NSU-Verfahren: Beweisaufnahme ist beendet - Plädoyers beginnen

NSU-Verfahren: Beweisaufnahme ist beendet - Plädoyers beginnen
Beate Zschäpe, die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, 05.07.2017.
Zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge, Dutzende Banküberfälle. Mehr als vier Jahre dauerte die Beweisaufnahme im Terrorverfahren gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer. Jetzt ist dieser Verfahrensabschnitt beendet.

Mehr als vier Jahre nach Beginn des NSU-Prozesses sollen an diesem Mittwoch die Plädoyers in dem Mammutverfahren beginnen. Das hat das Oberlandesgericht München am Dienstag bekanntgegeben. Als erste Partei soll die Bundesanwaltschaft plädieren. Bundesanwalt Herbert Diemer hatte mitgeteilt, er sei dafür vorbereitet:

Die Akten zum NSU-Prozess in München füllen ganze Schränke. Nun hat der zweite Untersuchungsausschuss des Bundestags seinen Abschlussbericht vorgelegt.

Wir können morgen beginnen.

Das Plädoyer der Anklage werde schätzungsweise 22 Stunden dauern. 

Von 1998 bis zum November 2011 lebte die Hauptangeklagte Beate Zschäpe mit den beiden mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund. Die Männer sollen während dieser Zeit zehn Menschen ermordet haben, neun davon aus rassistischen Motiven. Sie sollen zudem zwei Sprengstoffanschläge mit vielen Verletzten verübt und Dutzende Banken überfallen haben.

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Zschäpe ist als drittes und einziges überlebendes Mitglied des so genannten Nationalsozialistischen Untergrunds wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen angeklagt. Ihr droht eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung. 

Bis zum Beginn der Sommerpause solle die Bundesanwaltschaft ihre Schlussvorträge beenden, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl am Dienstag. Letzter Verhandlungstag ist der 1. August. Dann sind in Bayern Sommerferien.

Erst im September sollen dann die Plädoyers der anderen Prozessparteien folgen. Zunächst sind die Nebenkläger an der Reihe und zum Schluss die Angeklagten. 

Das Gericht hatte am Dienstag letzte Anträge der Verteidigung abgelehnt. Dazu gehörte die Forderung nach einem neuen psychiatrischen Gutachten über den Zustand Zschäpes. Am Nachmittag erklärte Götzl die Beweisaufnahme in dem Mammutprozess für beendet. 

In den vergangenen Jahren hatte der Münchner Senat 815 Zeugen angehört und 42 Sachverständige befragt. Nach Schätzung des Gerichts kostete jeder der bisher 373 Verhandlungstage rund 150.000 Euro.

(dpa/rt deutsch)

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