Festnahme nach BVB-Anschlag - Motiv wohl Habgier

Festnahme nach BVB-Anschlag - Motiv wohl Habgier
Hinter dem Anschlag auf den BVB-Bus steckt kein islamistisches Motiv. Die Bundesanwaltschaft teilt mit, dass die GSG-9 einen 28-Jährigen festnahm. Der Mann hat die deutsche und die russische Staatsbürgerschaft. Durch Anschlag sollte Kurs der BVB-Aktie beeinflusst werden.

Die Polizei hat anderthalb Wochen nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund einen Tatverdächtigen festgenommen. Es handele sich um den 28-jährigen deutschen und russischen Staatsangehörigen Sergej W., teilte die Bundesanwaltschaft am Freitagmorgen mit. Er sei durch Spezialkräfte des GSG 9 im Raum Tübingen festgenommen worden.

Signal Iduna Park, Dortmund, Ankunft des Mannschaftsbusses eskortiert von der Polizei; Deutschland, 12. April 2017.

Der Mann handelte offenbar aus Habgier: Er habe mit dem Anschlag den Kurs von BVB-Aktien beeinflussen und von einem Kurssturz profitieren wollen. Am Dienstag vergangener Woche waren neben dem Mannschaftsbus der Fußballer drei mit Metallstiften bestückte Sprengsätze explodiert. Der Spieler Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt.

Dem Festgenommenen werde versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit. Am Mittag werde sie über den Stand der Ermittlungen informieren. Der Festgenommene habe sogenannte Verkaufsoptionen in Bezug auf die BVB-Aktie - insgesamt 15.000 Stück - erworben.

Der Kauf sei über die Internet-Adresse des Mannschaftshotels von Borussia Dortmund erfolgt - dort hatte sich der Verdächtige einquartiert. Bei einem massiven Verfall der Aktie hätte der Gewinn ein Vielfaches des Einsatzes betragen. Mit einem erheblichen Kursverfall wäre zu rechnen gewesen, wenn in Folge des Anschlags Spieler schwer verletzt oder gar getötet worden wären, hieß es weiter. Darauf habe der Verdächtige offenbar gesetzt. Finanziert habe der Verdächtige die Optionsscheine über einen Kredit.

Weiteres angebliches Bekennerschreiben nach BVB-Attacke aufgetaucht

Zimmer mit Blick auf den Anschlagsort

Sergej W. habe im Mannschaftshotel des BVB in Dortmund ein Zimmer mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen. In Nähe des Hotels waren die Sprengsätze bei der Abfahrt des Busses zum Spiel der Borussen gegen den AS Monaco detoniert. Sie waren in einer Hecke an einer Straße nahe des Hotels angebracht, die der Mannschaftsbus auf der Fahrt Richtung Stadion nahm. Zwei der Sprengsätze befanden sich der Mitteilung zufolge in Bodennähe, ein Dritter war in einer Höhe von etwa einem Meter platziert - zum Glück für die Mannschaft des BVB:

"Damit war er zu hoch angebracht, um seine Wirkung voll entfalten zu können", teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe weiter mit. "Wir können von Glück sagen, dass nichts Schlimmeres passiert ist."

Die Sprengsätze waren mit Metallstiften bestückt, sie wurden über Funk gezündet. Durch die Wucht der Detonationen bohrte sich einer der Stifte in eine Kopfstütze des Mannschaftsbusses. Bislang war unklar, welches Motiv hinter der Tat steckt. Die Behörden hatten erklärt, sie ermittelten in alle Richtungen und schlossen auch einen islamistischen oder rechtsextremen Hintergrund nicht aus.

Das gestern abgesagte Champions-League-Spiel Dortmund gegen Monaco soll heute Abend unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden.

Am Tatort waren drei Bekennerschreiben gefunden worden, die auf radikal-islamistische Motive verwiesen. "Die Bekennung wurde islamwissenschaftlich geprüft", hieß es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft weiter: "Danach bestehen an einem radikal-islamistischen Ursprung erhebliche Zweifel." Auch Bekennerschreiben, die am 13. April beim "Tagesspiegel" und bei "Welt"/N24 eingegangen waren und auf einen rechtsextremistischen Hintergrund verwiesen, stammten wohl nicht vom mutmaßlichen Täter, hieß es weiter.

Kurz nach der Tat war ein 26-jähriger Iraker festgenommen worden, gegen ihn erging dann Haftbefehl. Dem Iraker wirft der Generalbundesanwalt die Mitgliedschaft in der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) vor. Mit dem Anschlag habe er aber nichts zu tun, hatte die Behörde zudem mitgeteilt. (reuters)