Für eine Handvoll Lira: Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat offenbar einen neuen Job

Für eine Handvoll Lira: Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat offenbar einen neuen Job
Ganz oben - ganz unten: So lautet auch der Titel des Buches von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, in dem er den Rücktritt aus seiner Sicht schildert.
Altbundespräsident Christian Wulff ist wieder da. Nach Medienberichten soll er als Prokurist für ein türkisches Modelabel arbeiten. SPD und Die Linke reagieren mit scharfer Kritik. Vor allem dass Wulff als ehemaliger Bundespräsident noch einen Ehrensold bezieht, erzürnt die Politiker.

Nach Informationen der Bild am Sonntag ist der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff seit Ende April für die türkische Mode- und Lifestylefirma Yargici tätig. Das Berliner Büro von Wulff war laut Bild am Sonntag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Geschäftsführer des Unternehmens in Deutschland, Erik Schaap, sagte gegenüber der Zeitung, Wulff begleite die Firma seit dem Markteintritt Anfang 2016 juristisch. Politiker aus den Parteien SPD und Die Linke kritisierten die Tätigkeit von Wulff in scharfer Form.

Im Grunde war es Herr Wulff, der das Unternehmen dazu motiviert hat, in Deutschland zu starten",

sagte Schaap gegenüber der Bild am Sonntag. Zudem sagte eine Mitarbeiterin Wulffs, aus rechtlichen Gründen keine Angaben zur Höhe des Verdienstes geben zu können.

Der Verein Lobbycontrol stellte im Juni seinen Lobbybericht 2017 vor.

In der Regel übernehmen Altbundespräsidenten Ehrenämter und werden nicht Prokuristen von Modefirmen",

kritisierte der stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Ralf Stegner in der Bild am Sonntag. Und er ergänzte:

Der lebenslange Ehrensold wird schließlich gewährt, damit ehemalige Staatsoberhäupter nicht gezwungen sind, sich etwas dazu verdienen zu müssen."

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Als ehemaliger Bundespräsident erhält Wulff einen Ehrensold von mehr als 200.000 Euro im Jahr. Auch die Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht forderte, Gesetze über die finanzielle Ausstattung von Altbundespräsidenten zu ändern.

Es kann nicht sein, dass Wulff jährlich 236.000 Euro vom Steuerzahler erhält und private Einkünfte überhaupt nicht angerechnet werden."

Ihre Partei werde dazu im Bundestag einen Antrag stellen. Pikant an der Angelegenheit ist, dass die Beschäftigung von Wulff ausgerechnet von der Bild am Sonntag publik gemacht wurde. Wulff stürzte als Bundespräsident unter anderem auch über einen Anruf, bei dem er wutentbrannt auf den Anrufbeantworter des damaligen Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann gesprochen hatte.

Zudem hatte die Bild-Zeitung im Jahr 2012 über vermeintliche Vertuschungsversuche eines Bekannten von Christian Wullff berichtet. Es ging um einen Sylt-Urlaub des Ehepaares Wulff mit David Groenewold und die Frage, wer die Reise bezahlt hatte. Die Vorwürfe der Bild-Zeitung stellten sich am Ende als haltlos heraus. Christian Wulff trat dennoch am 17. Februar 2012 zurück.

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