Abgasaffäre weitet sich aus: Razzien bei Audi

Abgasaffäre weitet sich aus: Razzien bei Audi
Ob die Staatsanwälte heute bei der Razzia in Audi-Limousinen vorgefahren sind, ist nicht bekannt.
An mehreren Standorten des Autokonzerns sind Büros durchsucht worden. Auch Privatwohnungen waren betroffen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug und der strafbaren Werbung. Der Zeitpunkt der Durchsuchungen kommt denkbar ungünstig für Audi.

Noch bevor die für heute geplante Bilanzpressekonferenz begann, durchsuchte die Staatsanwaltschaft München II mehrere Büroräume von Audi. Laut einem Unternehmenssprecher durchsuchte die Staatsanwaltschaft seit dem Morgen Niederlassungen in Ingolstadt, Neckarsulm und an dem Standort in Niedersachsen.

Die Staatsanwaltschaft leitete nach eigenen Angaben ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung ein. Hintergrund ist die Diesel-Abgasaffäre bei Volkswagen. Die Staatsanwaltschaft München II schrieb in einer Mitteilung:

Es besteht der Verdacht, dass in diese Kraftfahrzeuge technische Vorrichtungen zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut wurden, um die US-amerikanischen Abgasgrenzwerte einzuhalten, und die Käufer diesbezüglich nicht informiert wurden.

Die Ermittlungen kämen jetzt, "weil erst jetzt ein Anfangsverdacht bejaht wurde, sodass erst jetzt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden konnte", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München II. Dem gingen gründliche Recherchen voraus. Aber um einen Anfangsverdacht zu bejahen, brauche man eben gewisse Umstände, die einen dann dazu befugen, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.

Der Konzern hat jahrelang Dieselautos so manipuliert, dass sie nur auf dem Prüfstand die Abgasgrenzwerte einhalten, auf der Straße aber erheblich mehr Schadstoffe ausstoßen. Der Betrug flog im September 2015 in den USA auf, das Unternehmen gestand die Manipulation ein. Weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen, die meisten davon in Europa.

Der Konzernchef Martin Winterkorn trat im September 2015 aufgrund des Abgasskandals zurück. Gegen Winterkorn ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Marktmanipulation. Er könnte die Aktionäre zu spät über den Abgasskandal informiert haben. Nach Bekanntwerden der Manipulationen war der VW-Aktienkurs zunächst eingebrochen.

Trotzdem hielt der Autobauer Kurs: Obwohl die Dieselaffäre noch nicht aufgearbeitet ist, erzielte der Konzern im vergangenen Jahr mit 10,3 Millionen verkauften Fahrzeugen einen neuen Absatzrekord.

Doch nun holt der Skandal den größten Autoproduzenten der Welt wieder ein: Wie ARD und Süddeutsche Zeitung berichten, waren etwa 80 Staatsanwälte und Polizeibeamte während den Razzien im Einsatz. Sie durchsuchten demnach auch Privatwohnungen. Begonnen hatte die Razzia drei Stunden vor Beginn der Pressekonferenz.

Seit dem Krisenjahr 2009 konnte sich Opel nicht mehr erholen. Nun verkauft General Motors die Marke nach fast 90 Jahren an den französischen Konzern PSA.

Laut der Süddeutschen, die sich auf Insider aus der Justiz beruft, hatten die Ermittler erst Anfang der Woche von dem Termin der Jahrespressekonferenz erfahren. Zu diesem Zeitpunkt seien die Vorbereitungen für die Durchsuchungen an neun Orten in drei Bundesländern aber schon abgeschlossen gewesen. In einer Erklärung zeigte sich der Audi-Chef Rupert Stadler kooperativ:

Wir werden die Durchsuchungen zu diesem Zeitpunkt nicht kommentieren - wir können uns zu laufenden Ermittlungen nicht äußern. Ich selbst habe aber größtes Interesse an der Aufklärung des Sachverhalts und es ist ganz klar, dass wir vollumfänglich mit den Behörden kooperieren.

Der Skandal trifft Audi zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Ingolstädter machen gerade schwere Zeiten durch. Zwar konnte die VW Tochter ihre Auslieferungen im vergangenen Jahr weiter deutlich steigern, auf rund 1,9 Millionen Fahrzeuge. Allerdings ist der Gewinn zurückgegangen, wie am Dienstag bereits bei der VW-Bilanzvorlage bekannt wurde. 

Auch in der Belegschaft am Standort in Ingolstadt brodelt es. Nach der Rekordprämie für die Mitarbeiter in 2011, damals wurden über 8.000 Euro pro Mitarbeiter ausgezahlt, befindet sich der Bonus seitdem im Sturzflug. In 2016 lag die Prämie bei gut 5.400 Euro. Diesmal wird sie vermutlich noch einmal niedriger ausfallen. Nicht wenige der 44.000 Mitarbeiter in Ingolstadt sind wegen des Diesel-Skandals wütend auf die Chefs, die heute ihre Bezüge einzeln offenlegen müssen.