Abgründe im Latte-Macchiato-Idyll: Schwere Misshandlungen von Kleinkindern in einer Berliner Kita

Abgründe im Latte-Macchiato-Idyll: Schwere Misshandlungen von Kleinkindern in einer Berliner Kita
Kita Gleimstrasse 46 Kita Gleimstrolche in der Gleimstrasse 46 in Berlin Prenzlauer Berg. In der Kindertagesstätte in Haus 1 soll eine Erzieherin Kinder mißhandelt haben.
In einer Kita im Prenzlauer Berg soll eine Erzieherin Kleinkinder massiv misshandelt haben. Eltern berichteten von Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder. Doch die Ursache hat ihnen die Leitung lange verschwiegen. Nun geht der Fall zu Gericht.

Ein Albtraum für Eltern und Kind: Berichten zufolge soll eine Erzieherin in einer Kita im Prenzlauer Berg Kinder mit dem Gesicht nach unten auf Matratzen gefesselt haben, wenn diese nicht schlafen wollten. Zudem habe sie den Kindern Mahlzeiten gewaltsam eingeflößt, wenn diese das Essen verweigerten.

Die Vorfälle ereigneten sich im Haus 1 der Kleinkindgruppe in der Kita Gleimstrolche im Prenzlauer Berg, die von der Trägergruppe Kubibe betrieben wird. Hier werden 120 Kinder ab acht Wochen bis zur Einschulung betreut. Die Erziehungskernpunkte auf der Webseitenpräsentation lesen sich sehr ansprechend: 

Es wird selbst gekocht, es gibt eine behutsame Eingewöhnungszeit, musikalische Früherziehung, nachhaltige Bewegungs- und Gesundheitsförderung und die Einrichtung setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern. Sogar Saunabesuche für Kinder ab drei Jahren stehen auf dem Programm. 

Rest der Belegschaft flüchtet sich in den Krankenstand

Thilo Schwarz-Schlüßler, Geschäftsführer der Trägergesellschaft, die insgesamt fünf Kindergärten betreibt, bemüht sich um eine Aussöhnung mit den Eltern und fürchtet nun gar eine Schließung der Kita Gleimstrolche. 

Die Misshandlungen durch eine Erzieherin sollen sich im Herbst des vergangenen Jahres ereignet haben. In dieser Zeit berichteten die Eltern von Verhaltensauffälligkeiten der Kinder und Angstzuständen, für die sie damals keine Erklärung fanden. 

In einem Brief Kubibes an die Eltern der Kinder hieß es: 

Mehrere Kinder, darunter auch Ihres, wurden wiederholt körperlich und/oder psychisch gedemütigt. [...] Die Vorwürfe und Hinweise sind so gravierend, dass ich als Geschäftsführer umgehend nach Bekanntwerden des vollen Ausmaßes personelle und strafrechtliche Konsequenzen ziehen musste.

Geklärt werden muss das genaue Ausmaß der Misshandlungen und wie es im Beisein anderer Erzieherinnen dazu kommen konnte. Die Erzieherin Ulrike A., die die Kinder misshandelt haben soll, wurde fristlos entlassen und die Leitung des Kindergartens suspendiert.

Die Eltern sind nun sich selbst überlassen, denn die übrigen Erzieherinnen der Kleinkindgruppe haben sich krank gemeldet und der Kindergarten war nicht in der Lage, Ersatz zu beschaffen. 

Wochenlanges Schweigen gegenüber den Eltern

Hoffnung setzen die Eltern auf Aussagen ehemaliger Praktikantinnen und Erzieherinnen der Kita, die sich kurz nach Arbeitsaufnahme infolge der Missstände dazu entschieden haben, den Arbeitgeber zu wechseln. 

Ein Sprecher der zuständigen Berliner Jugendsenatorin sagte der taz gegenüber:

Wir halten den Fall für sehr ernst und gravierend. Aus unserer Sicht sind die Vorwürfe sehr erheblich.

Zudem soll die Kita-Leitung bereits im Februar von den Vorfällen erfahren haben. Bis sie die Eltern hiervon in Kenntnis gesetzt hat, dauerte es aber Wochen. 

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