Bundeswehr in Mali: Kampfhubschrauber Tiger hatte vor Absturz Rotorblätter verloren

Bundeswehr in Mali: Kampfhubschrauber Tiger hatte vor Absturz Rotorblätter verloren
Ein - noch vollständiger- Tiger-Angriffshubschrauber wird aus seinem Hangar auf den Flugplatz in Camp Castor in Gao, Mali gebracht; 30. Juli 2017.
Zwei Wochen nach dem Absturz eines Bundeswehrhubschraubers in Mali mit zwei toten Soldaten gibt es erste Erkenntnisse über den Hergang des tragischen Vorfalls. Demnach hatte der "Tiger" vor dem Absturz im Flug seine Rotorblätter verloren.

Einem Schreiben des Bundesverteidigungsministeriums zufolge verlor der Kampfhubschrauber Rotorblätter, nachdem er in den Sinkflug übergegangen war.

Nach bisherigen Erkenntnissen lösten sich, nachdem das Luftfahrzeug in den starken Sinkflug übergegangen war, vor dem Aufschlag Teile [...], darunter die Hauptrotorblätter",

hieß es in einer Mitteilung von Verteidigungsstaatssekretär Markus Grübel zum aktuellen Stand der Untersuchungen  an den Wehrausschuss des Bundestags.

Der Zwischenbericht zeigt, dass der Besatzung kaum Zeit zur Reaktion blieb. Der Kampfhubschrauber vom Typ Tiger sei am 26. Juli mit einer Geschwindigkeit von etwa 250 Kilometern in der Stunde in etwa 550 Metern Höhe geflogen, als er "plötzlich und für die Besatzung überraschend radikal die Nase senkte und in einen starken Sinkflug überging".

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf ihrem Weg nach Camp Castor in Mali

Nicht die erste Klage über desolate Ausstattung

Nach zehn Sekunden sei der Hubschrauber auf dem Boden aufgeschlagen und habe sofort Feuer gefangen. Noch vor dem Aufschlag hätten sich nach bisherigen Erkenntnissen Teile gelöst, darunter die Hauptrotorblätter. Dies geht aus dem am Mittwoch vorgestellten Zwischenbericht von Verteidigungsstaatssekretär Markus Grübel an den Verteidigungsausschuss des Bundestages hervor.

Die Interessengemeinschaft des Personals von Transportflugzeugen und Hubschraubern im Bereich Luftwaffe, Heer und Marine (IGTH) kritisierte den Einsatz in Mali und verwies darauf, dass Piloten unzureichend trainiert waren. Auch die pannenanfällige technische Ausrüstung für die bereits an sich umstrittene Mission in Mali war bis dato schon mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Noch im Frühjahr waren bis zur Hälfte der in Mali von der Bundeswehr eingesetzten Fahrzeuge bis auf Weiteres nicht einsatzbereit, unter anderem weil sie als zu hitzeempfindlich galten.

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Mali gilt als gefährlichste Friedensmission

Die bei dem Absturz getöteten Soldaten waren im Rahmen der Mission Minusma der Vereinten Nationen (UN) in Mali im Einsatz. Derzeit befinden sich mehr als 890 Bundeswehrsoldaten vor Ort. Die bei dem Hubschrauber-Absturz getöteten Piloten sind die ersten Todesopfer der Bundeswehr seit einem Terroranschlag im Jahr 2015 in Afghanistan.

Der militärische Einsatz in Mali gilt als die gefährlichste Friedensmission der Vereinten Nationen. Im Jahr 2016 starben 26 Blauhelmsoldaten, mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

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