„Faschistischer Buchladen im Herzen Berlins“: Warum eine jüdische Buchhandlung in Berlin aufgibt

„Faschistischer Buchladen im Herzen Berlins“: Warum eine jüdische Buchhandlung in Berlin aufgibt
Aus und vorbei: Den Konzept-Buchladen Topics in Berlin-Neukölln gibt es nicht mehr.
Ein jüdischer Buchladen, der von zwei Enkeln Holocaustüberlebender gegründet wurde, schließt seine Pforten. Hauptsächlich, weil es ein finanzieller Misserfolg war – doch Drohungen aus der antideutschen Ecke der Antifa gaben dem Geschäft offenbar den Rest.

von Timo Kirez

Es ist eine dieser absurden Geschichten, die man kaum glauben mag. Zwei Israelis gründen in Berlin eine Konzept-Buchhandlung, die sich vor allem für einen undogmatischen Dialog und Austausch einsetzt – und scheitern. Zum einen an finanzieller Erfolglosigkeit, und zum anderen an dem surrealen Dogmatismus eines Teils der „Linken“, die man gemeinhin als „Antideutsche“ kennt. Doch der Reihe nach.

Es ist eine lange Abschiedsrede, die Doron Hamburger, einer der zwei Gründer des Buchladens Topics in Neukölln am 22. Juli postet. Es geht Hamburger darum, die Gründe für die Schließung detailliert darzulegen. Und er beginnt mit einer Selbstkritik:

Topics war ein finanzieller Flop,

schreibt Hamburger. Und er sei daran mit Schuld. Denn:

Ich, Doron Hamburger, habe alle möglichen Fehler gemacht, was diesen Laden betrifft.

Er sei aber zugleich auch nie davon ausgegangen, dass es sich bei dem Buchladen um eine Goldmine handele, so Hamburger weiter. Er habe zu viel Geld in den Laden gesteckt, und zu viele Bücher gratis vergeben. Und dann fügt Hamburger selbstironisch und augenzwinkernd an:

Obwohl ich ein Jude bin, bin ich als Geschäftsmann eine Niete.

Mit anderen Worten, der Buchladen hatte bereits von Beginn an eine gehörige finanzielle Schlagseite. Und dann kam die „Affäre Evola". Gegen Ende Februar 2017 kündigten die Topics-Betreiber eine Veranstaltung an, bei der sie das Werk von Julius Evola diskutieren wollten. Der italienische Kulturphilosoph und Verfasser rechtsextremer und antisemitischer Theorien sympathisierte zeitweise mit dem italienischen Faschismus und dem deutschen Nationalsozialismus.

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Was dann passierte, ist ein Lehrbeispiel dafür, wie die Antideutsche Szene tickt, wenn sie Israel oder das Judentum angegriffen wähnt. Zwar gibt Hamburger in seinem Post auf Facebook selbstkritisch zu, dass sie als Veranstalter Fehler gemacht hätten – vor allem in der Vermittlung der Veranstaltung. Doch der Shitstorm, der über die Betreiber hereinbrach, schockierte die Betreiber nachhaltig. Im Internet wurden sie als Nazis bezeichnet. Hamburger selbst beschreibt Facebook-Diskussionen mit Nutzern, die sich selbst der Antifa-Bewegung zurechnen.

Hamburger hatte den Kritikern sogar angeboten, an der Veranstaltung teilzunehmen. Denn es ging ihm um die intellektuelle Auseinandersetzung mit Evolas Theorien. Doch es war vergebliche Liebesmüh. Die Buchhandlung wurde als „faschistischer Buchladen im Herzen Berlins“ bezeichnet. Das linke Kollektiv TOP B3rlin rief auf Facebook seine Fans auf, ihre "Punkerfreunde und ihre Hunde" zusammenzutrommeln und bei der Veranstaltung "vorbeizuschauen."

Daraufhin gaben die Betreiber auf. Nicht nur die Veranstaltung, sondern auch den Buchladen gleich mit. Die Vorfälle veranlassten laut der "Zeit", die "Welt" zu der etwas ambivalenten Aussage, dass die Juden in Neukölln doch eigentlich eher Angst vor ihren arabischen Nachbarn haben sollten.

Die Geschichte des Buchladens Topics ist leider ein weiteres Mosaik im Gesamtbild einer Zeit, in der es scheinbar mehr um Verhinderung von Dialog und Austausch, als um den Dialog selbst geht. In der überall und an jeder Ecke eine Gesinnungspolizei lauert. Dabei bräuchten man in diesen überhitzten Zeiten vor allem gute Bücher und viel Dialog.

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