Millionen-Betrug: Ehemaliger Schlecker-Patriarch weist Vorwürfe zurück

Millionen-Betrug: Ehemaliger Schlecker-Patriarch weist Vorwürfe zurück
Anton Schlecker im Stuttgarter Gerichtssaal
Im Jahr 2012 ging das Drogerie-Imperium Schlecker pleite. Zu Beginn des Prozesses im Zusammenhang mit dessen Insolvenz weist Anton Schlecker die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. Dieser zufolge habe er in deren Vorfeld Millionen beiseitegeschafft.

Im Raum stehen die Vorwürfe des vorsätzlichen Bankrotts, der Insolvenz-Verschleppung, der Veruntreuung von Firmenvermögen und einer falschen eidesstattlichen Versicherung. Im Vordergrund steht aktuell jedoch der vermeintlich vorsätzliche Bankrott. Schlecker soll bereits Jahre vor der offiziellen Pleite des Drogerie-Konzerns Vermögen beiseitegeschafft haben, wohlwissend, dass das Unternehmen nicht mehr in die Gewinnzone zurückkehren werde.

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Den entsprechenden Vorwurf trug Staatsanwalt Thomas Böttger vor. Demnach habe der heute 72-Jährige über Jahre Millionen Euro auf die Logistik-Gesellschaft LDG umgeleitet, die wiederum seinen Kindern Meike und Lars gehörte. Für den Transport der Drogerie-Waren vom Zentrallager zu den Filialen an die LDG habe Schlecker demnach überhöhte Preise gezahlt. Die LDG gehörte formal nicht zum Konzern.

Über seinen Anwalt Norbert Scharf ließ Schlecker nun vor dem Landgericht Stuttgart erklären:

Die Vorwürfe sind unzutreffend.

Eine Insolvenz sei für den Firmenchef "schlicht unvorstellbar" gewesen. Laut Böttger habe Schlecker jedoch spätestens seit dem Jahr 2009 gewusst, dass der Drogeriekette die Insolvenz drohe. Demnach habe der Konzern seit 2004 nur noch im Jahr 2006 operative Gewinne geschrieben. Es sei also kaum vorstellbar, dass Schlecker nicht im Bilde über den Zustand seines Konzerns gewesen wäre. Dies bestätigen auch Vermerke und Zeugenaussagen.

Ebenso deutlich geht jedoch aus Vernehmungsprotokollen hervor, dass der Patriarch bis zur endgültigen Insolvenz noch um sein Lebenswerk kämpfte. Nach Aussagen eines ehemaligen Schlecker-Finanzvorstands habe der Firmen-Gründer die drohende Pleite nicht wahrhaben wollen und bis zuletzt daran geglaubt, der drohenden Pleite ausweichen zu können.

Dennoch soll Schlecker laut Staatsanwaltschaft in 36 Fällen widerrechtlich Vermögenswerte verschoben haben. Neben Schlecker, sind auch dessen Frau, seine beiden Kinder und zwei Wirtschaftsprüfer angeklagt. Letztere sollen falsche Bilanzen von Schlecker abgesegnet haben. Was den positiven Ausgang des Prozesses für Schlecker bisher ebenfalls ungewiss erscheinen lässt, sind Geschäfte, die der Firmen-Patriarch und seine Kinder noch kurz vor der endgültigen Insolvenz gemacht haben sollen.

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Nur sechs Tage, bevor diese erklärt wurde, verkaufte Anton Schlecker laut Staatsanwaltschaft drei Grundstücke einer österreichischen Schlecker-Gesellschaft für sieben Millionen Euro an seine beiden Kinder. Der entsprechende Kaufpreis habe 2,1 Millionen Euro unter dem Verkehrswert gelegen. Negativ dürfte ebenfalls zu Buche schlagen, dass der ehemalige Drogerie-König noch eilig 322.000 Euro Grunderwerbssteuer und Notarkosten beglich. Dies wäre eigentlich Sache der Kinder gewesen. Der Vorwurf lautet in diesem Zusammenhang, dass Schlecker den Betrag dem Zugriff der Gläubiger entziehen wollte.

Schlecker haftete für den Drogerie-Konzern aus Ehingen als eingetragener Kaufmann allein, ohne jedoch über nennenswertes Vermögen zu verfügen, um die konstanten Verluste auszugleichen. Auch habe es keine Aussicht auf Kredite gegeben. Sollte Schlecker verurteilt werden, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Bisher wurden durch das Landgericht Stuttgart 26 Verhandlungstage angesetzt. Durch die Schlecker-Pleite verloren rund 25.000 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze.

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