Gefahr eines kurdischen Bürgerkrieges - ausgefochten mit deutschen Waffen

Gefahr eines kurdischen Bürgerkrieges - ausgefochten mit deutschen Waffen
Kurdische Peschmerga üben den Einsatz der französisch-deutschen Panzerabwehrlenkwaffe MILAN. Archivfoto.
Kämpfer des Kurdenführers Masud Barzani bedrohen die Jesiden in Sindschar – auch mit deutschen Waffen. Denn die Bundesregierung hatte auch seine Einheiten für den Kampf gegen den IS ausgerüstet. Nun droht ein kurdischer Bürgerkrieg.

Seit Tagen eskaliert eine Konfrontation im Nordwesten des Irak zwischen Peschmerga-Einheiten des Präsidenten der dortigen Kurdischen Regionalregierung, Masud Barzani, und jesidischen Kämpfern, die mit der so genannten Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) assoziiert sind. Es kam bereits zu einigen bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Parteien. Hintergrund der Spannungen ist, dass Barzani eine Peschmerga-Einheit, die aus syrischen Kurden besteht, in die Region geschickt hat.

Barzani-nahen Medien zufolge sollen sich die Peschmerga in den Norden Syriens begeben, der überwiegend von Kurden bewohnt wird, um dort gegen den IS zu kämpfen. Die jesidischen Kämpfer in Sindschar befürchten jedoch, dass die Peschmerga sie entmachten und selbst die Kontrolle über das Gebiet übernehmen möchten.

Am Sonntag veröffentlicht die PKK-nahe Nachrichtenagentur ANF ein Video, auf dem zu sehen ist, wie zwei PKK-Kämpfer versuchen, Fahrzeuge der Peschmerga aufzuhalten. Die Kämpfer seien später gestorben.

Brisant dabei ist, dass es sich bei den Fahrzeugen der Barzani-treuen Kräfte unter anderem um solche des Fabrikats ATF Dingo handelt – eines Radfahrzeugs aus deutscher Produktion. Die Bundesregierung hatte Fahrzeuge dieses Typs an die kurdische Autonomieregierung geliefert, um diese in ihrem Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat zu unterstützen.

Deutschland rüstete Barzanis Einheiten auch noch mit anderen Waffen aus. Nun droht ein Szenario, in dem die Waffen nicht gegen den eigentlichen Feind – den IS –, sondern in einem kurdischen Bruderkampf genutzt werden. Das wäre ein Desaster – sowohl für die deutsche Außenpolitik als auch für die Kurden selbst.

Die Jesiden in Sindschar sind zwar selbst auch Kurden, allerdings keine sunnitischen Muslime. Sie praktizieren ihre eigene, synkretistische Religion. Als der IS die Region im Jahr 2014 angriff, leitete er einen Völkermord gegen die Minderheit ein. Den Jesiden zufolge flohen die Peschmerga vor dem IS. Nur durch den Eingriff der PKK-Kämpfer sei es gelungen, den Angriff abzuwehren. Dagegen spricht die kurdische Regionalregierung von einem taktischen Rückzug. Nach der Befreiung von Sindschar gründete die PKK eigene, autonome jesidische Einheiten.

Seit 1984 führt die PKK einen bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat. Sie fordert mehr Autonomierechte für die Kurden, die die größte ethnische Minderheit der Türkei und zugleich eines der größten staatenlosen Völker der Welt darstellen. Ihre Lager befinden sich im Kandil-Gebirge, der gebirgigen Grenzregion zwischen der Türkei und dem Irak. Die PKK wird unter anderem von der Türkei, den Vereinigten Staaten und Deutschland als terroristische Organisation eingestuft. Dagegen ist sie in anderen Ländern wie der Schweiz, Russland, China, Indien und Ägypten nicht verboten.