Extra 3 verärgert AfD: Partei erwägt Klage wegen "Nazischlampe"-Scherz

Extra 3 verärgert AfD: Partei erwägt Klage wegen "Nazischlampe"-Scherz
Im Streit mit der Satire-Sendung extra 3: AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel.
Neuer Satire-Streit in Deutschland: Ganz ohne Erdogan, aber wieder mit extra 3. Weil sich die AfD-Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl von der NDR-Sendung persönlich beleidigt fühlt, will die Partei juristisch gegen deren Moderator Christian Ehring vorgehen.

Auf dem jüngsten AfD-Parteitag in Köln forderte die dort frisch gewählte Spitzenkandidatin der Partei, Alice Weidel, mit Blick auf die Debattenkultur in Deutschland:

Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.

Die AfD zieht mit Alexander Gauland und Alice Weidel an der Spitze in den Bundestagswahlkampf

Christian Ehring, Moderator der NDR-Satiresendung extra 3, die schon den türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan verärgert hatte, nahm die 38-Jährige beim Wort und kommentierte vor laufenden Kameras:

Jawoll. Schluss mit der politischen Korrektheit, lasst uns alle unkorrekt sein. Da hat die Nazi-Schlampe doch recht.

Doch der deftige Humor des Satirikers kommt in den Reihen der rechtskonservativen Partei alles andere als gut an. Ebenfalls wenig politisch korrekt schoss AfD-Pressesprecher Christian Lüth auf Twitter gegen Ehring zurück, bezeichnete diesen als "GEZ-Primitivling" und kündigte juristische Konsequenzen gegen den so Titulierten an: 

Gegenüber dem Spiegel klang das alles jedoch schon deutlich weniger kämpferisch. Der Medienanwalt der Partei werde den Fall nun zunächst einmal prüfen, so Lüth, was impliziert, dass die juristischen Drohgebärden per Twitter am Ende womöglich im digitalen Nirvana versinken. Ohnehin tut sich die Partei mit ihrer Reaktion keinen großen Gefallen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit.

Recht eindeutig stellte sich die AfD im Satirestreit zwischen Recep Erdogan und Jan Böhmermann hinter den ZDF-Satiriker, der mit seiner ebenfalls äußerst deftigen Wortwahl in einem Schmähgedicht den türkischen Staatspräsidenten erzürnte. Jörg Meuthen, Bundessprecher der Partei, erklärte das Aushalten von Humor geradezu zum Lackmustest bei der Rettung des Abendlandes und seiner Kultur und erklärte damals:

Satire, so fragwürdig sie auch sein mag, zur Strafverfolgung freizugeben, ist ein Anschlag auf die Freiheit, die Europa auszeichnet.

Dass Alice Weidel sich durch extra 3 in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt sieht, ist unterdessen durchaus nachvollziehbar. Achtsamkeit und Anstand auch im Streit mit politischen Gegnern eine generelle Absage zu erteilen, wie Weidel dies implizit auf dem AfD-Parteitag getan zu haben scheint, hat am Ende natürlich unangenehme Folgen für alle Beteiligten.

Die Glorifizierung von politischer Überkorrektheit und sprachpolizeilichem Eifer zu kritisieren, muss aber dennoch erlaubt sein. Umso mehr, als dass die willkürliche Nazi-Keule in politisch korrekten Milieus ohnehin nicht verpönt ist. Zumindest nicht, solange sie die "Richtigen" trifft.

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