Deutschland unterschiedlich alt: Kluft zwischen Ost und West beträgt bis zu zehn Jahren

Deutschland unterschiedlich alt: Kluft zwischen Ost und West beträgt bis zu zehn Jahren
Deutsche Regionen weisen deutliche regionale Unterschiede beim Durchschnittalter auf. Vor allem die ostdeutschen Landkreise haben einen höheren Anteil an älteren Menschen. Insgesamt altert Deutschland jährlich im Schnitt um vier Monate.

Die Menschen werden immer älter. Mittlerweile beträgt in mehreren Industrieländern die Lebenserwartung mehr als 80 Jahre, in Deutschland für 2015 Geborene 81,3. Mit steigender Lebenserwartung wächst auch das Durchschnittalter der derzeit lebenden Deutschen.

Laut einer Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) stieg dieses von der Jahrtausendwende bis 2015 um 3,3 Jahre – von 40,6 auf 43,9 Jahre. Doch die Alterung verteilt sich nicht gleichmäßig. Die Studie zeigt anhand mehrerer Grafiken, wie deutlich regionale Unterschiede beim Durchschnittalter zutage treten.

Die Pole der Republik

Während das Durchschnittsalter in den beiden Universitätsstädten im Südwesten der Republik - Freiburg im Breisgau und Heidelberg - 39,8 beziehungsweise 39,9 Jahre beträgt, liegt es in einigen ostdeutschen Landkreisen und kreisfreien Städten etwa zehn Jahre darüber, zum Beispiel in Suhl (49,1), im Altenburger Land (49,4) und in Dessau (49,5). Dort liegt der Anteil der über 64-Jährigen zudem bei knapp 30 Prozent. In Freiburg und Heidelberg sind hingegen nur rund 16 Prozent der Bewohner älter als 64 Jahre.

Wie in der Mitteilung erläutert wird, altern viele strukturschwache Gebiete schneller, da sie an junger Bevölkerung verloren haben. Die Kluft zwischen wachsenden Groß- und Universitätsstädten und den Gebieten jenseits der Ballungsräume hat sich demnach in den letzten Jahren vertieft. 

Allein zwischen 2000 und 2015 haben Landkreise wie Suhl (minus 22 Prozent), Oberspreewald-Lausitz (minus 21,7 Prozent) und Spree-Neiße (minus 19,9 Prozent) jeden fünften Einwohner verloren.

Niedriges Durchschnittsalter im Umland der Metropolen

Doch längst nicht alle ländlichen Räume überaltern. Generell ist das Durchschnittsalter in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs sowie im Nordwesten Deutschlands besonders niedrig.

Der BBSR-Auswertung zufolge haben einige Landkreise im Westen – wie Vechta (40,0) oder Cloppenburg (40,1) – eine vergleichsweise junge Bevölkerung. Ein Grund dafür sind hohe Geburtenraten.

Deswegen ist auch die durchschnittliche Familiengröße in vielen Landkreisen des Nordwestens mit über 2,5 Personen pro Haushalt die höchste in der Republik. So groß sind die durchschnittlichen Familien nur noch in manchen Kreisen Bayerns. Das ergab eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung.

Hingegen sind die Haushalte fast auf dem gesamten Gebiet von Ostdeutschland im Schnitt kaum größer als zwei Personen. Nur manche Gebiete in Niedersachsen sowie in westlichen Ballungsräumen können eine ähnliche Tendenz ausweisen.

Beim Durchschnittsalter können mit Universitätsstädten wie Tübingen, Erlangen, Regensburg oder Eichstätt nur noch einige Umlandkreise der wirtschaftsstarken Metropolen konkurrieren, beispielsweise Freising (40,6) und Erding (41,4) bei München. Die Erklärung dafür: Viele Familien zieht es hier aus den Kernstädten ins engere Umland.

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