Sprecher des Deutschen Journalistenverbandes hat eine Obsession: RT Deutsch

Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten Verbandes
Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) - Bildquelle: Screenshot Phönix
Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV), hat eine recht eigenartige Berufsauffassung. Statt für die Rechte seiner Journalisten-Kollegen einzutreten, denunziert er lieber Politiker, die es wagen, RT Deutsch ein Interview zu geben. Dabei schreckt der Funktionär auch vor dem Einsatz von Fake News nicht zurück.

Am 21. Februar interviewte RT Deutsch den SPD-Politiker und Vorsitzenden des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck. Ein völlig normaler journalistischer Vorgang. Doch nicht in den Augen des Mannes, der eigentlich die Interessen der 35.000 in Deutschland tätigen Journalisten vertreten sollte, der RT Deutsch-Redakteure übrigens eingeschlossen.

In bester Kalter-Kriegs-Tradition polterte der DJV-Sprecher nach dem RT-Interview auf der verbandseigenen Homepage:

Was hat ihn getrieben, sich jetzt interviewen zu lassen? Und ausgerechnet von der Putin-treuen Propagandaschleuder RT Deutsch? Das ist die Plattform, die das Märchen einer angeblichen Vergewaltigung in die Welt gesetzt und damit diplomatische Verwicklungen ausgelöst hat. Wenn es in Deutschland eine Heimat von Fake News gibt, dann auf diesem Portal. Das dürfte auch Matthias Platzeck wissen, wenn er regelmäßig außer RT Deutsch noch andere Medien liest und sieht. Dass er das ausblendet, ist eine Ohrfeige für die Qualitätsmedien.

„Putin treue Propagandaschleuder RT Deutsch“. Allein die Verwendung dieses Begriffes durch den Sprecher des größten europäischen Journalistenverbandes lässt tief blicken. Übertroffen wird dies noch von der faktenfreien Verleumdung, RT Deutsch hätte „das Märchen einer angeblichen Vergewaltigung in die Welt gesetzt.“ Ein Paradebeispiel für Fake News. RT Deutsch hat weder wie von Herrn Zörner behauptet, das Thema in die Welt gesetzt, noch „wochenlang“ hochgehalten.

Der Fall Lisa ereignete sich am 11. Januar 2016. Wie üblich bei unklaren Fällen, entschied sich die RT-Deutsch-Redaktion bewusst dazu, die unübersichtliche Informationslage zu studieren und das Thema zu recherchieren und gegenzuprüfen. Mit der Konsequenz, dass RT Deutsch am 23. Januar 2016 erstmals über den Fall berichtete. Also ganze 12 Tage nach dem Vorfall und zu einem Zeitpunkt, als bereits der gesamte deutsche Mainstream das Thema aufgegriffen hatte.

Mit einer einfachen Recherche über die Suchfunktion von RT Deutsch, die Hendrick Zörner keine fünf Minuten gekostet hätte, wäre es ihm möglich gewesen, zu erkennen, dass seine Aussage, RT hätte das Thema Lisa in die Welt gesetzt, keine faktische Grundlage hat.

Dass er dies nicht getan hat, wirft kein gutes Licht auf die journalistischen Standards des DJV-Sprechers. Es beschädigt nicht nur seine Person, sondern den gesamten Verband, den Zörner in seiner Funktion repräsentiert. Doch damit nicht genug:

RT Deutsch kontaktierte am 24. Februar 2017 Zörner direkt nach seiner Veröffentlichung auf der Verbandswebseite. Der Sender wollte von ihm erfahren, auf welcher Informationsgrundlage er seine Aussage zu RT getätigt hat. Das Telefonat spottete jeder Vorstellung, die man sich von einem professionellen Pressesprecher eines der weltweit größten Journalistenverbände machen kann:

Neben Militär- auch Medienbündnis? Im deutschen Mainstream hat die NATO einen treuen Zuträger.

RT Deutsch: Guten Tag, Herr Zörner. RT Deutsch hier, wir haben Ihren Kommentar über das Interview mit Herrn Platzeck gelesen und würden gerne in Erfahrungen bringen, auf welcher Faktengrundlage Sie Ihre Aussage treffen, dass RT Deutsch den Fall Lisa und die angebliche Vergewaltigung in die Welt gesetzt hätte?

Zörner: Nun ja, zunächst muss man festhalten, dass es sich hier lediglich um einen Blogeintrag handelt.

RT Deutsch: Aber die Tatsache, dass es sich um einen Blogeintrag, immerhin auf der offiziellen DJV-Seite handelt, gibt Ihnen doch nicht die Freiheit, als Pressesprecher des Verbandes faktenlose Verleumdungen über RT Deutsch zu verbreiten.

Zörner (mit wutenbrannter Stimme): Ich habe da meine Quellen (und legt ohne weiteren Kommentar auf).

Jeder weitere Versuch der Kontaktaufnahme mit Herrn Zörner wurde vonseiten der DJV-Pressestelle unterbunden. 

Was der DJV nicht unterbinden konnte, waren die explizit kritischen Kommentare von DJV-Mitgliedern und Mediennutzern zu den Äußerungen ihres Pressesprechers über RT Deutsch auf der DJV-Facebook-Seite