Überwachung von Journalisten: Redakteure der Kieler Nachrichten im Fokus von Unbekannten

Überwachung von Journalisten: Redakteure der Kieler Nachrichten im Fokus von Unbekannten
Die Journalisten dokumentierten, wie Spezialisten auf Behördenfrequenzen auffällige Signale fanden.
Gerade hat die geheimdienstliche Überwachung von Journalisten in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt, als redaktionelle Mitarbeiter vor dem G20-Gipfel überprüft wurden. Nun melden Redakteure der Kieler Nachrichten ungewöhnliche Aktivitäten ihrer Kommunikationsgeräte.

In den vergangenen Wochen haben die Kieler Nachrichten über Ermittlungen gegen die organisierte Kriminalität in Norddeutschland berichtet. Dabei stand ein schwerer Verdacht im Raum: Die zuständigen Ermittler in einer ehemaligen Sonderkommission im Landeskriminalamt sollen Akten manipuliert und Kollegen gemobbt haben. Diese Vorwürfe erhoben beteiligte Polizeibeamte gegenüber Journalisten der Kieler Nachrichten. 

Alle Journalisten sind bisweilen auch ausländische Journalisten: Etwa wenn sie im Ausland arbeiten, oder bei einem internationalen Medienunternehmen angestellt sind.

Für Unbehagen sorgt etwa der Umstand, dass ausgerechnet bei einer Durchsuchung im Haus eines Bandidos-Chefs die Kamera versagt hat. Über die zweifelhaften Vorgänge berichteten unter anderem die Redakteure Bastian Modrow und Christian Longardt. In letzter Zeit bemerkten die Journalisten, dass sich ihre Kommunikationsgeräte ungewöhnlich verhielten.

So meldete der Privat-PC von Bastian Modrow „Zugriffe durch unbekannte Nutzer“. Außerdem knackten Unbekannte ein Mailkonto zu dem Zeitpunkt, als die Zeitung erste brisante Polizeidokumente veröffentlichte. Später meldete ein Computer einen Unbekannten in einem durch ein Passwort gesicherten privaten Netzwerk. Auch an den Diensthandys kam es laut Modrow und Longardt zu „Auffälligkeiten“. 

Daraufhin untersuchte ein „auf IT-Sicherheit spezialisierter Dienstleister“ die Büroräume und Fahrzeuge des Verlags mit einem Messgerät. Er stellte unter anderem ungewöhnliche Funksignale „am vorderen linken Radkasten“ eines Autos fest. Leider warteten die Journalisten mehrere Tage lang, bis sie das Fahrzeug in eine Autowerkstatt brachten. Dort konnte der Sender nicht gefunden werden. Offensichtlich hatten die Besitzer der Überwachungstechnik ihren Peilsender rechtzeitig entfernt. 

Allerdings zeigt ein Video, dass die Funksignale auf eben jenen Frequenzen gesendet wurden, auf dem Behörden mit Peilsendern arbeiten, um Personen zu orten. Dies bestätigten auch unabhängige Polizeibeamte, die mit Kriminaltechnik vertraut sind. Für die Journalisten liegt nun der Verdacht auf der Hand, dass sie von offiziellen Stellen überwacht werden.

Ein Sprecher des Innenministers in Schleswig-Holstein, Hans-Joachim Grote, sagte, man wisse nichts von einer Überwachung der Journalisten.

Inzwischen liegen dem Verlag jedoch „Hinweise aus zuverlässigen Polizeiquellen“ vor, dass deren Redaktion überwacht wird. Die Journalisten vermuten, dass die Polizeiführung versucht, undichte Stellen im Apparat zu identifizieren. Beamten, die mit der Presse kommunizieren, drohen Konsequenzen bis hin zu Strafverfahren wegen Geheimnisverrats.

Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht, wie wichtig es ist, dass der Geheimschutz von Journalisten und anderen Berufsgruppen wie Ärzten und Priestern gewährleistet ist. Immer wieder haben Politiker aus SPD und CDU in den vergangenen Jahrzehnten versucht, mithilfe des großen Lauschangriffs auch besonders sensible Berufsgruppen zur Überwachung durch die Behörden freizugeben. Im aktuellen Fall von möglichen internen Ermittlungen zeigt sich, wie schnell die moderne Überwachungstechnik zum Selbstschutz der Behörden eingesetzt werden kann.

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