Wir. Klären. Auf. - Bundeswehr lieferte Fotos für verheerenden Luftangriff in Syrien

Wir. Klären. Auf. - Bundeswehr lieferte Fotos für verheerenden Luftangriff in Syrien
Symbolbild
Nach jüngsten Informationen sollen Bundeswehr-Tornados der Anti-IS-Koalition Aufklärungsfotos übermittelt haben, die zur Bombardierung einer Schule in Syrien genutzt wurden. Bei dem Angriff sollen nach bisherigen Angaben 33 Zivilisten ums Leben gekommen sein.

Den Informationen zufolge fand der Angriff am 20. März statt, wobei am 19. März Aufklärungs-Tornados der Bundeswehr das Angriffsziel in der syrischen Ortschaft Al-Mansura ausgespäht und die Bilder der US-geführten Anti-IS-Koalition zur Verfügung gestellt haben sollen. Auf Grundlage der deutschen Aufklärungsoperation griffen die Koalitionstruppen schließlich das Gebäude an, bei dem es sich nach aktuellen Kenntnissen um eine Schule gehandelt haben soll.

Die Fotos suggerieren Solidarität mit Flüchtlingen - doch gerade Bundeskanzlerin Angela Merkel trägt Mitverantwortung für das Blutvergießen in Syrien.

Nach Angaben von ARD und Süddeutsche Zeitung informierte Bundeswehr-Generalmajor Volker Wieker den Verteidigungsausschuss des Bundestags am Mittwoch in geheimer Sitzung über das Vorgehen und dessen Konsequenzen. Auf Anfrage von RT Deutsch wollte sich die Bundeswehr nicht zum Sachverhalt äußern.

Bei dem verheerenden Luftschlag kamen nach Angaben von Aktivisten vor allem Frauen und Kinder ums Leben. Im Gebäude sollen sich rund 40 Familien aufgehalten haben. Die Angaben decken sich mit jenen der syrischen Nachrichtenagentur Sana. Wie die Nachrichtenagentur berichtet, seien bei einem US-Luftangriff in Al-Mansura nahe der IS-Hochburg Al-Rakka Dutzende Zivilisten bei einem schweren Luftangriff getötet oder verletzt worden.

Im Assistenzeinsatz für die Anti-IS-Koalition fliegt die Bundeswehr nicht selbst Angriffe in Syrien, sondern liefert auf Grundlage so genannter Ziellisten Aufklärungsbilder, auf die sich die Koalitions-Militärs bei ihren späteren Bombardierungen stützen. Das deutsche Kontingent analysiert die entsprechenden Bilder vorab. Dem Bericht des Recherche-Teams von Süddeutscher, NDR und WDR zufolge überflogen die Tornado-Jets nach dem Luftangriff den Ort des Geschehens erneut, um die Zerstörungen zu dokumentieren.

Infolge der steigenden Zahl ziviler Opfer im Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat in Syrien und Irak steigen die Zweifel an dessen Sinnhaftigkeit und Legitimation. So äußerte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter die Einschätzung:

In einer Koalition, die das Leben von Zivilisten nicht um jeden Preis schützt, darf Deutschland sich nicht engagieren.

Demnach zeuge das militärische Vorgehen unter US-Präsident Donald Trump von einer "neuen Rambo-Mentalität" bei der Terrorbekämpfung. Zur Empörung  aufseiten der Grünen trugen Berichte von Organisationen wie etwa Amnesty International bei, wonach Luftangriffe etwa auf die IS-Hochburg Mossul bereits den Tod hunderter Zivilisten herbeigeführt hatten.

Das deutsche Verteidigungsministerium wollte den Angriff in Syrien aus Geheimhaltungsgründen nicht kommentieren:

Der Friedens- und Konfliktforscher Dr. Daniele Ganser hält den Bundeswehreinsatz in Syrien für illegal.

Zu konkreten Daten und Zielen äußern wir uns nicht", so ein Sprecher.

Größte Sorge der Truppe sei jedoch der Schutz von Zivilisten. Ohnehin sei aufgrund der Bilder nicht feststellbar, wieviele und welche Personen sich am Zielort befänden. Für Alexander Neu, Obmann der Linken im Verteidigungsauschuss, verfängt diese Argumentation nicht:

Die Linke lehnt den Einsatz ohnehin ab, vor dem Hintergrund, dass in der Regel bei Luftschlägen keine Trennung von Zivilisten und Kombattanten möglich ist.

Aktuell prüft das zuständige US-Hauptquartier, ob und wie viele Zivilisten bei dem Luftangriff in Al-Mansura ums Leben kamen.