MDR blockt Werbekampagne der jungen Welt wegen Friedenslied: "Fehlende Neutralität"

MDR blockt Werbekampagne der jungen Welt wegen Friedenslied: "Fehlende Neutralität"
Traditionsblatt Junge Welt darf nicht mit Frieden werben. Quelle: https://www.jungewelt.de/img/700/92149.jpg
Die Platzierung bezahlter Werbespots bei öffentlich-rechtlichen Sendern kann an der Gesinnung des Auftragsgebers scheitern, wie die junge Welt nun erfährt. Muss Werbung aber immer so neutral und Rundfunk immer unabhängig sein?

Meinungs- und Pressefreiheit gelten als unabdingbare Säulen einer funktionierenden Demokratie, welche westliche Staaten für sich reklamieren. Doch während Frieden, Liebe und Vertrauen auf dem Wege der Werbung wie selbstverständlich mit Marken wie Axe, Diesel oder Volkswagen assoziiert werden, darf die Tageszeitung junge Welt ihre Werbespots auf öffentlich-rechtlichen Kanälen nicht senden, da diese – so der Vorwurf - Weltanschauungen transportierten. Dies gab die traditionsreiche Publikation heute bekannt.

Die crossmediale Werbekampagne, welche die junge Welt anlässlich des 70. Jahrestags ihres Bestehens geplant hatte, umfasst Slogans wie "Zeitung für den Frieden" und "Zeitung gegen den Faschismus", außerdem Melodien eines sozialistischen Friedensliedes und der DDR-Hymne.

Quelle: Screenshot MDR

Neben dem privaten Radiosender Ostseewelle Hitradio aus Mecklenburg-Vorpommern lehnte auch der Kanal Jump FM des öffentlich-rechtlichen MDR die Spots ab. Mit Blick auf den Rundfunkstaatsvertrag stufte der Sender diese als unzulässig ein, da im öffentlich-rechtlichen Programm zwar Wirtschaftswerbung, nicht aber Werbung politischer und weltanschaulicher Art gesendet werden könne.

Gleichzeitig findet Werbung für die Bundeswehr beim MDR ihren Platz, welche in ihrem Ausmaß vielfach kritisiert wurde, unter anderem auch seitens der Kinderkommission der Bundesregierung. Trotz aller Kritik: Gegen die Militärwerbung intervenierten die Programmverantwortlichen nicht. Klare Kante zeigen diese nur gegen Friedenslieder.

Für das Produkt junge Welt neutralere Werbung als für Düfte oder Kleidung zu senden, könnte eine Herausforderung darstellen. Die als Genossenschaft organisierte Zeitung finanziert sich hauptsächlich über Abonnements, sicherlich könnten auch durch gute Werbung erweiterte Leserkreise Engpässe in der Liquidität überwinden helfen. Das Werbeverbot trifft die Tageszeitung daher durchaus empfindlich.

Während das Bundesverfassungsgericht sozialkritische Werbung der Firma Benetton für zulässig erklärte, hatte auch das radio1 des RBB, wie der MDR ebenfalls Teil der ARD, bezüglich der Werbespots der jungen Welt keinerlei Bedenken, was mit der Vertragsfreiheit zusammenhängen mag.

Umgekehrt ließe sich fragen, inwieweit Rundfunkunabhängigkeit, Gewaltenteilung und Staatsferne als fester Bestandteil des öffentlichen Auftrags heute beim Mitteldeutschen Rundfunk gewährleistet sind. In dessen Kontrollgremien war seit 1991 lange ein einseitiger Parteieneinfluss vonseiten der CDU nachzuweisen.

Ihre Chance, weiterer Militarisierung ein Stoppschild entgegenzusetzen, haben die taz-Genossen verpasst. Die Bundeswehr darf auch weiterhin Werbeanzeigen in der Zeitung schalten.

So könnte die Entscheidung des MDR ihrerseits aus ideologischen Gründen getroffen worden sein: Das Produkt, welches beworben werden soll, war vor dem Mauerfall Teil der FDJ und verortet sich heute selbst als Teil einer linken Gegenöffentlichkeit sowie im marxistischen Spektrum.

Die Zeitung wird vom Verfassungsschutz des Bundes als "linksextremistisches Printmedium" beobachtet. Die Vorwürfe lauten dabei unter anderem, die Zeitung gebe Organisationen wie der FARC oder ETA eine Plattform und deute diese zu Befreiungsbewegungen um. Bei Vertretern staatsnaher Medien stößt die mangelnde Stromlinienförmigkeit des Blattes sicherlich auf keine große Sympathie.

ForumVostok