Dortmund: Haftbefehl gegen mutmaßliches IS-Mitglied beantragt – aber nicht wegen des Anschlags

Dortmund: Haftbefehl gegen mutmaßliches IS-Mitglied beantragt – aber nicht wegen des Anschlags
Die Polizei in Dortmund und das Bundeskriminalamt ermitteln nach wie vor in mehrere Richtungen.
Nach der Festnahme im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus hat die Bundesanwaltschaft Haftbefehl gegen einen 26-jährigen Iraker beantragt. Jedoch nicht wegen Beteiligung an dem Anschlag. Er soll Mitglied der IS-Terrormiliz gewesen sein.

Die Bundesanwaltschaft hat Haftbefehl gegen den 26-jährigen irakischen Staatsangehörigen Abdul Beset A. beantragt. Er werde verdächtigt, "sich im Irak als Mitglied an der ausländischen terroristischen Vereinigungen 'Islamischer Staat' beteiligt zu haben".

Der Iraker war gestern im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Mannschaftsbus der Fußballmannschaft von Borussia Dortmund vorläufig festgenommen worden. Am Dienstagabend explodierten drei Sprengsätze neben dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund. BVB-Verteidiger Marc Bartra brach sich eine Speiche im rechten Handgelenk, ein Polizist erlitt ein Knalltrauma.

Die Bundesanwaltschaft erklärte, dass die Ermittlungen bislang keinen Beleg dafür ergeben haben, dass Abdul Beset A. an dem Anschlag beteiligt gewesen sei. Der Mann stehe allerdings im Verdacht, sich spätestens Ende 2014 im Irak dem "Islamischen Staat" angeschlossen zu haben.

Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, soll er Erkenntnissen zufolge dort das Kommando über eine Einheit von etwa zehn Personen gehabt haben, deren Aufgabe es war, Entführungen, Verschleppungen, Erpressungen und auch Tötungen vorzubereiten. Er soll auch selbst für die Terrormiliz gekämpft haben.

Das gestern abgesagte Champions-League-Spiel Dortmund gegen Monaco soll heute Abend unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden.

Es gibt einen zweiten Verdächtigen, der allerdings nicht festgenommen wurde. Es handelt sich einen 28-jährigen Deutschen aus Fröndenberg im Kreis Unna. Von der Bundesanwaltschaft gibt es bisher keine Informationen, ob die beiden Männer schon straffällig waren und in welcher Beziehung sie zueinander standen. Keine Details gab es auch zu Zündmechanismus und die Art des Sprengstoffes.

Ermittler sind nicht sicher, dass die Tat einen islamistischen Hintergrund hat. Die Behörden ziehen deshalb auch in Betracht, dass gewaltbereite Fußballfans, Rechtsextreme oder Erpresser verantwortlich seien könnten. Während die Behörden weiter ermitteln, zeigten sich Trainer und Mannschaft von Borussia Dortmund wütend über den angeblich alternativlosen Nachholtermin der Partie gegen den AS Monaco.

Per SMS sei er über die Ansetzung informiert worden, sagte der Trainer Thomas Tuchel. Niemand habe ihn oder einen Spieler gefragt:

Wir hatten das Gefühl, behandelt zu werden, als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen.

Nach drei Explosionen am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist das Champions-League-Spiel am gestrigen Abend gegen den AS Monaco abgesagt worden.

Es war allerdings ein Anschlag auf das Leben von Menschen, die dann schon am nächsten Tag wieder zu spüren bekamen:

Wir haben zu funktionieren.

Tuchel selbst sprach von einem "Gefühl der Ohnmacht", weil er überhaupt keinen Einfluss nehmen konnte auf einen neuen Termin. Tuchel stellte es so dar, als habe die Uefa "in den Büros in der Schweiz" eine einsame Entscheidung getroffen. Er hätte sich "einfach ein paar Tage mehr Zeit" für die Mannschaft gewünscht.

Der europäische Fußballverband wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück. Beide Vereine hätten zugestimmt, die Partie schon 22 Stunden nach dem zunächst geplanten Anstoß nachzuholen. Diese Version war schon am Tag zuvor bei der eilig einberufenen Pressekonferenz im Dortmunder Polizeipräsidium bekanntgeworden und von allen Teilnehmern bestätigt worden, so auch vom Verein.

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