Deutscher Wikipedia-Eintrag zu Emmanuel Macron wirft Fragen auf

Deutscher Wikipedia-Eintrag zu Emmanuel Macron wirft Fragen auf
Wikipedia reklamiert für sich ein Höchstmaß an Objektivität und Glaubwürdigkeit. In einem Urteil aus dem Jahr 2012 hat das AG Köln Inhalte der Online-Enzyklopädie sogar als "gerichtsbekannte Tatsachen" qualifiziert. Nicht immer hält diese Einschätzung auch einer Nachprüfung Stand.
Die Online-Enzyklopädie Wikipedia gehört vor allem in Deutschland zu den beliebtesten Nachschlagewerken. Sie genießt in weiten Teilen der Bevölkerung höchstes Vertrauen. Nicht immer wird sie diesem gerecht - so patzt Wikipedia im Eintrag zu Emmanuel Macron.

In der deutschen Ausgabe von Wikipedia zum nominell unabhängigen französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron wird dieser als "Wirtschaftsminister im Kabinett Ayrault II unter Präsident François Hollande" bezeichnet.

Problem: Dieses Kabinett war von Juni 2012 bis März 2014 im Amt und einen expliziten Wirtschaftsminister gab es in diesem Kabinett gar nicht. Tatsächlich wurde Macron erst zwei Regierungen später Wirtschaftsminister, nämlich im Kabinett Valls II.

Die zum Zeitpunkt der Freischaltung dieses Textes nach wie vor unkorrigierte falsche Tatsachenbehauptung auf Wikipedia kommt just zu einem Moment, in dem Wikipedia-Gründer Jimmy Wales mit einer neuen Nachrichtenplattform den Kampf gegen vermeintlich oder tatsächlich gefälschte Nachrichten im Netz aufnehmen will.

Die Nachrichtenplattform soll den Namen "WikiTribune" tragen. Laut Wales' Darlegungen sollen, dem bisherigen Prinzip des Online-Lexikons Wikipedia folgend, die Nachrichten dabei von einer Gemeinschaft aus Mitarbeitern und Freiwilligen auf die Richtigkeit der Fakten geprüft werden.

Ich glaube, wir befinden uns heute in einer Welt, in der die Menschen sich darum sorgen, dass wir qualitativ hochwertige und faktenbasierte Informationen bekommen. Deshalb glaube ich, dass es eine Nachfrage für so etwas gibt", so der Wikipedia-Gründer gegenüber der BBC. Wales betonte zudem: "Das Nachrichten-Geschäft ist zerstört, aber man kann es reparieren."

Bild: bendalls.com.au

Im Netz habe die Finanzierung über Anzeigen vor allem dazu geführt, dass Nachrichten um jeden Preis für Klick-Raten verbreitet würden - oft ohne jegliche Faktenkontrolle, sagt Wales weiter. Dagegen wolle WikiTribune die Faktenlage der Nachrichten transparent gestalten. Dafür sollen zum Start zunächst mindestens zehn Journalisten eingestellt werden.

Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die das als eine vertrauenswürdige Plattform ansehen würden, sollte es richtig gemacht werden", erläutert auf Nachfrage Joshua Benton von der Harvard University.

WikiTribune soll wie Wikipedia ohne Anzeigen auskommen und sich stattdessen über Spenden finanzieren.

Allerdings ist das Beispiel des seit Monaten nicht korrigierten falschen Eintrags auf Wikipedia zu Macrons angeblicher Funktion als Wirtschaftsminister im Kabinett Ayrault II ein Beispiel, dass das Selbstkorrekturprinzip und die Faktenkontrolle bei Wikipedia nicht so effizient sind, wie es gerne von den Wikipedia-Verantwortlichen präsentiert wird.

Denkt man zurück an Pannen wie erfundene Personen der Zeitgeschichte oder bezahlte Einträge, ist es auch nicht das erste.

Anmerkung der Redaktion: Wikipedia hat zwar nicht auf die vor der Veröffentlichung des Artikels an sie gestellte Presseanfrage von RT Deutsch reagiert, aber dafür umgehend nach Veröffentlichung des Artikels auf RT Deutsch ihren Beitrag zu Emmanuel Macron korrigiert: