Poroschenko trifft Merkel in Berlin und ruft zur Verstärkung der EU-Sanktionen gegen Russland auf

Poroschenko trifft Merkel in Berlin und ruft zur Verstärkung der EU-Sanktionen gegen Russland auf
Der ukrainische Präsident (links) war insgesamt zehn Mal in Berlin, zuletzt im Oktober letzten Jahres.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich heute in Berlin mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko getroffen. Poroschenko bedankte sich mehrmals bei der deutschen Regierung für ihre Unterstützung der Ukraine. Auch deutsche Unternehmen lobte er.

Vor ihrem Gespräch hatten die Bundeskanzlerin und der ukrainische Präsident eine gemeinsame Pressekonferenz abgehalten. Merkel erklärte, dass die Bundesregierung die "Schritte zur ökonomischen Umordnung des gesamten Staates […] durch deutsche Beratung" unterstützt. Auf der Tagesordnung des Treffens stand unter anderem die wirtschaftliche Lage der Ukraine. Merkel zeigte sich froh darüber, dass die deutschen Exporte in die Ukraine im letzten Jahr massiv gestiegen waren.

Ein weiteres Thema war die Umsetzung des Minsker Abkommens, das die Lage in der umkämpften Ost-Ukraine befrieden soll. Der ukrainischen Regierung zufolge kam es gestern wieder zu Gefechten zwischen der Armee und Kämpfern der international nicht anerkannten Volksrepubliken im Osten des Landes. Mehrere Soldaten seien gestorben. Merkel nannte die Sicherheitslage vor Ort "besorgniserregend".

Das Normandie-Format sei weiterhin der richtige Weg, um den Konflikt zu lösen, obwohl der Weg "mühsam" sei. Im Normandie-Format sind die Regierungen Russlands, Deutschlands, Frankreichs und der Ukraine vertreten.

Poroschenko beteuerte mehrmals, dass er der deutschen Regierung für ihre Unterstützung sehr dankbar ist. Deutschland sei eine "führende Kraft in der Europäischen Union". Ihm zufolge unterstützt die Ukraine weiterhin das Minsker Abkommen. Es gebe keine Alternative hierzu.

Der ukrainische Präsident erklärte, dass die Beziehungen zu Deutschland für das osteuropäische Land sehr wichtig sind. Die Ukrainer würden ein "starkes Deutschland" benötigen sowie eine Europäische Union, welche die Ukraine unterstützt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der deutschen und ukrainischen Delegation während des Treffens im

Laut Poroschenko starben seit gestern sieben ukrainische Soldaten bei Kämpfen in der Ost-Ukraine.

Er rief die EU-Staaten dazu auf, ihre Sanktionen gegen Russland zu verstärken, sollten die Verhandlungen Rahmen des Minsker Abkommens nicht erfolgreich verlaufen. Poroschenko gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die gestiegenen deutschen Exporte in die Ukraine die Verluste durch die Sanktionen zumindest teilweise ersetzen können.

Der "Schokoladenkönig", wie er in der Ukraine aufgrund seines Süßwaren-Imperiums genannt wird, sagte, dass er mit Merkel auch die Umsetzung der Abkommen der Ukraine mit der EU besprechen wird. Auch die Visafreiheit, Wirtschaftshilfen sowie Energiefragen stehen auf der Tagesordnung.

Abschließend erklärte Poroschenko, dass die Ukraine ein "umfassendes Privatisierungsprogramm" eingeleitet hat und auf deutsche Investitionen wartet. 

Entgegen sonstigen Gepflogenheiten nahmen sie diesmal keine Fragen der anwesenden Journalisten entgegen.