Programmbeschwerde wegen Fake-News im ARD-Faktenfinder

Programmbeschwerde wegen Fake-News im ARD-Faktenfinder
Der ehemalige Tagesschau-Redakteur Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer, Ex-Vorsitzender des ver.di-Betriebsverbandes NDR, haben Programmbeschwerde wegen Fake-News im ARD-Faktenfinder eingereicht. RT Deutsch dokumentiert die Beschwerde im Wortlaut.

Programmbeschwerde: ARD-Fake-News im Faktenfinder


Sehr geehrte Rundfunkräte,

nun übertrifft sich ARD-aktuell auch noch selbst: Dr. Gniffkes Qualitätsverein entblödet sich nicht, ausgerechnet im eigenen "Faktenfinder" Fake-news zu verbreiten.

Dröseln wir die Geschichte mal auf: Der österreichische Außenminister Kurz hatte die abstruse Idee entwickelt, Flüchtlings-Sammelzentren an den EU-Außengrenzen errichten zu lassen, die von internationalen Organisationen wie dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen zu betreiben seien. Als geeignet für die Einrichtung solcher Lager hatte Kurz mehrere EU-Nachbarländer benannt, darunter Georgien. Verständlich, dass sich auch die russischen Staatsmedien RT und sputniknews dieser Äußerungen kritisch annahmen.

BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs sieht

Für ARD-aktuell wiederum beschäftigte sich die Autorin Silvia Stöber mit den russischen Berichten. Sie räumt zwar ein, dass Sputnik und RussiaToday korrekt informiert hätten. Doch andere russische Internet-Seiten hätten eine falsche Darstellung gegeben. Zitat Stöber:

Die Seite Kolokolrussia.ru zum Beispiel überschrieb einen Text mit der Überschrift: "Die USA bereiten ein Terroristennetz in Georgien vor". Darin hieß es, die EU fordere von Georgien, Flüchtlinge aufzunehmen. Dies sei der Preis dafür, dass georgische Bürger ab dem Frühjahr ohne Visum in die EU einreisen dürfen“.

Stöber folgert daraus offensiv, "die Verfasser der Falschinformation hätten sich die Unkenntnis der meisten Georgier über die Belanglosigkeit der Kurzschen Idee zunutze gemacht. Dass die Anstöße des Außenministers Kurz in der EU umstritten sind und fern jeder Realisierungsmöglichkeit, sei kaum bekannt. Die um seine Bemerkungen herumgewobenen russischen Lügen seien deshalb auf fruchtbaren Boden gefallen."

Mit ihrer Darstellung im "Faktenfinder" versucht Frau Stöber allerdings ihrerseits, generell russische Medien zu diskeditieren und ihnen wahrweitswidrige Informationen zu unterstellen. Deren Veröffentlichung, so ihr Vorwurf, ziele darauf ab, EU-kritische Ängste in Georgien zu schüren.

Was in dem wunderbaren neuen „Faktenfinder“ als Faktum allerdings nicht zu finden ist: Die genannte Internt-Site ist in Russland und vor allem in Georgien fast unbekannt. Der von Stöber angegebene Link führt zu einer Seite in russischer Sprache, natürlich in kyrillischer Schrift. In diesem Original wird den USA nicht, wie Stöber behauptet, der Aufbau eines Terroristennetzes unterstellt, sondern das wird als Frage formuliert.

Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz am 2. Februar 2017 während der Sitzung zur Vorbeugung von Zwischenfällen an der georgisch-südossetischen Grenze in Zchinwali, Süd-Ossetien.

"Kolokolrussia.ru" hatte auch nicht behauptet, die EU fordere von Georgien die Aufnahme von Flüchtlingen. Vielmehr hatte sie vollkommen korrekt den österreichischen Außenminister als Urheber dieser Forderung benannt.

Damit platzt Stöbers bunter Ballon. Und nur Dreck bleibt übrig.

Silvia Stöber, Verfasserin der aufgeblasenen Story, ist uns allerdings seit Jahren als parteiisch und unprofessionell bekannt. Am 24.1.2016 schrieben wir in einer unserer Programmbeschwerden über sie:

[...] eine freie Autorin, die [...] als Vorfeldexpertin der antirussischen Berichterstattung fungiert. Für ihre Arbeit erhielt sie Stipendien der Bosch-Stiftung, des Marion-Gräfin-Dönhoff-Programms sowie der Internationalen JournalistenProgramme, die wiederum in entsprechenden Netzwerken Beziehungen zu russischen Oppositionskreisen pflegen. Offensichtlich transatlatisch gut vernetzt ist Frau Stöber bis hin in den bellizistischen Flügel der Grünen der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Konrad Adenauer Stiftung veranstaltet in Kooperation mit dem Atlantic Council of Georgia in Tiflis jährlich im Mai nicht-öffentliche politische Strategie-Seminare mit hochrangiger Besetzung aus Politik, Militär und Wirtschaft. Auch dort ist Silvia Stöber ständige begehrte Teilnehmerin."

Dr. Gniffke bestritt diese Verbindungen nicht, sondern schrieb am 16.2.2016:

Frau Stöber arbeitet bereits seit zehn Jahren als freie Mitarbeiterin für tagesschau.de. Tatsächlich hat sie mehrere Stipendien erhalten, diese haben ihr u.a. Recherchereisen nach Osteuropa, Gespräche mit Experten etc. ermöglicht, damit sie sich ein unabhängiges und umfangreiches Bild der Lage dort machen kann. Die Herren Klinkhammer und Bräutigam werfen der Autorin vor, als „Vorfeldexpertin der antirussischen Berichterstattung“ zu fungieren. Diesen Vorwurf weist ARD-aktuell als völlig haltlose Unterstellung zurück."

Man muss es, wie man sieht, diesem Chefredakteur offenbar dreimal sagen, aber es wird es wohl viermal bestreiten: Silvia Stöber zeigt auch hier in faktenfreier Darstellung, wie hemmungslos und unverschämt in deutschen Medien gelogen und gefälscht wird.
Die Autorin Stöber setzte den Link zu der russischen Seite möglicherweise im Vertrauen darauf, dass die wenigsten deutschen Leser die Seite lesen und etwas mit ihr anfangen können; es werde also nicht auffallen, wenn sie einfach selbst fälsche, was der Begründung ihrer antirussischen Vorwürfe diene.

Grandios, die Faktenfinderei der ARD-aktuell. Chapeau! Da capo! Und wenn der Kaplan aus dem Bordell kommt, dann wird dort wohl jemand gestorben sein. Möge sich also das ARD-Management seinen Glauben an die Gutgläubigkeit seiner Kundschaft bewahren.

Was der Laden da versucht, macht er aber nicht mit uns. Wir legen Programmbeschwerde ein.

F. Klinkhammer, V. Bräutigam

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