Der Verlierer aus dem Norden: Torsten Albig vor ungewisser Zukunft

Der Verlierer aus dem Norden: Torsten Albig vor ungewisser Zukunft
Noch-Ministerpräsident Torsten Albig hat bei der Wahl in Schleswig-Holstein herbe Verluste eingefahren. Welche Koalitionen sind nun möglich?
Die SPD hat mit noch Ministerpräsident Torsten Albig bei der Wahl in Schleswig-Holstein herbe Verluste eingefahren. Über drei Prozentpunkte büßten die Sozialdemokraten gegenüber dem Ergebnis von 2012 ein. Nichts zu spüren also vom Schulz-Effekt im Superwahljahr.

Das ein Verlierer Blumen bekommt, ist ungewöhnlich. Trotzdem übereichte der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz heute Mittag im Willy-Brandt-Haus einen Strauß an seinen Parteifreund Torsten Albig – den Verlierer der Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Geradezu symptomatisch war es, dass Albig den Blumenstrauß sofort wieder auf den Boden legte.

Anschließend schritt er zum Rednerpult und räumte wie zuvor Schulz, unmissverständlich die Niederlage im Norden ein. Viele machen die Niederlage an der Person Torsten Albig fest. Dieser hatte sich in den Endzügen des Wahlkampfes in einem Interview mit der Zeitschrift Bunte wenig glücklich über seine Noch-Ehefrau geäußert:

"Ich war beruflich ständig unterwegs, meine Frau war in der Rolle als Mutter und Managerin unseres Haushaltes gefangen."

Das dürfte bei einigen potentiellen Wählerinnen nicht gut angekommen sein. Auch aus den eigenen Reihen erntete Albig Kritik. Die Situation erinnerte leicht an den damaligen Verteidigungsminister Rudolph Scharping, der im Jahr 2001 mit seiner neuen Freundin auf Mallorca im Pool planschte, während seine Soldaten sich für den Einsatz in Mazedonien rüsteten. Erschienen war die Story damals ebenfalls in der Bunten. 

Trotz Niederlage besteht noch theoretische Hoffnung für Albig. Durch konstante Grüne und eine wieder erstarkte FDP ist eine Ampel-Koalition möglich. Wirklich daran zu glauben, scheint aber am Tag nach der Wahl niemand. Zu sehr ist das Ergebnis auch ein Ergebnis gegen Albig.

Eine große Koalition scheint ausgeschlossen. Der CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther bezeichnete diese Option als „das falscheste Signal“, die SPD habe „krachend verloren“.

Am wahrscheinlichsten ist die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP. Anders als in anderen Bundesländern verstehen sich die Grünen und die FDP in Schleswig-Holstein sehr gut. Der Norden wird also bunt bleiben.

Im Willy-Brandt-Haus wussten man heute Mittag wohl schon, was die Stunde geschlagen hatte. Vielleicht wurden deshalb auch keine Fragen von Journalisten zugelassen. Zu hören waren nur die Statements von Schulz und Albig, was von vielen Journalisten kritisiert wurde. 

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