Programmbeschwerde gegen ARD: Erneut Kriegsverbrechen im Jemen verschwiegen

Programmbeschwerde gegen ARD: Erneut Kriegsverbrechen im Jemen verschwiegen
Symbolbild - Zerstörung in einem Straßenzug in Taiz nach saudischer Bombardierung, Jemen, 16. März 2017.
Der ehemalige Tagesschau-Redakteur Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer, Ex-Vorsitzender des ver.di-Betriebsverbandes NDR, haben erneut Programmbeschwerde gegen die Jemen-Berichterstattung der ARD eingereicht. RT Deutsch dokumentiert die Programmbeschwerde im Wortlaut.

Sehr geehrte NDR Rundfunkräte,

Die von den USA und Großbritannien dirigierte Allianz arabischer Diktaturen, voran Saudi-Arabiens, hat im Jemen am 10. März ein weiteres Kriegsverbrechen begangen. Zahlreiche Quellen berichteten darüber, u.a.:

http://usvnews.com/over-20-dead-in-airs ... phic-video
https://southfront.org/saudi-led-coalit ... 20-killed/
https://www.rt.com/news/380204-yemen-market-air-strike/
http://www.presstv.ir/Detail/2017/03/10 ... n-Hudaydah
https://www.sott.net/article/344880-Sau ... -civilians
http://www.newsifi.com/world/at-least-1 ... market.htm
http://www.technewscoverage.com/news/ov ... video.html

Erneut wurde in der Stadt Hudaydah, der viertgrößten Stadt des Landes, ein Marktplatz bombardiert, diesmal mit mindestens 22 Toten und ungezählten Verletzten. Eindeutig handelte es sich nicht um ein militärisches Ziel.

Informationen und Bildmaterial sind in den kritischen alternativen Medien im Internet zu finden. ARD-aktuell, transatlantisch genormt und den Berliner Regierungsinteressen an guten Beziehungen zu den „Partnern“ in Nahost innig verbunden, brachte über dies abermalige Kriegsverbrechen im Jemen kein Wort.

Als Erklärung für dieses Versagen bieten sich an: Komplette journalistische Inkompetenz, Auftragserfüllung als Konsequenz des Staatsfunk-Bewusstseins. Ein Versehen ist nicht anzunehmen, die Meldungen über Hudaydah kamen in großer Aufmachung z.B. bei RT. Sie wurden demnach von ARD-aktuell absichtlich ignoriert.

Für die Bundesregierung ist der Waffenkäufer und Öllieferant Saudi-Arabien ebenso wie die meisten der am Jemen-Krieg beteiligten Despotien bekanntlich ein „stabiler und wichtiger Partner“. Davon mag jeder halten, was er will. Moral spielt in der Politik keine Rolle. Aber in den Nachrichten des Ersten Deutschen Fernsehens muss ein Kriegsverbrechen wie das hier genannte eine Rolle spielen, und zwar eine herausragende.

Andernfalls liegt eine Verletzung des Programmauftrags, der Programmgrundsätze und der Programmrichtlinien vor. Wir fordern Sie auf, genau dies festzustellen.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer