Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fehlen Tausende Fingerabdrücke

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fehlen Tausende Fingerabdrücke
Die genaue Zahl der nicht erfassten Asylanten werde derzeit erhoben, die nachträgliche Erfassung habe bereits begonnen, so das Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf).
Rund 5.000 anerkannte Flüchtlinge sind offenbar nicht erkennungsdienstlich behandelt worden. Mit anderen Worten: Von ihnen fehlen Fingerabdrücke und Fotos. Die fehlerhaften Verfahren sind der zuständigen Behörde erst jetzt aufgefallen. Jetzt soll nachgezählt werden.

Entgegen früheren Angaben haben doch noch nicht alle Flüchtlinge in Deutschland ihre Fingerabdrücke abgegeben. Eine Sprecherin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Nürnberg erklärte, dass die Behörde von einer vierstelligen Zahl von Asylbewerbern ausgeht, die noch nicht erkennungsdienstlich erfasst wurden. Es fehlen demnach unter anderem Fingerabdrücke und Fotos.

Die exakte Zahl werde derzeit geprüft, die nachträgliche Erfassung habe bereits begonnen. Zuvor hatten die "Nürnberger Nachrichten" und die "Welt" berichtet, dass es sich um etwa 5.000 anerkannte Asylbewerber handle. Das habe Bamf-Präsidentin Jutta Cordt am Mittwoch im Innenausschuss des Bundestages erklärt.

Der Bahnhof in Malmö ist für viele Flüchtlinge, die nach Schweden gelangen, die erste Ankunftsstation. Marokkanische Asylbewerber machen sich oftmals jünger als sie sind - um bevorzugt behandelt zu werden.

Laut der Behördensprecherin hatten die Länder dem Bamf im vergangenen Jahr gemeldet, dass alle Asylbewerber erfasst seien. Doch dem ist wohl nicht so. Inzwischen habe es "nachträgliche Meldungen" gegeben, wonach doch noch nicht alle Menschen registriert sind. Erst seit Ende 2015 werden an den Grenzen alle dort festgestellten Flüchtlinge von der Bundespolizei oder dem Bamf erfasst. In den anderen Fällen werden die Fingerabdrücke erst während des Asylverfahrens genommen.

Innenminister Thomas de Maizière hatte am Mittwoch nach der Sitzung des Innenausschusses angekündigt, dass bis zu 100.000 positive Asylentscheidungen überprüft werden sollen. Eine Konsequenz aus dem Fall des terrorverdächtigen Bundeswehrsoldaten Franco A. Der festgenommene Oberleutnant der Bundeswehr hatte sich unter falscher Identität als syrischer Flüchtling ausgegeben und soll gemeinsam mit Komplizen aus einer rechtsradikalen Gesinnung heraus einen Anschlag vorbereitet haben.

Proteste am Odeonsplatz in München gegen die Abschiebungen nach Afghanistan am 31. Bis zu 350 Demonstranten nahmen am 31. Mai an der Kundgebung teil.

Der Innenminister sagt zudem, dass bei der internen Untersuchung beim Bamf keine vergleichbaren Fälle wie bei Franco A. zu Tage gefördert wurden. Allerdings habe die Stichprobe auch ergeben, dass nicht in allen Fällen alle Vorgaben eingehalten worden seien. De Mazière sprach von Defiziten etwa in der nachträglichen Dokumentation und des Weges zur Entscheidung. Es habe aber keinen Fall gegeben, in dem Sicherheitsstandards verletzt worden seien.

Dolmetscher des Bamf sollen als Konsequenz aus dem Fall Franco A. künftig Zweifel an der Herkunft eines Asylsuchenden melden. Alle 8.000 Verträge der Dolmetscher seien dementsprechend angepasst worden, sagte Bamf-Chefin Cordt. Alle Mitarbeiter seien verpflichtet, bei den Dolmetschern nach "Unstimmigkeiten in der Sprache" zu fragen.

(rt deutsch/dpa)

ForumVostok