Russische Hacker nun auch hinter Katar-Krise vermutet: Lesern in deutschen Foren platzt der Kragen

Russische Hacker nun auch hinter Katar-Krise vermutet: Lesern in deutschen Foren platzt der Kragen
Symbolbild
Auslöser der schweren diplomatischen Krise um das Emirat Katar sollen laut CNN mit Verweis auf US-Geheimdienste, erneut „russische Hacker“ gewesen sein. Die unkritische Wiedergabe dieses Narrativs in den deutschen Leitmedien, scheint bei den Lesern und Foristen das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht zu haben.

Unter Berufung auf nicht näher genannte US-Regierungskreise, berichtete der US-Sender CNN, dass mutmaßlich die zwischenzeitlich sprichwörtlichen „russischen Hacker“ letztendlich für die schwere diplomatische und geopolitische Krise am Persischen Golf verantwortlich seien. Demnach würden Informationen von US-Nachrichtendiensten darauf hindeuten, dass russische Hacker bereits Ende Mai in die Systeme der staatlichen Nachrichtenagentur Katars eingedrungen sein, um dort eine Falschmeldung zu platzieren.

In der betreffenden Meldung äußerte sich die katarische Führung positiv gegenüber dem Iran. Der Argumentation folgend, war dies für das repressive Regime Saudi-Arabiens offensichtlich Anlass genug eine totale Blockade Katars zu initiieren.

Den Ermittlern der US-Behörden zufolge, sei es dabei offenbar das Ziel Moskaus gewesen, durch diesen antizipierten Zug der Saudis „Spannungen“ zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten zu fördern. Welchen konkreten Nutzen sich Moskau durch eine Cyber-Manipulation mit kaum kalkulierbaren Folgen erhoffen soll, bleibt unerwähnt.

Vielleicht auch daher der hintergeschobene Hinweis, dass nach bisherigem Kenntnisstand unklar sei, ob es sich bei den Drahtziehern des mutmaßlich jüngsten Hacking-Streichs um den Kreml selbst oder "russische Kriminelle" gehandelt habe. Dies suggeriert journalistische Genauigkeit - unterstreicht letztendlich aber doch nur das zugrundeliegende Narrativ der global agierenden russischen Hacking-Krake.

Während die deutschen Leitmedien auch diese neue Räuberpistole unhinterfragt übernahmen, quellen deren Foren aufgrund der nunmehr global omnipräsenten russischen Hacker vor beißender Ironie und Spott über. Aus Platzgründen sollen hier nur einige Kommentare unter zwei Artikeln von Zeit.de und Spiegel-Online exemplarisch die Meinungen der Leser widerspiegeln.

Den Auftakt bildet ein Artikel von zeit.de mit dem Titel „FBI vermutet russische Hacker hinter Katar-Konflikt“.

David Rumba:

Diese Behauptung ist nicht nur lächerlich, sondern geradezu grotesk, weil sie überhaupt keinen Sinn macht. Es scheint mir viel wahrscheinlicher, dass der US-Geheimdienst hinter der Attacke steht, denn er hat an dieser Entwicklung ein deutlich größeres Interesse. Es ist wohl auch kein Zufall, dass diese konzertierte Aktion wenige Tage nach dem Besuch des US-Präsidenten in Saudi-Arabien erfolgte und die US-Regierung einen strikten Anti-Iran-Kurs verfolgt. Da Katar sich diesem Kurs nicht anschließen wollte, wird es jetzt massiv unter Druck gesetzt.

Selbstzensiert:

Es ist logischerweise nicht möglich, dass diese Geschichte wahr ist. Irgendeine kleine Meldung in einer Katarer Zeitung soll es ermöglichen, das sich zig Nahost Staaten innerhalb von Stunden auf so einen flächendeckenden Boykott EINIGEN können? Ohne Vorbereitung? Und verantwortlich ist der kleine Russe mit seinem C64? Nicht etwa der multimilliardenkonzern NSA mit seinen Supercomputern? Wenn der Russe mit seinem hundertstel an Budget so gut ist? Was mag dann wohl die NSA anrichten können? Unglaubwürdiger war nur Powells Iraklüge.

Spon-Flüchtling:

Dieser "Artikel" (also die gehackte Pressemeldung) ist für die sanktionierenden Staaten eben nur der Anlass für die Sanktionen, nicht der Grund (wäre sonst auch Unsinn, mit der Reaktion 2 Wochen zu warten, meiner Meinung nach..). Das FBI sieht darin wieder mal russische Einflussnahme (wessen auch sonst....), und bei den deutschen Medienkonsumenten bleibt wieder "russische Hacker" hängen. Läuft doch alles einwandfrei.... ;).

Capitannoaudio:

Der BND vermutet russische Hacker hinter der verdeckten Autobahnprivatisierung, dem Klimawandel ( Trump !!), und der Tatsache, dass öfters mal ein Sack Reis in China umfällt. Im Ernst: Wer solche Meldungen verbreitet, hat den Schuss nicht gehört.

Ministerium für Überfülle:

Und lesen Sie morgen auf CNN, WP oder NYT, wie russische Hacker die Völkerwanderung ausgelöst haben und Rom zu Fall brachten.

Auch auf Spiegel Online läuft für viele Kommentatoren das Fass der Hacking-Vorwürfe langsam über. So beispielsweise unter dem Artikel „Mögliche Fake-News-Kampagne: FBI vermutet russische Hacker hinter Katar-Krise“ vom 07.06.2017.

Freidenker10:

So langsam wird das Ganze ein schlechter Kalter Krieg-Witz! Sollen die Russen jetzt echt hinter allem stecken? Und die NSA sind jetzt die Guten? Die Medien spielen für meinen Geschmack zu undifferenziert mit.

MütterchenMüh:

Jetzt wird es langsam komisch. Für alles, wirklich alles wird inzwischen Russland auf der Welt verantwortlich gemacht. Das stinkt doch gewaltig nach Kampagne. Ich glaube, die größte aller Fake-News-Quellen ist das FBI [...].

Matthyk:

So, wie die saudische Seite reagiert hat, legt das doch eher nahe, dass man den Hackerangriff entweder als äußerst willkommene Chance gesehen hat, harte Maßnahmen zu initiieren, oder dass man diese sogar selbst in Auftrag gegeben hat. Das Einleiten feindseliger Handlungen wird immer auch von entsprechender Propaganda begleitet. Und genau so muss man den ganzen Vorgang rund um die Hackerangriffe auch sehen.

Kurpfaelzer54:

So langsam kommt mir das mit den "russischen Hackern" wie eine Eigenschöpfung "Made in USA" vor. Bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit behaupten die US-Behörden, diese mysteriösen Hacker im Auftrage Moskaus seien die Verursacher. Soll hier von den eigenen Taten abgelenkt werden? In der Vergangenheit schreckten die US-Geheimdienste vor keiner Fälschung oder Verbrechen zurück, um ihre Ziele durchzusetzen. Da ist Misstrauen angesagt. Nebenbei, wenn diese legendären russischen Hacker tatsächlich all das waren, dann hätten sie ein Niveau erreicht, das schon an Science-Fiction erinnert und wahre Supermänner.

BSC:

Wenn irgendwo was schief läuft, ist Russland schuld. Selbst wenn es Hacker-Angriffe gegeben hätte, Katar finanziert Terror, Saudi-Arabien finanziert Terror, das ist hinlänglich auch ohne Fake-News bekannt geworden. Manchmal hat man wirklich keine Lust mehr, diese ganzen absurden Verlautbarungen zu lesen. Wenn schon Ende Mai (!) "Experten" da waren und festgestellt haben, dass da Sabotage im Spiel war, warum wird dann eine Woche später Katar isoliert? Passt alles nicht zusammen.

Tom H.:

Die Überschrift ist interessant: "Mögliche Fake-News-Kampagne: FBI vermutet russische Hacker hinter Katar-Krise". Soll das heißen, dass es sich bei der Meldung "FBI vermutet russische Hacker hinter Katar-Krise" um eine "mögliche Fake-News-Kampagne" handelt?

Soweit die Eindrücke aus den Kommentarbereichen einer der beiden größten deutschen Meinungsmacher. Auch wenn die Journalisten der deutschen „Qualitätspresse“ die Meldung über mutmaßliche russische Hacking-Aktivitäten erneut unhinterfragt übernahmen, scheinen die Kommentatoren im Laufe der Zeit ein feines Gespür für die vielen Ungereimtheiten und sonstigen Auffälligkeiten in diesem Zusammenhang entwickelt zu haben. Es scheint, als wurde die grobe Hacking-Keule nun endgültig zu oft geschwungen. Bislang deutet sich jedoch nicht an, dass die Journalisten des sogenannten Mainstream sich dadurch in ihrer „freien Berichterstattung“ beindrucken lassen würden.

Derweil kritisierte Kreml-Sprecher Dmitry Peskow den CNN-Bericht als "fake" und erklärte:

Es handelt sich um eine neue publizierte Lüge. Leider beziehen sich unsere Kollegen von CNN bei ihren Publikationen immer wieder auf ungenannte Quellen ungenannter Agenturen etc. etc. Diese Informationsströme haben keinerlei Bezug zur Realität. Es ist so weit von der Realität entfernt. Ein Fake bleibt ein Fake.

Diesseits und jenseits des Ozeans von der Qualitätspresse geprellte Bürger greifen in dieser frustrierenden Situation verstärkt auf Humor als Waffe zurück. So etwa aktuell im Fall der Anhörung von Ex-FBI-Chef James Comey.

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