Zwischen Jubel und Skepsis: Reaktionen auf den 100-Prozent-Kandidaten Schulz

Zwischen Jubel und Skepsis: Reaktionen auf den 100-Prozent-Kandidaten Schulz
100-Prozent-Schulz spaltet gerade die politische Landschaft Deutschlands.
Zumindest die SPD-Parteibasis scheint Martin Schulz begeistern zu können. Sie hat ihm am Sonntag ein Wahlergebnis gegönnt, welches selbst das SED-Politbüro mit Neid erfüllt hätte. Wie aber sieht es mit den Reaktionen aus anderen politischen Lagern aus?

Die Christdemokraten konnte der neue sozialdemokratische Hoffnungsträger, wie zu erwarten war, kaum überzeugen. Anspielend auf dessen Wahlergebnis nannte der CDU-Generalsekretär Peter Tauber im ARD-Morgenmagazin den Auftritt von Schulz "100 Prozent unkonkret". Die Genossen würden eine Show betreiben, die Union dagegen regiere das Land.

Wer flüstert denn da? Oskar Lafontaine und SPD-Kanzlerkanidat Martin Schulz verständigen sich im Plenarsaal des Bundestags in Berlin, 12. Februar 2017.

Der Unionspolitiker versprach aber, den Kanzlerkandidaten der SPD-Genossen nicht persönlich angreifen zu wollen.

Paul Ziemiak, Vorsitzender der Jungen Union, kritisierte, dass Schulz unerfüllbare Erwartungen wecke. Schulz' Auftritt sei voller Widersprüche gewesen, so Ziemiak gegenüber der Rheinischen Post.

Linke-Politiker zeigten sich skeptisch hinsichtlich der Frage, ob die SPD tatsächlich eine substanzielle Umkehr ihrer bisherigen Linie betreiben wird.

Die SPD hat jederzeit die Möglichkeit, im Deutschen Bundestag die Glaubwürdigkeit ihres Gerechtigkeits-Wahlkampfes unter Beweis zu stellen", mahnten die Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht.

Wenn sie es wollte, könnte die SPD bereits jetzt mit der Linkspartei und den Grünen soziale Reformen verwirklichen, etwa die Begrenzung von Managergehältern. Außerdem rief Bartsch die Sozialdemokraten auf, sich von einer neuerlichen Großen Koalition zu distanzieren.

Es kann nicht sein, dass jetzt bis zum September versprochen wird, und in der Praxis wird das Gegenteil gemacht", erklärte Bartsch am Montag im Deutschlandfunk.

Katja Kipping, die Vorsitzende der Linkspartei, kritisierte, dass Schulz kein Wort zur stärkeren Besteuerung von Millionären und Konzernen geäußert habe.

Ein anderer potenzieller Koalitionspartner der SPD dagegen reagierte positiv auf den Beschluss des SPD-Parteitages.

Die Wahl von Schulz drücke die Hoffnung vieler aus, "nach der Bundestagswahl einen echten Wandel zu gestalten", sagte Grünen-Vorsitzender Cem Özdemir gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Während die Linkspartei der SPD mangelnde Seriosität vorwirft, warnten Wirtschaftskreise erneut vor dem von Schulz formulierten Konzept des so genannten Arbeitslosengeld Q. Dieses sieht vor, dass Erwerbslose, die mehr als drei Monate keine neue Arbeitsstelle finden, im Gegenzug für eine längere Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I ein Weiterbildungsangebot von der Arbeitsagentur erhalten.

Der Schulz-Plan geht in die völlig falsche Richtung", sagte Michael Hüther, Direktor des wirtschaftsnahen Instituts der deutschen Wirtschaft, berichtete die deutschsprachige Ausgabe der Huffington Post. "Die Kosten würden explodieren und die Rücklagen der Bundesagentur für Arbeit innerhalb weniger Jahre aufgefressen."

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter unterstellte die AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag dem SPD-Spitzenpolitiker wiederum einen "Personenkult".