Too big to fail: Bundeswehr rettet Airbus durch Millioneninvestition in marode Transporter

Too big to fail: Bundeswehr rettet Airbus durch Millioneninvestition in marode Transporter
Nach einer Reihe von Unzulänglichkeiten im Zusammenhang mit dem A400M-Transporter ist Airbus finanziell massiv unter Druck geraten. Obwohl die Maschinen als Ladenhüter gelten und der Nutzen für die Bundeswehr umstritten ist, will diese an einem Großauftrag festhalten.
Der von Airbus produzierte Militärtransporter A400M zeigte zahlreiche Mängel. Für viele der bestellten Exemplare hat die Bundeswehr weder eine Verwendung noch findet sie Käufer. Aus politischen Erwägungen will man dennoch an dem umstrittenen Ankauf festhalten.

von Ali Özkök

Auf offizielles Anraten des Verteidigungsministeriums hin soll der Bundestag den Kauf von 13 A400M-Militärtransportern des angeschlagenen Konzerns Airbus für die Bundeswehr bestätigen, obwohl diese dafür überhaupt keine adäquate Verwendung hat. Was für die Politik noch unvorteilhafter ist: Es gibt offenbar darüber hinaus nicht genügend Kunden für einen Weiterverkauf überschüssiger Bestände der millionenschweren Maschine.

Gegenüber RT Deutsch erklärte der Professor für Militärwissenschaften am renommierten Kings College in London, Andreas Krieg, dass "die Bundeswehr mit dem A400M einen wichtigen Beitrag innerhalb der NATO leisten kann".

Hingegen schreibt das Nachrichtenportal Stern über den A400M, es wäre am billigsten, die neuen Maschinen gleich zu verschrotten. Nur wenige Wochen, nachdem ein A400M im Februar während einer Machtdemonstration der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Baltikum schlappgemacht hatte, wurde nun publik, dass die Bundeswehr 13 der insgesamt 53 im Jahr 2011 bestellten Airbus-Maschinen gar nicht haben will.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Kreis von Bundeswehrsoldaten.

Dennoch bestellte Berlin die Maschinen mit dem Ziel, diese im Namen von Airbus an eine dritte Partei weiterverkaufen zu können. Das Problem daran: Auch nach sechs Jahren ist es immer noch nicht gelungen, einen Käufer zu finden. Markus Grübel, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, musste gegenüber dem Haushaltsausschuss einräumen:

Ein Verkauf konnte bis heute nicht realisiert werden.

Aus verkaufstechnischen Gründen ist die Einlagerung, während man nach Käufern in Berlin sucht, zudem "äußerst risikohaft", so Grübel weiter. Eine solche Maßnahme ist teuer und personalintensiv. Der A400M ist so oder so finanziell betrachtet ein Fass ohne Boden.

Deutschland möchte seine diesbezügliche Last nun am liebsten mit anderen NATO-Staaten teilen, nicht zuletzt, um die Kosten zu verkleinern. RT Deutsch machte im Gespräch mit deutschen Militärkreisen aus, dass Deutschland den Strategic Air Command (SAC) übernehmen wollte, auch um "der Notwendigkeit der Entsendung von Bodentruppen aus dem Weg gehen zu können". Das Strategic Air Command (SAC) war während des Kalten Krieges die strategische Luftstreitmacht innerhalb der US-Luftwaffe.

Der Professor für Militärwissenschaften am renommierten Kings College in London, Andreas Krieg, ist davon überzeugt, dass es sich bei der Anschaffung um eine gute Idee handeln würde. Dennoch glaubt er nicht, dass sich die Verbündeten gerne an den Kosten beteiligen werden. Im Interview mit RT Deutsch zählte Krieg die militärischen Vorteile des A400M für die Bundeswehr auf:

A400M ist grundsätzlich eine sehr gute Plattform, die genau die Leistungsfähigkeiten hat, die die Luftwaffe momentan benötigt. Das größte Problem der Luftwaffe ist es momentan, dass sie ihre eigene Logistik nicht selbstständig abwickeln kann. Vor allem, wenn es um die Schaffung strategischer Luftbrücken geht, ist die Fähigkeit des A400M absolut unabdingbar. Er ist vielfältig einsetzbar, vor allem in eher schlecht zugänglichen Gebieten im Nahen Osten oder Afrika. Die Bundeswehr kann damit auch einen wichtigen Beitrag leisten innerhalb der NATO. In Einsätzen, wo die Bundeswehr sich nicht aktiv beteiligen möchte, kann sie nun zumindest mit strategischen Luftbrücken helfen. Außerdem kann der A400M auch zur Luftbetankung genutzt werden. Das ist wiederum ein wichtiger Faktor, da sich die Luftwaffe auch vermehrt an Einsätzen aus der Luft beteiligen wird. Also rundum ist der A400M ein unabdingbarer Zusatz zum Inventar.

Deutsche Leopard 2-Panzer der Bundeswehr - Künftig soll es mehr Geld für Mann und Material geben.

Der russische Vorsitzende des renommierten Zentrums für Strategische Studien, Ivan Konawalow, hinterfragte auf Anfrage von RT Deutsch hingegen die deutsche Integration von A400M-Militärtransporters. Er sagte:

Es ist unverständlich, warum Deutschland solche Militärtransporter braucht. Es gibt kaum Möglichkeiten, diese Systeme unter diesen Bedingungen einzusetzen. Wenn sich Frankreich solche Systeme holt, dann macht das Sinn, da seine Streitkräfte intensiv in Afrika operieren. Deutschland jedenfalls versucht, aus dem Schatten des Zweiten Weltkrieges und der Vormundschaft vonseiten der USA als Hard-Power-Macht hervorzugehen. Deutschland ist das Machtzentrum von Europa, deshalb wird Berlin früher oder später eigene Position entwickeln.

Vorerst scheint Berlin jedoch gezwungen zu sein, den A400M trotz seines fraglichen Mehrwertes in komplettem Umfang in die Bundeswehr einzugliedern. Die Pannenserie beim A400M kostet Airbus jetzt schon Milliarden Euro und weitere Strafzahlungen sind absehbar. Der angeschlagene Konzern kann sich keine weiteren Ausfälle mehr leisten. Im Jahr 2016 musste Airbus im Zusammenhang mit Rückstellungen bereits über 2,2 Milliarden Euro bezahlen. Der Konzerngewinn brach um zwei Drittel auf 995 Millionen Euro ein. "Wir müssen dieses Ausbluten stoppen", forderte Airbus-Chef Tom Enders Ende Februar. An die Adresse der Airbus-Kundschaft sagte Enders:

Wir haben derzeit keine Pläne, 2017 neue Abschreibungen für den A400M vorzunehmen.

Die explodierenden Kosten für den Militärtransporter erklärte Krieg gegenüber RT Deutsch mit Organisationsproblemen. Er sagte:

Die Probleme liegen bei der Umsetzung. Es gibt zu viele Mängel bei den ausgelieferten Plattformen. In der Produktion sind immer wieder Probleme aufgetreten. Das ist typisch für solche multinationalen Projekte, wo eine Menge an Firmen mitarbeiten. Viele der Plattformen werden zu spät ausgeliefert und leider auch fehlerhaft. Airbus hat es nicht geschafft, das Gesamtprodukt zu dem erwarteten Standard zu liefern.

Die Bundeswehr erwarten darob auch enorme Kosten, wie die Tagesschau zitiert: Eine grobe Abschätzung anfallender Ausgaben für den Anfangsflugbetrieb der Maschinen führt, so heißt es dort, zu einem "einmaligen Investitionsbedarf von mindestens 505 Millionen Euro".

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei einem Besuch in Camp Castor; Gao, Mali

Aus dem Gespräch des Grünen-Politikers Tobias Lindner, Mitglied im Verteidigungs- und Haushaltsausschuss, mit der Tagesschau ging außerdem hervor, dass die deutsche Regierung seinerzeit Airbus einen Kredit in Höhe von 500 Millionen Euro gewährte. Diesen muss Airbus nur unter der Bedingung zurückbezahlen, dass Berlin diese Flugzeuge für Airbus weiterverkaufen kann. Das ist aber höchst unwahrscheinlich. Lindner erläuterte:

Das Ministerium selbst beziffert das Ausfallrisiko mit etwa 1,2 Milliarden Euro. Das A400M-Programm ist und bleibt ein Sorgenkind.

Professor Krieg erklärte, dass Airbus schon alleine aus militär- und arbeitspolitischen Erwägungen heraus nicht einfach scheitern kann. RT Deutsch sagte er:

Es ist natürlich im Interesse der Europäer, dass Airbus nicht an dem Projekt zerbricht. Der Konzern hat momentan eine Reihe von Problemen und könnte finanziell erheblichen Schaden davontragen, würde die Bundeswehr den Einkauf reduzieren. Es hängt eine Menge Arbeitsplätze daran. Außerdem darf man nicht vergessen, dass Airbus immer noch ein Prestigeprojekt Europas ist. Man benötigt einen Rüstungskonzern, der für die Bedürfnisse des europäischen Markts produziert.

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