Gar nicht lustig: Müller hält 2019 als BER-Eröffnungstermin für möglich

Gar nicht lustig: Müller hält 2019 als BER-Eröffnungstermin für möglich
Regierende Bürgemeister Michael Müller auf der Pressekonferenz vom FBB am Berlins Bürgermeister Michael Müller auf einer Pressekonferenz vom FBB am 06.03.2017 in Berlin.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) stellt sich darauf ein, dass der Hauptstadtflughafen BER auch erst Anfang 2019 eröffnet werden könnte. Derweil entwickelt sich die Frage um den Flughafen Tegel zum Wahlkampfthema.

Berlins Bürgermeister Michael Müller sagte dem "Tagesspiegel" am Sonntag in einem gemeinsamen Interview mit seinem brandenburgischen Amtskollegen Dietmar Woidke (SPD) zu der Eröffnung des Flughafens BER:

Wenn mir jetzt von den Verantwortlichen gesagt wird, es kann Ende 2018 oder Anfang 2019 sein, muss ich das akzeptieren und sehen, wo Dinge noch beschleunigt und optimiert werden können.“

Er fügte hinzu:

Glauben Sie mir, lustig finde ich das nicht."

Keine Mondlandung, nur ein Flughafen

Beide Länderchefs betonten, sie wollten trotz der anhaltenden Probleme beim Brandschutz und der ansteigenden Kosten den BER auf jeden Fall zu Ende bauen.

Nein, der BER muss endlich fertig werden“, sagte Woidke. „Wir reden schließlich nicht über eine Mondlandung, sondern über die Eröffnung eines Flughafens.“

Zur derzeit umstrittenen Frage, ob man angesichts von absehbaren Kapazitätsproblemen am BER den Berliner Flughafen Tegel doch offen halten sollte, sagten beide SPD-Politiker, Tegel müsse schließen. FDP und CDU in Berlin, die zur Offenhaltung Tegels einen Volksentscheid am 24. September parallel zur Bundestagswahl erzwungen haben, warf Woidke „unseriöse Politik“ und einen „populistischen Wahlkampf“ vor.

Und Bundesverkehrsminister Dobrindt hängt sich ganz billig dran.“

Populistischer Wahlkampf um Flughäfen

Ob die Berliner die Eröffnung des Pannen-Flughafens aufgegeben haben, es Wahlkampfkalkül war oder andere Gründe eine Rolle spielten: mehr als 200.000 gültige Unterschriften konnten mit der Resolution der TXL-Befürworter „Berlin braucht Tegel“ im vergangenen Jahr gewonnen werden - ausreichend, um einen Volksentscheid zu erzwingen.

Was bei der FDP gut läuft, kann wohl auch der CDU nicht schaden. Jahrelang hatten Mitglieder der Berliner CDU den Schließungsbeschluss als Berliner Regierungspartei unterstützt, jetzt sind auch sie mehrheitlich für die Offenhaltung Tegels.

Und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verkündete unlängst:

Der BER bekommt ein Kapazitätsproblem. Das muss man bewerten, wenn man eine leistungsfähige Anbindung Berlins an die Welt will. Hauptstädte mit mehr als einem Flughafen sind keine Seltenheit. Darüber nachzudenken ist auch für Berlin sinnvoll.“

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hatte sich im Tagesspiegel ähnlich geäußert

Die Hauptstadt eines wirtschaftlich starken Landes wie Deutschland braucht zwei Flughäfen. Alle großen europäischen Hauptstädte haben zwei.“

Dobrindt hat das auch nochmal durchgerechnet und sieht in den nunmehr 20 Jahre alten Beschlüsse zu BER und Tegel Fehleinschätzungen für das Luftverkehrswachstum der Stadt

Wir müssen uns den aktuellen Realitäten und Wachstumszahlen stellen.“

Am Mittwoch hatte Regierungssprecher Steffen Seibert an die bestehende Rechtslage und den sogenannten Konsensbeschluss von 1996 erinnerte, wonach Tegel geschlossen werden muss, wenn der BER eröffnet ist.

Zu traurig oder zu langsam für Witze?

Der ursprüngliche Eröffnungstermin des Großflughafens war für den 3. Juni 2012 angesetzt. Trotz der seither entstandenen enormen Kosten für den öffentlichen Haushalt ist zu dem Thema aber noch nicht allen der Sinn für Humor verloren gegangen.

Obwohl das Satiremagazin Postillon bereits im Frühjahr 2016 eine Ausschöpfung aller BER-Witze vor Fertigstellung des Flughafens vorausgesagt hat, legte es doch noch einige nach.

Berlin bietet verlassenes Flughafengelände als nächsten G20-Austragungsort an, titelte der Postillon unlängst.

Ein wenig bitterer konnte man noch im Februar 2017 lesen:

IS-Schläfer, der Anschlag auf BER verüben sollte, an Altersschwäche gestorben.