Nächste Runde im Superwahljahr - Enges Rennen im Norden

Nächste Runde im Superwahljahr - Enges Rennen im Norden
Das Wahljahr geht in die nächste Runde und der heutige Ausgang der Landtagswahl im nördlichsten Bundesland gilt als weiteres politisches Stimmungsbarometer, sowohl für die Wahl am kommenden Sonntag in Nordrhein-Westfalen als auch im Bund. Nachdem die CDU zuletzt aufholte wird es wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD.

(dpa, rt deutsch) Schleswig-Holstein ist mit gut 2,8 Millionen Einwohnern nicht das größte Bundesland, dennoch kann auch diese Wahl die bisherige Dynamik im anlaufenden Bundeswahlkampf beeinflussen. Gut 2,3 Millionen Wahlberechtigte entscheiden am heutigen Sonntag in einer spannenden Wahl den 19. Landtag im nördlichsten Bundesland für die kommenden fünf Jahre, wie auch in Bayern. Wie sonst nur in Brandenburg, Bremen und Hamburg sind die Schleswig-Holsteiner ab dem 16. Lebensjahr wahlberechtigt.

Machtwechsel im Norden?

CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther will Torsten Albig (SPD) als Ministerpräsident in Kiel ablösen. Beide hatten zuletzt politische Bundesprominenzim Wahlkampf zur Verstärkung empfangen, sowohl Angela Merkel als auch Martin Schulz gaben sich bürgernah im Norden.

Wer flüstert denn da? Oskar Lafontaine und SPD-Kanzlerkanidat Martin Schulz verständigen sich im Plenarsaal des Bundestags in Berlin, 12. Februar 2017.

Die Umfragen wiesen auf knappe Ergebnisse hin, es könnte einen Wechsel nach fünf Jahren Küstenkoalition geben, bestehend aus SPD, Grünen und dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW), der die dänische und friesische Minderheit vertritt und von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommen ist.

Noch im März hatte Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) auf dem 100-Prozent-Parteitag die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen als Etappenziele auf seinem Weg ins Kanzleramt bezeichnet. Nachdem die Dynamik des „Schulz-Zuges“ bereits im Saarland nach der SPD-Niederlage im Saarland zugunsten der CDU ins Stocken geriet, wird es auch diesmal spannend. Der neue SPD-Chef muss sich womöglich vorhalten lassen, dass sein Vorgänger Sigmar Gabriel beinahe acht Jahre lang in den Landtagswahlen keine Staatskanzlei verloren hat.

In den jüngsten Umfragen lag die CDU vor der SPD. Der 43-Jährige Herausforderer Daniel Günther ist bisher relativ unbekannt. Er hatte im vergangenen November 2016 Ingbert Liebing als CDU-Landesvorsitzender abgelöst und der Partei damit einen Aufschwung beschert. Sein Wahlziel liegt bei über 35 Prozent.

Bei der Landtagswahl in Saarbrücken hatte die CDU im März wohl auch von der Beliebtheit der Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer profitiert. Landesvater Torsten Albig der SPD hingegen genießt größere Bekanntheit als Günther und Popularität. Er und sieht die Umfrageergebnisse nicht als aussagekräftig an.

Wer mit wem, wer bleibt draußen?

Albig hält an seiner Koalitionsaussage für ein Bündnis mit Grünen und SSW fest. Das Ziel der CDU ist eine Koalition mit der FDP.Heiner Garg (FDP), sieht gute Chancen, die amtierende Küstenkoalition abzulösen, die Partei will über zehn Prozent erreichen. Fraktionschef und Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki ist als stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP auch über das Bundesland hinaus prominent und hofft auf ein zweistelliges Ergebnis.

Sowohl die FDP als auch die Grünen ziehen wohl in den Kieler Landtag. Die Grünen mit Spitzenkandidatin Monika Heinold widersetzen sich in Schleswig-Holstein dem bundesweiten Abwärtstrend. Die Linke hingegen hat bei 4,5 Prozent der Stimmen in den letzten Umfragen wenig Chancen in den Landtag zu kommen. Sie lag damit hinter der Alternative für Deutschland (AfD), bei der es mit 6 Prozent um wenige Prozentpunkte geht.

Daniel Günther, Spitzenkandidat der CDU und Herausforderer der Küstenkoalition, an einem bisher sonnigen Tag

Die AfD mit Spitzenkandidat Jörg Nobis will laut Wahl-Spot eine Wende und die „Küstenkoalition versenken“. Die Piratenpartei wirbt ebenfalls für einen Kurswechsel von der etablierten Politik, jedoch hatten sie sehr große Verluste zu verzeichnen, es wird damit gerechnet, dass sie am Sonntag weit unter der 5-Prozent-Hürde abschneiden. Nachdem ihre Umfragewerte im Oktober 2016 auf 1 Prozent gefallen waren, wurden sie in jüngsten Umfragen nicht mehr gesondert erfasst.

Die Wahlbeteiligung ist an diesem Sonntag um einige Prozentpunkte höher als vor fünf Jahren. Die Wahllokale sind von 8 - 18 Uhr geöffnet. Erste Hochrechnungen werden kurz nach 18 Uhr erwartet, wobei die Erfahrungbei den letzten Landtagswahlen in Schleswig-Holstein zeigt, dass Geduld angebracht scheint, da die Ergebnisse erst nach Mitternacht rauskamen.

RT Deutsch Reporter Stev Drews ist live vor Ort und zeigt die Stimmung in Kiel.