Facebook-Video sorgt für Wirbel: Landwirt vernichtet Gurkenernte wegen Verpackungszwang

Facebook-Video sorgt für Wirbel: Landwirt vernichtet Gurkenernte wegen Verpackungszwang
Und das war's mit den Gurken.
Das Facebook-Video in dem der Landwirt Farnz Hagn aus Unterfranken einen Teil seiner Gurkenernte mit einem Traktor zerstört, zählt mittlerweile 2,5 Millionen Aufrufe und wurde mehr als 70.000 mal geteilt. Der Einzelhandel widerspricht den Vorwürfen des Landwirts.

In dem sieben Minuten langen Film, sind Hagn und Helfer zu sehen, wie sie Minigurken unter die Erde pflügen. Über die Bilder sind Texte gelegt:

Die großen, bekannten Handelsketten wollen nur noch in Plastikfolie verpackte Gurken annehmen. Deshalb werden in Segnitz diese Minigurken in Topqualität vernichtet.

Nur 1,99 Euro für ein 600 Gramm-Steak - eine Schweinerei?

Man sieht Menschen, die Gurken auf den Acker kippen. "Schau dir des an", sagt eine Stimme aus dem Off, "so eine Scheiße." Die Stimme übernimmt bald die Gesprächsführung: "Also Franz, des is' scho' a Drama", sagt sie, danach soll Hagn erzählen, warum er seine Gurken vernichte. Der Landwirt beschuldigt große Handelsketten wie Rewe, sie würden nur noch in Plastikfolie verpackte Gurken annehmen.

Diesen Aufwand könne er sich nicht leisten, so Hagn. Aus diesem Grund habe er einen Teil seiner Ernte demonstrativ vor laufender Kamera vernichtet. Die übrig gebliebenen Gurken, insgesamt sechs Tonnen, verkauft er nun für zehn Euro pro zehn Kilo. Offenbar mit Erfolg: Bereits am Sonntag kamen die ersten Kunden, zum Teil aus 20 Kilometern Entfernung.

Die Aktion sorgte jedoch bei den Einzelhändlern für Unverständnis und Ärger:

Wir bieten den Artikel Minigurken/Brotzeitgurken seit Jahren in beiden Formen – je nach Vorliebe der Kunden – lose und verpackt an. An dieser Wahlmöglichkeit für den Verbraucher hält die Gruppe auch weiterhin fest,

sagte ein Edeka-Sprecher gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Der nach Umsatz zweitgrößte Einzelhandelsriese in Deutschland, Rewe, reagierte mit einer schriftlichen Stellungnahme:

Wir können die Aktion des Erzeugers weder nachvollziehen noch gutheißen. Der Landwirt ist uns nicht bekannt und beliefert auch die REWE nicht direkt. Richtig ist, dass der Erzeuger Mitglied in einer Vermarktungsgenossenschaft ist, die die REWE Region Süd regional mit verschiedenen Gemüseartikeln beliefert. Die Aussage des Landwirts, dass es eine Abnahme von Minigurken durch REWE in 2017 geplant sei, ist schlichtweg falsch.

Zwischen der genossenschaftlichen Erzeugergemeinschaft, in der der Landwirt Mitglied ist, und der REWE Zentrale gab und gibt es sowohl in der Vergangenheit als auch in diesem Jahr keinerlei vertragliche Abmachungen über die Abnahme von Minigurken. Grundsätzlich vermarktet REWE sowohl unverpackte Minigurken von lokalen / regionalen Erzeugern als auch Minigurken in der Pappschachtel mit einer Folie drum. Im Übrigen hat uns die Erzeugergenossenschaft versichert, dass die gesamte Minigurken-Ernte des Landwirts über sie hätte vermarktet werden können,

so Thomas Bonrath von der REWE-Unternehmenskommunikation. Auch aus der Landwirtschaft gab es Kritik. Franz Hagn sei möglicherweise von der Online-Plattform "Fränkische Illustrierte", auf deren Seite das Video veröffentlicht wurde, "ein bisschen missbraucht" worden, sagte Peter Höfler vom Bayerischen Bauernverband. Es sei zu kurz gegriffen, das Problem auf den Einzelhandel abzuwälzen.

Hagn hingegen erklärt, er habe im Mai von der Entscheidung der Lebensmittelmärkte erfahren, fast nur noch verpackte Minigurken anzunehmen. Da seien die Gewächshäuser längst bepflanzt gewesen. Seit Jahren habe er auf rund 6.000 Quadratmetern Fläche Brotzeitgurken angebaut. Zwischen April und Oktober ernte er üblicherweise zwischen 1.500 und 2.000 Kilo am Tag. Nun habe er den Brotzeitgurken in den Gewächshäusern zwangsläufig das Wasser abdrehen müssen. Gerade mal 20 Prozent seiner Ernte hätte er in letzter Zeit verkaufen können, das sei zu wenig, um die Produktionskosten zu decken.

In drei Wochen will der Landwirt aus Unterfranken einen Neustart mit Schlangengurken wagen. Die hätten im Handel auch ohne Plastikhülle eine Chance. Er müsse schließlich auch an seine sechs Mitarbeiter denken, die er für Gurken angestellt habe.