Ost-Ausschuss-Chef Harms im RT-Interview: Deutsche Wirtschaft blickt optimistisch nach Russland

Ost-Ausschuss-Chef Harms im RT-Interview: Deutsche Wirtschaft blickt optimistisch nach Russland
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Derzeit findet in Niedersachsens Landeshauptstadt die Hannover Messe statt, eine der global bedeutsamsten Industriemessen. Der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Michael Harms, sprach dort mit RT über deutsch-russische Perspektiven.

Seit 1952 vertritt der Ost-Ausschuss die Interessen der deutschen Wirtschaft im östlichen Europa. Seine Träger sind fünf wichtige deutsche Wirtschaftsverbände: der Industrieverband BDI, der Bundesverband Deutscher Banken, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels und der Zentralverband des Deutschen Handwerks.

Michael Harms wird in seiner Funktion als Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft im Juni die Russische Föderation zwecks Besuchs eines ökonomischen Forums besuchen. RT hat mit Harms über die deutsch-russischen Wirtschaftsperspektiven gesprochen.

RT: In einem Artikel von Ende Februar berichtet die FAZ, dass der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft insgesamt für 2017 mit einem Anstieg der deutschen Exporte nach Russland von mindestens fünf Prozent rechnet. Und das, obwohl kein Ende der Wirtschaftssanktionen abzusehen sei. Worauf stützt sich diese Einschätzung?

Harms: Die konjunkturelle Lage in Russland verbessert sich seit Sommer 2016 spürbar. Dies liegt vor allem an der Erholung der Ölpreise, aber auch an zunehmenden Investitionen in die Modernisierung der Wirtschaft. Unsere Umfragen zeigen, dass 60 Prozent der deutschen Unternehmen in Russland 2017 mit steigenden Umsätzen rechnen. Entsprechend optimistisch sind wir auch für den Handel. Bereits in den ersten beiden Monaten 2017 gab es zweistellige Zuwächse im Im- und Export mit Russland, sodass wir für das Gesamtjahr optimistisch sind. Setzt sich der Trend fort, sind auch Zuwächse von über zehn Prozent realistisch.

RT: Wie würden Sie das Investitionsklima in Russland für ausländische und deutsche Unternehmen im Bereich der digitalen Wirtschaft einschätzen?

Harms: Die gesetzlichen Anforderungen an eine Speicherung von Daten in Russland sind für die Unternehmen eine große Herausforderung. Dies ist für Investitionsentscheidungen und Innovationen derzeit eher hinderlich. Die Digitalisierung macht nicht an nationalen Grenzen halt, hier brauchen wir europaweit einheitliche Spielregeln für den Datenverkehr. Ansonsten bietet die Digitalisierung für Russland die große Chance, seine Produktion in kurzer Zeit effizienter und global konkurrenzfähiger zu machen. Deutsche Unternehmen sind beim Thema Industrie 4.0 führend, was auch die Hannover Messe wieder zeigt, und bieten hier die richtigen Lösungen.

RT: Wie schätzen Sie die Rolle von Innovationsstädten ein, beispielsweise dem so genannten russischen Silicon Valley, Skolkowo?

Harms: Cluster wie Skolkowo haben eine sehr gute Infrastruktur, die Innovationen sehr begünstigt. Die Wege zwischen den Unternehmen sind kurz, die Kommunikation intensiv, das fördert neues Denken. Wichtig ist dann, dass der Sprung von der Forschung und Produktentwicklung zur eigentlichen Produktion und Vermarktung gelingt. Dazu sollten sich diese Innovationszentren stärker auch für kleine und mittelständische Betriebe öffnen und ihr Know-how verbreiten. Letztlich sind die kleinen und mittelständischen Betriebe das Rückgrat einer innovativen Wirtschaft.

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