Selektive Solidarität: Brandenburger Tor soll in britischen Nationalfarben angeleuchtet werden

Selektive Solidarität: Brandenburger Tor soll in britischen Nationalfarben angeleuchtet werden
Union Jack, nochmal. Großbritannien wird vom Terror derzeit häufiger getroffen. Dabei gedenkt Berlin der britischen Partnerstadt mit großzügiger Beleuchtung heute erneut, wohingegen bei Anschlägen in Sankt Petersburg und Stockholm nichts beleuchtet wurde.
Der Berliner Senat setzt am Pfingstsonntag alles in Bewegung, um das Brandenburger Tor nach dem Londoner Anschlag in den britischen Nationalfarben anzustrahlen. Für schwedische und russische Opfer bei Anschlägen im April war es hingegen dunkel geblieben.

Das Brandenburger Tor soll am Sonntagabend ab 21.30 Uhr in den britischen Nationalfarben angestrahlt werden. Berlin wolle damit seine Solidarität mit den Opfern des Terroranschlags in der Partnerstadt London zum Ausdruck bringen, sagte Senatssprecherin Claudia Sünder der Deutschen Presse-Agentur. Bei einem Terroranschlag waren am Samstagabend in London mindestens sieben Menschen getötet und rund 50 verletzt worden. Bereits im März leuchtete das Brandenburger Tor in den Farben des "Union Jacks" nach einem  islamistischen Terroranschlag im Londoner Regierungsviertel.

Als aber im vergangenen April bei einem Anschlag in Sankt Petersburg 15 Menschen getötet und 50 teils schwer verletzt wurden, blieb das Berliner Wahrzeichen im Dunkeln stehen. Die Sprecherin des Berliner Senats hatte uns dazu persönlich wissen lassen, dass man mit einem stillen Besuch in der russischen Botschaft das "größte Signal" gesendet habe, das dem Berliner Senat möglich gewesen sei.

Die Entscheidung, das Brandenburger Tor trotz der hohen Anzahl unschuldiger Opfer in Russland nicht zu beleuchten, zog viel Kritik nach sich. Sie wurde vom Senat damit gerechtfertigt, dass Sankt Petersburg keine Partnerstadt Berlins sei. Nur in Fällen von bestehenden Städtepartnerschaften oder aber "besonderen Beziehungen" käme es zur öffentlich sichtbaren Trauerbekundung am Brandenburger Tor. Auch im Fall des Angriffs in Stockholm, bei dem es im April drei Tote und mehrere Verletzte gegeben hat, wurde diese Begründung der Städtepartnerschaft angeführt und somit nicht beleuchtet. Zu der Regel der Städtepartnerschaften hatte es aber mehrfach und nicht immer nachvollziehbare Ausnahmen gegeben, so bei Anschlägen in Jerusalem und Orlando. Aus dem Grund der scheinbaren Willkür hatte sogar der Berliner Kultursenator argumentiert, die Trauersymbolik entweder ganz oder gar nicht durchzuführen.

Am Pfingstsonntag aber scheute der Berliner Senat keinerlei Mühen, um die Beleuchtung erneut zu ermöglichen.

Wir versuchen gerade das notwendige technische Equipment zu beschaffen. Das ist am Pfingstsonntag nicht so einfach",

hatte Senatssprecherin Claudia Sünder dem Tagesspiegel versprochen. Welch ein Kontrastprogramm!

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