Ermittlungsakten: Mafia baut Strukturen in Deutschland aus

Ermittlungsakten: Mafia baut Strukturen in Deutschland aus
Diese Waffen hat die italienische Polizei im März bei der Festnahme des Mafia-Bosses Santo Vottari beschlagnahmt. Er soll in das so genannte Mafia-Massaker von Duisburg verwickelt sein, bei dem im August 2007 sechs Menschen starben.
Die italienische Mafia baut ihre Präsenz in Deutschland immer weiter aus. In Italien geraten die Klans der "ehrenwerten Gesellschaft" immer stärker unter den Druck der Polizei. Als Geldwäscheparadies bietet sich Deutschland als Zufluchtsort geradezu an.

Wie der "Guardian" unter Berufung auf Ermittlungsdokumente am Donnerstag berichtete, bauen die italienischen Mafia-Klans ihre Präsenz in Deutschland weiter aus. Die britische Zeitung konnte Einsicht in Ermittlungsakten nehmen, die sich auf eine Polizeioperation beziehen, bei der Ordnungskräfte am Freitag vor einer Woche in Baden-Württemberg 15 Verdächtige festgenommen hatten. Zudem haben sie große Mengen Marihuana und Kokain, Schusswaffen sowie hohe Geldbeträge sichergestellt. Die zuständige Staatsanwaltschaft spricht von einem Verfahren von "besonderer Dimension". Sie hat ihre Aktion mit italienischen Behörden koordiniert.

Laut dem Guardian wandern vor allem Mitglieder der sizilianischen Mafia nach Deutschland ab. Grund sei die schlechte gesamtwirtschaftliche Lage, insbesondere in Süditalien. Dazu kommt, dass die italienischen Behörden immer härter gegen die kriminellen Strukturen vorgehen.

Während die Polizei in Süddeutschland vergangenen Freitag die Häuser mutmaßlicher Mafia-Mitglieder durchsuchte, teilte die italienische Polizei der Öffentlichkeit ihren jüngsten Coup gegen die kriminelle Vereinigung mit: Knapp 50 Bars, Restaurants und Wettlokale, 262 weitere Immobilien, 32 Autos und Motorräder in einem Gesamtwert von 280 Millionen Euro hat sie von mutmaßlichen Mafiazellen beschlagnahmt. Diese sollen die Lokale nach Angaben der Behörden zur Geldwäsche genutzt haben.

Profitable Geschäftsmöglichkeiten: Zieleinsatzgebiet Deutschland

Die "stabile Präsenz" der Mafia in Deutschland, die italienische Behörden vor einer Woche konstatierten, kommt nicht überraschend: In Deutschland herrschen geradezu paradiesische Zustände für Geldwäscher. Das macht sich natürlich auch die Mafia zunutze, darunter die 'Ndrangheta, die ihren Ursprung in der süditalienischen Region Kalabrien hat. Den Berichten zufolge wäscht die Vereinigung rund 80 Prozent ihrer jährlichen, auf 50 Milliarden Euro veranschlagten illegalen Einnahmen in Deutschland.

Mehr zum Thema: Mafia-Paradies Deutschland: Italienische Behörden sprechen von stabiler Präsenz

Die italienische Mafia, darunter die mächtige 'Ndrangheta, hat in den letzten Jahren in Deutschland Gelder und Güter investiert",

erklärte Giuseppe Campobasso, Chef der Anti-Drogen-Einheit der italienischen Finanzpolizei, gegenüber dem Guardian. In Deutschland gebe es für sie "äußerst profitable Geschäftsmöglichkeiten".

Laut Petra Reski, Autorin des Buches "Von Kamen nach Corleone - Die Mafia in Deutschland", hat Deutschland die höchste Mafia-Präsenz nach Italien.

Sie suchen nach sicheren Investitionsgelegenheiten, durch die sie ihr Geld waschen können. Zwangsläufig zieht es sie in die wohlhabenderen Regionen Europas", so Reski gegenüber der britischen Zeitung.