VW-Abgasskandal: Piëch belastet Ministerpräsident Weil - Ominöse Rolle von israelischem Geheimdienst

VW-Abgasskandal: Piëch belastet Ministerpräsident Weil - Ominöse Rolle von israelischem Geheimdienst
Was wusste Weil? Der niedersächsische Ministerpräsident wird von Ferdinand Piëch schwer belastet.
Der VW-Abgasskandal sorgt erneut für Schlagzeilen. Der frühere Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch belastet Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD). Dieser habe frühzeitig von dem Abgasbetrug des Konzerns gewusst. Zudem spielt in dem Skandal auch der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet eine Rolle.

Mit 20,2 Prozent ist das Land Niedersachsen an dem Wolfsburger Autobauer VW beteiligt. Damit haben die Ereignisse rund um den Konzern immer auch eine politische Komponente. So war es nur eine Frage der Zeit, bis der VW-Abgasskandal auch die Landespolitik erreicht. Nun belastete der frühere Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) schwer. Vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Piëch ausgesagt, Weil und drei weitere Aufsichtsratsmitglieder schon frühzeitig über die Betrügereien mit den Messwerten informiert zu haben. Dies berichten Der Spiegel und Bild am Sonntag.

VW geriet als Erster aufgrund fehlerhafter Angaben über Emissionswerte ins Visier von Ermittlungsbehörden. Die Kampagnengruppe für Verkehr und Umwelt (T&E) fand nun heraus, dass die Schadstoffbelastung anderer Marken zumeist wesentlich höher ist.

Schon im März 2015 sollen Stephan Weil, Bernd Osterloh, Berthold Huber und Wolfgang Porsche über die Manipulationen an Dieselmotoren informiert gewesen sein. Die vier Beschuldigten wollen Piëchs belastende Aussagen jedoch nicht auf sich sitzen lassen und drohen dem ehemaligen Konzernpatriarchen mit einer Klage. Interne Untersuchungen hätten bereits belegt, dass die nun erhobenen Vorwürfe unhaltbar seien. Zu seiner Verteidigung bedient sich Weil sogar des Modewortes „Fake News“ und wirft Piëch die Verbreitung dieser vor:

Ich bedauere, dass ein Mann mit unbestreitbaren Verdiensten wie Ferdinand Piëch inzwischen zu Mitteln greift, die man neudeutsch nur als „Fake News“ bezeichnen kann.

Die Auseinandersetzung zwischen Ferdinand Piëch und VW gleicht einer Seifenoper. Untrennbar war der Name Piëchs einst mit dem Wolfsburger Autobauer verbunden. Als Schwiegersohn des ersten VW-Generaldirektors Heinrich Nordhoff kann der 79-Jährige auch auf eine familiäre Traditionslinie in dem Konzern zurückblicken. Im Jahr 1993 übernahm Piëch erstmals selbst die Leitung des Unternehmens und wechselte 2002 an die Spitze des Aufsichtsrates. Im Jahr 2015 dann der Bruch. Nach einem Machtkampf mit dem damaligen VW-Chef und einstigem Ziehsohn Martin Winterkorn verließ die graue Eminenz den Konzern. Auch Winterkorn wurde von Piëch in Bezug auf die Abgasaffäre bereits belastet. Die Anschuldigungen können somit auch auf unbeglichene Rechnungen zurückzuführen sein.

Florian Homm spricht Klartext - Exklusiv auf RT Deutsch.

Doch nicht nur als Inspirationsquelle für Soap Opera-Autoren bietet der VW-Skandal Stoff. Auch als Vorlage für einen Spionage-Thriller taugt die Geschichte mittlerweile. So will der Spiegel nun erfahren haben, dass der israelische Geheimdienst schon früh über die US-Ermittlungen zu manipulierten Abgaswerten informiert war. Ein ehemaliger ranghoher Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienst Schin Bet soll Piëch ein Dokument gezeigt haben aus dem hervorgeht, dass die US-Behörden Winterkorn schon frühzeitig über den Abgasbetrug informierten. Dieser bestreitete gegenüber Piëch jedoch jede Kenntnis über den Fall, was im Rückblick der Grund für den späteren Bruch der einstigen Weggefährten gewesen sein kann.

Es scheint, Piëch habe den Rückzug aus dem Konzern auch aus taktischen Gründen angetreten. Als bereits Ungemach drohte, der Skandal aber längst nicht die Öffentlichkeit erreichte, galt Piëch als Verlierer im Machtkampf. Nun scheint der Geschasste gewillt, sich an seinen einstigen Gegenspielern zu rächen. Für die Öffentlichkeit könnte dies den seltenen Fall eines aufgeklärten Wirtschafts- und Politskandals bedeuten.