Von der Leyens Cyber-Armee: Angriff ist die beste Verteidigung

Von der Leyens Cyber-Armee: Angriff ist die beste Verteidigung
Setzt auch im Cyberspace auf Offensive: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen lässt sich angesichts möglicher Cyberkriege der Zukunft offenbar von der NATO-Strategie inspirieren. Zum Zwecke der Verteidigung sollen Cyber-Streitkräfte der Bundeswehr auch selbst Angriffe durchführen dürfen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will, dass sich die Bundeswehr im Falle einer vermeintlichen Cyber-Attacke künftig auch offensiv verteidigen kann:

Quelle: marsmet526

Wenn die Netze der Bundeswehr angegriffen werden, dann dürfen wir uns auch wehren", sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch in Bonn laut Redemanuskript bei der Eröffnung des neuen Kommandos der Bundeswehr namens Cyber- und Informationsraum (CIR).

Während bei Auslandseinsätzen die Rechtslage laut der Ministerin klar sei, müssten im Inland Bundestagsmandate über Einsatzmöglichkeiten und -grenzen bestimmen. Dies gelte selbstverständlich auch für den Cyberraum.

Zuvor forderte auch der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels, dass das Parlament bei Cyber-Konflikten die Zustimmung zu Einsätzen geben müsse. Von der Leyen sagte zu, dass offene rechtliche Fragen mit anderen Ressorts geklärt werden sollten.

Dem Cyber-Kommando in Bonn werden zunächst 260 Soldaten angehören. Bis 2021 sollen ihm nach und nach weitere 13.500 Soldaten und 1.500 zivile Mitarbeiter unterstellt werden. Eine ihrer Hauptaufgaben wird der Betrieb und Schutz der Bundeswehr-IT sein, die zu den größten Computernetzen in Deutschland zählt und damit staatliche wie private Hacker anzieht. Allein in den ersten zwei Monaten des Jahres 2017 seien die Bundeswehr-Rechner mehr als 280.000 Mal Ziel von Cyber-Attacken gewesen, sagte die Verteidigungsministerin.

Bundeswehr-Soldaten während eines Übungs- und Informationstages in Münster; Deutschland, 9. Oktober 2015

Im Falle einer groß angelegten Cyberattacke auf die Infrastruktur in Deutschland wäre nach Aussage von Experten allerdings nicht die Bundeswehr am Zuge, da es sich nicht um einen Angriff mit physischer Gewalt handelt. In einem solchen Szenario müsste daher das Bundesinnenministerium über Abwehrmaßnahmen entscheiden.

Die Probleme der Umsetzung der Cyber-Offensive der Bundeswehr waren zuletzt vor allem personeller Natur. Die Truppe sucht weiter händeringend nach IT-Fachkräften. Katrin Suder, Staatssekretärin im Ministerium, forderte daher die Einstellungsregeln für so genannte Nerds zu ändern. Diese seien häufig Studienabbrecher. Auch reiche die körperliche Fitness der Cyber-Krieger oft nicht für den Grundwehrdienst aus, was beim Dienst an der Maus allerdings eine untergeordnete Rolle spielt.

Im vergangenen Jahr gab die NATO bereits bekannt, dass Cyberangriffe auch zum Bündnisfall führen können und aus Sicht der Militärstrategen sogar Vergeltungsschläge mit konventionellen Waffen rechtfertigen. Es war nie leichter, mit einer Operation unter falscher Flagge für die Eskalation von Konflikten zu sorgen.