Wunschdenken oder Fake News? Der Spiegel fantasiert über Konflikt zwischen Trump und Putin

Wunschdenken oder Fake News? Der Spiegel fantasiert über Konflikt zwischen Trump und Putin
Vielleicht war der Autor des Artikels noch beschwipst von der Geburtstagsfeier?
Der US-amerikanische Präsident Donald Trump gab dem US-Sender ABC ein ausführliches Interview und sprach dabei im Zusammenhang mit Flüchtlingen auch von "Safe Zones". Doch im Spiegel wird aus "Safe Zones" plötzlich eine Flugverbotszone und ein Konflikt mit Russland. Ein klassischer Fall von Fake News.

Der entscheidende Satz von US-Präsident Donald Trump fällt fast nebenbei. ABC-Reporter David Muir führte ein langes exklusives Interview mit Donald Trump. Zahlreiche Themen wurden eher generalistisch angesprochen. Innenpolitik, Medien, Wirtschaft – und natürlich auch die Außenpolitik. Zum Ende des Interviews schwenkt David Muir dann zum Thema Flüchtlinge über:

Mr. Präsident, ich möchte sie über Flüchtlinge befragen. Sie sind dabei, ein Dekret zu unterzeichnen, das die Immigration in diesem Land aussetzt. Von wem sprechen wir? Ist dies das Muslim-Verbot?

Der Hintergrund der Frage bezieht sich auf Wahlkampf-Äußerungen von Donald Trump, keine Muslime mehr in die USA einreisen zu lassen. Jetzt, nach seiner Wahl, will Trump US-amerikanischen Medienberichten zufolge mittels einer Exekutivorder veranlassen, dass vorläufig keine Visa mehr für Bürger von Staaten ausgestellt werden, die, so die offizielle Formel, "terroranfällig" sind.

Nicht nur John Kerry muss gehen - auch der Stab des bisherigen US-Außenministers verlässt das State Department.

Syrien und der Irak zählen laut Weißem Haus genauso dazu wie Iran, Jemen, Libyen, Somalia und der Sudan. Laut der Washington Post soll die Sperre zunächst für dreißig Tage gelten, eventuell auch länger. Im Prinzip gelten die Maßnahmen, bis ein Procedere gefunden wird, mittels dessen Visaanträge aus Krisenregionen noch akribischer geprüft werden können als bisher.

Schon im Wahlkampf hatte Trump davon gesprochen, potenzielle Besucher aus der islamischen Welt "extrem gründlich" durchleuchten zu lassen, abgesehen von dem Einreiseverbot für Muslime, das er eine Zeitlang gefordert hatte. In dem Interview mit David Muir verneint Donald Trump, dass es sich bei der nun gewünschten Maßnahme um ein generelles Muslim-Verbot handelt und betont, dass nur Länder mit einem "enormen Ausmaß an Terror" im Visier stehen.

Die USA hätten auch so genug Probleme, so Trump. Da brauche es nicht noch weitere Terroristen. Er wolle der Präsident eines sicheren Landes sein. Dann fällt, fast nebenbei, der entscheidende Satz:

Nun, ich werde mich absolut dafür einsetzen, Safe Zones für die Menschen in Syrien schaffen.

Er wolle nicht denselben Fehler machen wie Europa, das "Millionen von Menschen" in Deutschland und in andere Länder einreisen ließ. Es ist nicht das erste Mal, dass Donald Trump über Safe Zones spricht. Schon im Dezember letzten Jahres sagte Trump während einer Veranstaltung in Florida:

Ein Ende der Märchenstunden über Syrien fordert die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard. Ihre Fact-Finding-Mission vor Ort habe ergeben, dass die syrische Bevölkerung keinen Regimewechsel will und die

Wir werden Safe Zones in Syrien schaffen, und die Golfstaaten werden sie bezahlen.

Doch Donald Trump hatte auch immer wieder betont, in der Syrien-Frage mit Russland zusammenarbeiten zu wollen. Auch an diesem Donnerstag bekräftigte Trump in einem Interview mit Fox News seinen Kooperationswillen mit Russland:

Ich kenne Putin nicht, aber wenn wir uns mit Russland einig werden, ist das eine großartige Sache für Russland und für uns. Wir machen das zusammen und stampfen den IS in Grund und Boden ["knock the hell out of ISIS"].

Zudem ist für diesen Samstag ein Telefonat zwischen Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geplant. Soweit der Hintergrund. Wie Christoph Sydow auf Spiegel Online bei dieser Sachlage von einem "Konfrontationskurs" zwischen den USA und Russland schreiben kann, bleibt vermutlich das Geheimnis des Autors.

Der Artikel beginnt schon recht martialisch mit den Worten: "Angela Merkel will es, Recep Tayyip Erdogan will es, Hillary Clinton wollte es." Damit ist natürlich eine Flugverbotszone über Syrien gemeint. Dass jedoch die Reaktion aus Ankara auf die Vorschläge Trumps, Safe Zones einrichten zu wollen, eher verhalten ausfiel – geschenkt.

Das

Sydow weiter:

Donald Trump will es nun umsetzen. Die Einrichtung einer Flugverbotszone.

Dass Donald Trump das Wort "Flugverbotszone" nicht einmal in den Mund genommen hat – auch geschenkt. Aber es wird noch absurder. Sydow fantasiert:

Trump will also Gebiete auf syrischem Territorium schaffen, in denen Kriegsflüchtlinge vor Luftangriffen des Assad-Regimes und des russischen Militärs sicher sind,

Zahlreiche deutsche Zeitungen schrieben Sydows Interpretation ungeprüft ab und verhalfen so der Fake News zu weiter Verbreitung. Dabei bleibt völlig unklar, wie der Spiegel-Autor zu seiner Einschätzung kommt. Ist hier vielleicht doch eher der Wunsch Vater des Gedankens? Vielleicht ist es auch nur die Sehnsucht nach dem guten alten Feindbild. Trump soll endlich aufhören, mit Russland zu flirten und sich wieder in Reih und Glied bei der NATO einreihen. Wen interessieren schon Dialog und Völkerverständigung? Oder gar internationale Zusammenarbeit? Den Spiegel offenbar nicht. 

 

ForumVostok