Adrett in die Schlacht: Bundeswehr testet Umstandsmode für Soldatinnen

Adrett in die Schlacht: Bundeswehr testet Umstandsmode für Soldatinnen
Die Bundeswehr soll attraktiver werden - damit sind allerdings nicht nur die Frauen gemeint.
Die Bundeswehr steckt in einem ihrer größten Skandale der Nachkriegszeit. Rechtsextreme Netzwerke und bedenkliche Gedenkpraktiken gegenüber der Wehrmacht sorgen für Schlagzeilen. Doch nun soll sich alles ändern – zumindest was die Garderobe betrifft.

Jetzt wird’s chic: Die Bundeswehr setzt nach und nach das neue Bekleidungskonzept von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen durch. Der neueste modische Vorstoß ist nun der Test von Umstandsmode für schwangere Soldatinnen. Bislang mussten schwangere Soldatinnen auf Zivilkleidung ausweichen, wenn der Babybauch zu groß wurde. Doch bald soll es Abhilfe geben. Im Rahmen des neuen Bekleidungskonzeptes, das Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bereits Ende 2015 für deutsche Soldatinnen angekündigt hatte, sollen nun erstmals Umstands-Uniformen für Schwangere getestet werden.

Medienberichten zufolge werden künftig 60 Soldatinnen die neue Bundeswehr-Umstandsmode testen. Laut der Homepage der Bundeswehr erwarten von den derzeit rund 20.000 Soldatinnen aktuell ungefähr 400 Nachwuchs. Sollte sich die getestete Umstandsmode bewähren, sollen ab 2018 alle Schwangeren im Bund damit ausgestattet werden. Die Verteidigungsministerin hatte bereits vor längerer Zeit ihre genauen Vorstellungen für die Bekleidung von weiblichen Soldaten geäußert. Einem Bericht der „Welt“ vom Oktober 2016 zufolge wurden damals erstmals auch Damenhandtaschen, Sport-BHs und Pumps bestellt.

Junger Soldat der Bundesweh in Aachen; Deutschland, 5. Januar 2011.

Überarbeitung der Dienst- und Ausgehbekleidung, zum Beispiel neue zeitgemäße Schnitte und Materialien für Dienstjacken, -hosen und -röcke,

nennt die Bundeswehr das neue Konzept. Es geht dabei aber nicht nur um die Frauen in der Truppe. Auf Anfrage der Welt hieß es: Die Maßnahmen dienten der „Attraktivitätssteigerung für alle Soldatinnen und Soldaten“. Da bei der Bundeswehr die Kleiderordnung bis ins kleinste Detail geregelt ist, müssen auch die Pumps, Handtaschen und BHs alle einheitlich aussehen und gewisse Merkmale aufweisen beziehungsweise vermeiden. Zum Beispiel sind magnetische oder auffällige Verschlüsse an den Handtaschen verboten.

Nicht wenige sprechen bei der modischen Offensive allerdings von einem Ablenkungsmanöver. Die anhaltende Kritik an von der Leyen im Hinblick auf den Skandal um den rechtsextremen Bundeswehroffizier Franco A. und dem Auffinden von Wehrmachtsandenken in unzähligen deutschen Kasernen, hatte die Verteidungsministerin in die Defensive getrieben. Seit 2012 hatte die Bundeswehr 18 Mitglieder wegen Rechtsradikalismus entlassen. Auch in der Kaserne von Franco A. sollen regelmäßig rechte Rituale durchgeführt worden sein.

Zudem hatte es bei einer Übung im nordbayerischen Wildflecken einen tödlichen Zwischenfall gegeben, bei dem ein 22-Jähriger ums Leben kam. Ob bei all diesen Problemen hübschere Uniformen allein weiterhelfen, darf bezweifelt werden.

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