SPD-Kandidat Schulz führt bei Sonntagsfrage - Deutsche gegen NATO-Stationierungen in Osteuropa

SPD-Kandidat Schulz führt bei Sonntagsfrage - Deutsche gegen NATO-Stationierungen in Osteuropa
Bei den Wahlen im Saarland musste die SPD eine herbe Enttäuschung wegstecken. Eine Vorentscheidung für die Bundestagswahl ist dies jedoch nicht. Wie eine INSA-Umfrage im Auftrag von RT Deutsch zeigt, liegt SPD-Herausforderer Martin Schulz gegen Kanzlerin Angela Merkel gut im Rennen.
Der Spitzenkandidat der SPD, Martin Schulz, läge bei einer direkten Wahl des Bundeskanzlers erkennbar in Führung. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von RT Deutsch wollen die Deutschen keine NATO-Stationierungen in Osteuropa.

Das Superwahljahr hat mit ersten Überraschungen begonnen. Im Saarland schnitt die CDU deutlich besser ab als erwartet. Doch hat Bundeskanzlerin Angela Merkel wirklich bereits Grund zum Feiern? In der zweiten Märzhälfte ließ RT Deutsch eine repräsentative Befragung in der deutschen Bevölkerung durchführen. Dabei zeigt sich deutlich, dass die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz tatsächlich bei der Bevölkerung punkten kann.

Laut der INSA-Umfrage läge Martin Schulz mit mehr als 31 Prozent leicht vor Angela Merkel, wenn der Kanzler oder die Kanzlerin direkt gewählt werden könnte. Der viel diskutierte Schulz-Effekt besteht also tatsächlich, auch wenn der Koalitionspartner CDU gegenwärtig versucht, den Gegenkandidaten klein zu reden. Die Kanzlerin würden demnach nur 29 Prozent der Deutschen direkt wählen.

Allerdings gibt auch ein Viertel der Befragten ausdrücklich an, dass sie "keinen von beiden" wählen würden. Immerhin 15 Prozent waren sich noch nicht sicher oder machten keine Angaben.

Besonders für Parteien außerhalb der Großen Koalition besteht also noch sehr viel Spielraum. Aber selbst für die SPD ginge noch einiges, insbesondere im Feld der Außenpolitik, was die alte Arbeiterpartei in der Regierung besetzen könnte. RT Deutsch befragte die Bevölkerung speziell nach ihrer Einstellung zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Die Aussage, zu der die Befragten sich äußern sollten, lautete:

Die Bundeswehr sollte sich an der Stationierung von Panzern und Truppen der NATO in den baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen) und in Polen beteiligen.

Diese Aussage, die im Einklang mit der aktuellen Regierungspolitik steht, lehnen die Deutschen größtenteils ab: Mehr als 45 Prozent wollen keine deutschen Truppen im Rahmen der NATO in Osteuropa sehen. Nur gut ein Viertel der Befragten stimmt den aktuellen NATO-Stationierungen zu. Sigmar Gabriel und Martin Schulz haben bisher allenfalls vorsichtige Bedenken angemeldet.

Die RT-Deutsch-Umfrage bestätigt damit erneut eine lange bekannte Tendenz: Die Bevölkerung will keine deutschen Truppen im Rahmen einer aggressiven Außenpolitik sehen. Wie immer zeigt sich in dieser Frage ein deutlicher Unterschied zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Zwar spricht sich auch im Westen mit 44 Prozent der größte Teil gegen die Bundeswehr in Osteuropa aus. In den ostdeutschen Bundesländern sind es jedoch mehr als die Hälfte aller Befragten.

Mit einer deutlicheren Stellungnahme gegen die neue Ostfront könnte die SPD vor allem unter älteren Bürgern Zustimmung finden: Die Befragung zeigt deutlich, dass die Bundesbürger sich mit zunehmendem Alter noch häufiger gegen deutsche Truppen in Osteuropa aussprechen.

Während sich unter jüngeren Wählern eine immer noch deutliche Mehrheit von etwa 40 Prozent gegen die aktuelle NATO-Politik ausspricht, ist es unter den über 65-Jährigen sogar eine absolute Mehrheit von 55 Prozent. 

Außerdem zeigte sich, dass gerade die Menschen mit geringerem Einkommen sowie diejenigen, die politisch stärker interessiert sind, die Stationierungen ablehnen. Wenig überraschend außerdem: Speziell Wähler der Linken (68,5 Prozent), der AfD (67,4 Prozent) und der SPD (45 Prozent) äußern sich in dieser Frage kritisch, wobei jedoch auch unter FDP- und Grünen-Wählern (49,3 und 51,5 Prozent) eine klare Ablehnung festzustellen ist.

Im Klartext: Die CDU und Ministerin von der Leyen stehen in dieser Frage im politischen Abseits. 

Die Befragung führte das Meinungsforschungsinstitut INSA im Auftrag von RT Deutsch im Zeitraum von 24. März bis 27. März 2017 durch. Befragt wurde eine repräsentative Stichprobe von 2.034 Bundesbürgern.

ForumVostok
MAKS 2017