auch für Deutschland repräsentativ ist, müsste Christian Lindner von der FDP bei den jungen Wählern besonders stark punkten.
Eine repräsentative Umfrage in Österreich belegt einen Trend zur "Ästhetisierung" der Politik: Für Jungwähler sind nur schlanke und attraktive Politiker glaubwürdig. Ein neuer Begriff macht die Runde: der "Slim-Fit-Warrior". Wird der Bundestag zum Catwalk?

Bei vielen Jungwählern ist laut Forschern die körperliche Attraktivität von Politikern ein entscheidendes Kriterium.

Jungwähler bewerten Politik anhand ästhetischer Kategorien. Sie sind sehr stark Augenmenschen und wollen Erkenntnisse durch bildliche Wahrnehmung gewinnen",

sagte der österreichische Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Bei einer repräsentativen Umfrage seines Meinungsforschungsinstituts tfactory im Vorfeld der bevorstehenden Nationalratswahlen in Österreich habe sich die Macht der Optik bestätigt.

Die starke Verkörperlichung des Politischen hat einen neuen Idealtypus hervorgebracht: den Slim-Fit-Warrior.

Sebastian Kurz, "Die neue Volkspartei", Außenminister Österreichs.

In Österreich verkörperten die sichtbar fitten Spitzenkandidaten Christian Kern (SPÖ) und Sebastian Kurz (ÖVP) diesen Typus, nachdem ursprünglich die rechtsgerichtete FPÖ in den 1980er Jahren mit Jörg Haider und dessen "Buberlpartie" sowie in den späten 2000ern mit Heinz-Christian Strache zu den Pionieren dieses Phänomens gehört hatte.

Kurz und Kern symbolisieren den schlanken, neuen, liberalen, beweglichen, hochgradig individualisierten Kapitalismus",

meinte Heinzlmaier. Bei politischen Inhalten müssten die meisten Befragten passen, aber ob jemand modern und modisch sei, wüssten sie ganz genau, so der Forscher.

Sie beurteilen immer das, was oberflächlich wahrnehmbar ist.

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Der 30-jährige Kurz hat laut Umfrage die Nase bei den Jungwählern vorn. Sein Vorsprung vor dem 51-jährigen Kanzler werde in den Kategorien "Jugendlichkeit", "Modernität" und "Durchsetzungsfähigkeit" deutlich. Dabei komme dem neuen ÖVP-Chef zugute, dass er alte Strukturen der Partei abgeschafft und diese als von ihm dominierte "Bewegung" neu aufgesetzt habe.

Emmanuel Macron, französischer Staatspräsident.

Man muss in den Konflikt mit den Modernisierungsverhinderern in der eigenen Partei treten",

so Heinzlmaier. Genau das verschaffe die Glaubwürdigkeit, um verändern zu können. Insofern sei in Deutschland die einmütige Wahl von Martin Schulz zum SPD-Chef im März äußerst kritisch zu sehen.

Wenn man wie Martin Schulz 100 Prozent bekommt, ist das im Prinzip schon der Untergang.

Kanzlerin Angela Merkel habe eine Sonderrolle. Merkel habe als "Mutter der Nation" nichts zu fürchten, so Heinzlmaier.

Mütter müssen nicht schön sein, damit sie geliebt werden.

Die Revolution frisst ihre Kinder: Strache hat jugendliche Ausstrahlung eingebüßt

Der Jugendlichkeitseffekt ist hingegen nicht unbeschränkt haltbar. Zehn Wochen vor der Wahl in Österreich sind die Erkenntnisse der Studie zumindest für den Spitzenkandidaten der FPÖ, Heinz-Christian Strache, nicht mehr schmeichelhaft. Der 48-Jährige werde mittlerweile eher als weniger attraktiv wahrgenommen, meinte Heinzlmaier.

Strache hat abgebaut. Er wirkt leicht übergewichtig, blass und nicht vital. Er strahlt keine Dynamik mehr aus.

Justin Trudeau, kanadischer Premierminister.

Ganz im Gegensatz zu Kurz. Der konservative Politiker treffe auch mit seinen Slogans zum Beispiel über die "Schließung der Mittelmeerroute" einen Nerv bei den jungen Menschen. "Kurz ist ein Meister der Dekomplizierung", meint Heinzlmaier.

Dass Jungwähler gerne bestimmte Typen und nicht Programme und Parteien wählten, zeige sich auch an einem weiteren Einstellungsmuster. Demnach bevorzugen 50 Prozent der Befragten laut dem Forscher eine Expertenregierung. Der klassische Politiker strahle nicht die erforderliche sozial-kulturelle Empathie aus, um von jungen Menschen emotional angenommen zu werden.

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(rt deutsch/dpa)

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