Nach Wahl von Trump: Antisemitische Tonlagen bei der deutschen Presseagentur DPA

Nach Wahl von Trump: Antisemitische Tonlagen bei der deutschen Presseagentur DPA
Menschen gehen in eine Synagoge zum Gebet für Toleranz nach einem Brandanschlag auf einen jüdischen Kindergarten, Berlin, 1. März 2007.
Die Deutsche Presseagentur musste sich jüngst für antisemitische Äußerungen in einem Artikel über Trump entschuldigen. Auch in deutschen Schulbüchern tauchen fragwürdige Formulierungen auf. Die Grenze zwischen Kritik an der israelischen Regierung und Antisemitismus wird von verschiedenen Seiten verwischt.

Die Wahl Trumps bewirkte einen Boom an Kreativität. Dieser beflügelte Komödianten, Imitatoren, Karikaturisten, Filmemacher. Anstandsgrenzen gelten dabei nicht selten als ein Vorurteil für Rednecks.

Es ist gerade en vogue, gegen Trump zu sein. Damit einher geht jedoch auch ein anderer Trend. Viele Journalisten und Politiker schauen besorgt auf die Nahost-Politik des neuen Präsidenten. Donald Trump stellt sich als ein besonderer Freund der aktuellen israelischen Regierung dar. Er überlegt öffentlich, einen diplomatischen Taububruch zu begehen, und die US-amerikanische Botschaft in Israel nach Jerusalem zu verlegen.

Ein liberaler Faschismus als Kult der Gewalt gegen die

Zwar behandelt die israelische Regierung die altehrwürdige Stadt als Hauptstadt. Völkerrechtlich ist deren Status jedoch umstritten. Laut UN-Beschluss soll eine endgültige Regelung aber erst im Rahmen einer Zwei-Staatenlösung mit den Palästinensern gefunden werden.

Nicht immer gelingt es deutschen Journalisten, das Thema Israel und den Umgang mit bestimmten Glaubensgruppen sauber zu trennen. Für manche erweist sich mögliche Kritik an der Politik der israelischen Regierung als Schnellstraße hin zum Antisemitismus.

Am 14. Februar veröffentlichte die Deutsche Presseagentur (dpa) einen Artikel anlässlich des Treffens zwischen Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, der mit gewagten Anspielungen einen längst vergessenen Jargon wieder aus der Versenkung holte.

In dem Artikel hieß es, Trump sei "von einflussreichen jüdischen Parteispendern mit auf den Thron gehoben" worden. Die Wortwahl des Artikels erinnerte den Sprecher der Jüdischen Gemeinde Hamburgs, Daniel Killy, an jenen Sprachduktus, den man sonst eher aus Verlautbarungen der NPD kennt. Gegenüber der Jerusalem Post äußerte Killy sich wie folgt:

Das ist nicht die Erklärung der neofaschistischen NPD. Dies ist die Deutsche Presseagentur, die "jüdische Lobby" und andere antisemitische Klischees in die Welt setzt – einfach unglaublich!

Auch der Ehemann von Ivanka Trump, Jared Koshner, bekommt in dem Artikel sein Fett weg. Er sei ein "Spross einer strenggläubigen jüdischen Familie". Und es geht noch weiter. Der neu ernannte US-Botschafter Israels David Friedman ist der "Sohn eines Rabbis" und Sheldon Adelson, seines Zeichens jüdischer Milliardär, wird zum "schwerreichen Casinounternehmer, der den Republikaner-Wahlkampf mit insgesamt 65 Millionen Dollar, rund 61 Millionen Euro, speiste".

Wie steht es um den Antisemitismus in einem Land, dessen größte Nachrichtenagentur, die dpa, einen solchen Artikel verfasst?

Auch das Bildungswesen ist von Tendenzen dieser Art nicht frei. Der Klett-Verlag beherrscht in Deutschland weithin die Schulbänke und sollte objektives Wissen vermitteln. Aber die Grafik in einem Schulbuch mit dem Titel "Anstöße 2", anhand derer Schüler die Eurokrise begreifen sollten, lässt anderes vermuten. Hierauf zu sehen: ein Pacman-artiges Wesen mit scharfen Zähnen, das die EU fressen will.

Das Wesen selbst aber wird von einer unsichtbaren Macht angetrieben, die sich als "Rothschildbank" bezeichnet. Die Grafik wurde von einem amerikanischen Künstler, David Dees, kreiert. Der Grünenpolitiker Volker Beck, Sprecher für Innen- und Religionspolitik, schrieb daraufhin im Januar, hieraufhin einen Brief an die zuständige Kultusministerin.

Doch da hatte sich das Rothschild-Pacman-Monster bereits über vier Jahre hinweg durch die Köpfe der Schüler der siebten bis neunten Klassen mehrerer Bundesländern gefressen.

Mogherini: Europa verzeichnet wachsenden Antisemitismus

Antisemitismus scheint indes nicht nur in Deutschland wieder hip zu sein. Auch im hohen Norden sieht es nicht besser aus. So veröffentlichte jüngst ein schwedischer YouTube-Star namens Felix Kjellberg, der 53 Millionen Menschen zu seinen Followern zählen kann, Videos mit antisemitischen Andeutungen und Inhalten.

Was war dort beispielsweise zu sehen? Kjellberg ließ unter anderem zwei Inder ein Schild erstellen, auf dem zu lesen war: "Death to all Jews". Die Inder erhielten dafür von ihm Geld. Disney löste, nachdem dieser Vorfall publik geworden war, seinen Vertrag mit dem Youtuber. Der Star selbst zeigte sich keiner Schuld bewusst. Er mache nur unpolitische Unterhaltung, beschwor er. 

Andererseits nimmt es auch die israelischen Regierung nicht so genau, wenn es darum geht, Kritik an der israelischen Regierung und Vorurteile gegen Juden als Bevölkerung in anderen Ländern zu trennen. Das Land verfügt über ein eigenes Diaspora-Ministerium. Es erstellt regelmäßig Studien zu angeblichem Antisemitismus.

Aktuell präsentiert das Ministerium ein düsteres Bild der gegenwärtigen Lage, besonders in Deutschland. Die israelische Regierung, immer bemüht die jüdischen Gemeinden weltweit enger an Israel zu binden, macht in Deutschland eine "hemmungslose Anti-Israel-Rhetorik in den sozialen Medien und der Presse" aus. Angeblich würde auch vermehrt eine antisemitische Sichtweise transportiert.

In Deutschland haben jedenfalls Einsprüche gegen antisemitische Entgleisungen Erfolg: Am Ende veröffentlichte die dpa eine neue Version des Artikels. Die offensichtlichen abschätzigen Anspielungen wurden entfernt, die ursprüngliche Version ist aber noch im Netz abrufbar.

ForumVostok
MAKS 2017