Afd-Bundesparteitag in Köln: Petry wirbt für "realpolitischen Kurs"

Afd-Bundesparteitag in Köln: Petry wirbt für "realpolitischen Kurs"
Während draußen Hunderte ihren Protest kundtun, forderte Parteichefin Frauke Petry am Samstag in ihrer Eröffnungsrede für den von ihr favorisierten "realpolitischen Kurs" und räumte gleichzeitig Fehler in ihrem Kommunikationsstil ein.

Dieser realpolitische Kurs sei notwendig, weil das Bild der Partei in der Öffentlichkeit sonst zu stark von einer lauten Minderheit bestimmt werde, sagte die AfD-Bundesvorsitzende. Sie verstehe, dass viele Parteimitglieder die Auseinandersetzung scheuten. Dies sei emotional zwar verständlich, aber es sei "nicht mutig", sagte sie in Anspielung auf das Parteimotto "Mut zur Wahrheit".

Frauke Petry auf einer Wahlkampfveranstaltung der AfD in Essen am 8. April 2017.

Gleichzeitig räumte Petry Fehler ein. Sie sagte, es tue ihr leid, dass sich Parteivize Alexander Gauland durch eine Formulierung in ihrem kürzlich veröffentlichten "Zukunftsantrag" angegriffen gefühlt habe. Dies sei nicht ihre Absicht gewesen. Sie sei auch bereit zu Änderungen an diesem Antrag. 

Petry hatte bei ihren Parteifreunden mit dem Antrag, über den in Köln abgestimmt werden soll, in den vergangenen Tagen für einige Unruhe gesorgt. Darin forderte sie eine Abgrenzung von einer "fundamentaloppositionellen" Strategie. Sie richtete sich damit vor allem gegen die Ideen des Thüringer Fraktionschefs Björn Höcke, über den Gauland seine schützende Hand hält. Vor Beginn der Rede Petrys erhob sich ein Teil der Delegierten, um der Vorsitzenden zuzujubeln. Sie riefen: "Frauke, Frauke".

Rund 600 Delegierte wollen das Wahlprogramm für die Bundestagswahl verabschieden.

Im Mittelpunkt steht auch die Frage, wer als Spitzenteam antritt, nachdem Parteichefin Frauke Petry überraschend angekündigt hatte, sie stehe nicht für eine Spitzenkandidatur bereit.

Da schien die Welt noch in Ordnung. Dr. Frauke Petry und Björn Höcke während einer Pressekonferenz in 2014.

Denkbar ist, dass sich ein Trio aus den beiden Vize-Vorsitzenden Alexander Gauland und Beatrix von Storch sowie dem baden-württembergischen Vorstandsmitglied Alice Weidel zur Wahl stellt.

Als erste spricht Petry, die eine strategische Neuausrichtung durchsetzen und die AfD mittelfristig koalitionsfähig machen will. Die Parteiführung gilt als heillos zerstritten. Welches Lager in Köln die Oberhand gewinnt, könnte sich schon am Vormittag beim Beschluss der Tagesordnung abzeichnen: Dann entscheidet sich, ob Petrys "Zukunftsantrag" überhaupt beraten wird. Vor allem in Sichtweise des Tagungshotels war die Polizei mit einem massiven Aufgebot präsent, erste Unruheherde wurden gemeldet. Zu den Demonstrationen werden rund 50. 000 Teilnehmer erwartet.

INSA-Umfrage: AfD so niedrig wie seit Oktober 2015 nicht mehr

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erhofft sich von den Demonstrationen gegen den AfD-Bundesparteitag in ihrer Stadt ein Signal für Toleranz, Respekt und Vielfalt. Sie wünsche sich, "dass wir heute gute Bilder aus Köln bekommen», sagte die parteilose Politikerin am Samstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Sie wollte auch selbst an der Hauptkundgebung gegen die AfD teilnehmen und argumentierte:

Ich empfinde es als Provokation, dass die AfD ihren Bundesparteitag in Köln durchführt, weil Köln eben genau für das steht, was in der AfD nicht befürwortet wird. Das ist Toleranz, das ist Vielfalt, das ist das Willkommen heißen von Menschen, die nach Köln kommen, egal ob sie hier Zuflucht suchen oder einfach ihren Lebensmittelpunkt hier gewählt haben.

(dpa/rt deutsch)

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