Lückenfunk: WDR unterschlägt wesentliche Informationen zur Hacker-Attacke "Petya"

Lückenfunk: WDR unterschlägt wesentliche Informationen zur Hacker-Attacke "Petya"
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Die jüngsten Hacker-Angriffe sind ein reiches Biotop für Mutmaßungen und Spekulationen. Und es lässt sich nicht nur bezüglich möglicher Urheber der Attacken manipulieren, sondern auch durch Angaben zu deren Opfern. So geschehen am Mittwoch bei WDR.

Am Dienstag und Mittwoch gingen erneut Warnungen um die Welt, gefährliche Ransomware infiziere weltweit tausende Computer. Insgesamt waren Firmen und öffentliche Einrichtungen in bis zu 60 Ländern betroffen.

Die ersten Länder, in denen sich das Virus verbreitete, waren Russland und die Ukraine. Das russische IT-Unternehmen Group-IB zählte etwa 80 private und staatliche Einrichtungen, deren Arbeit durch das Virus gestört war, darunter die russischen Öl-Giganten Bashneft und Rosneft, die ukrainische Zaporozhjeoblenergo, Dneprenergo, Privatbanken, die Ukrtelekom, Flughäfen und vieles mehr.

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Auch Unternehmen in anderen Ländern wie Dänemark oder USA waren mit der Schadsoftware infiziert. Die Liste der Betroffenen ist lange und kann noch länger werden. In den Nachrichten kommt es dabei auf die Gewichtung und den Prominenzgrad der Opfer an. Professionelle IT-Websites berichteten:   

Die Reederei Maersk, der russische Staatskonzern Rosneft und zahlreiche Behörden und Unternehmen in der Ukraine: Sie alle sind einen Monat nach WannaCry Ziel eines neuen Angriffs mit Ransomware. Genutzt wird eine Variante von Petya, der Verbreitungsweg ist bislang unklar.

Selbst die "Zeit" schrieb:

Die russische IT-Sicherheitsfirma Kaspersky verzeichnete nach eigenen Angaben allein am Dienstag rund 2.000 Angriffe, die meisten davon in Russland und der Ukraine, aber auch in Deutschland, Polen, Italien, Großbritannien, Frankreich und den USA.

Auch andere Informationsdienste erwähnten den russischen Öl-Riesen, der in besonders starkem Maße vom Virus befallen war. Doch WDR verzichtete in seinem Bericht am Mittwoch vollständig auf die Erwähnung Russlands.

Betroffen waren Computer in der Ukraine, aber auch in den USA, Deutschland und Frankreich wurden Angriffe gemeldet", hieß es in den Nachrichten des Senders.

Man kann nur mutmaßen, ob diese Unterlassung einen suggestiven Zweck verfolgte.

Doch dieser Schluss liegt nahe, wenn man bedenkt, dass Russland an gleicher Stelle seit Monaten staatlich initiierte Cyberkriminalität unterstellt wird. Ohne Unterlass verbreiten die Mainstreammedien unbewiesene Behauptungen in diese Richtung, um der westlichen Öffentlichkeit eine Bedrohung durch staatliche russische Hacker einzureden.

Da passt Russland als Opfer nicht ins Bild. Im Gegenteil: Vor dem Hintergrund, dass die Ukraine, die Russland ständig eine hybride Kriegsführung vorwirft, explizit als erstes Opfer der Cyberattacke erwähnt wird - was als solches ja nicht falsch ist -, ist doch die gleichzeitige Nichterwähnung Russlands vielsagend.

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Doch damit nicht genug. Es blieb auch deutschen Mainstreammedien nicht verborgen, dass das Virus auch hinsichtlich seiner Urheberschaft und seines Verbreitungsweges gerade mit den USA und der Ukraine zu tun hat. Die "Zeit" schrieb am Mittwoch:

Die Schwachstelle tritt bei älterer Windows-Software auf und wurde ursprünglich vom US-Abhördienst NSA genutzt. [...] Ein Update für eine ukrainische Buchhaltungssoftware hat laut Informationen der ukrainischen Polizei die Erpressungssoftware übertragen.

Auch wenn sich nicht alle deutschen Medien an dieser offenbar manipulativen Form der Berichterstattung beteiligten, sondern "nur" der WDR, ist dies aufgrund des öffentlichen Auftrags des Mediums und vor allem des Selbstbildes angeblicher Unparteilichkeit ein Beleg dafür, dass der Sender zum wiederholten Mal sein Publikum täuscht, wenn es um Russland geht.