Mainstream in Not: Erneut massiver Auflagenschwund bei den Etablierten

Mainstream in Not: Erneut massiver Auflagenschwund bei den Etablierten
Wieder ein Minus von fast zehn Prozent für BILD - das tut weh.
Schlechte Nachrichten für den Mainstream: Auch die neuesten Zahlen des Marktforschungsinstitutes IVW belegen einen Auflagenrückgang der großen deutschen Tages- und Wochenzeitungen. Alles nur eine Folge der Digitalisierung? Besonders ein Ausreißer deutet an, dass doch eher mangelnde Qualität das Problem ist.

Mittlerweile wurde es zum festen Ritual in der deutschen Presselandschaft: Einmal im Quartal veröffentlicht die "Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V." aktuelle Auflagenzahlen deutscher Presseerzeugnisse: Diese haben zuletzt stets einen signifikanten Rückgang der Nachfrage nach Mainstreammedien angezeigt. Die Auflagenrückgänge lagen dabei nicht selten im zweistelligen Prozentbereich. So musste etwa BILD bereits im dritten Quartal 2016 einen Auflagenschwund von 12,2 Prozent im Vergleich zum Jahr davor verzeichnen.

In der aktuellen Erhebung für das vierte Quartal des abgelaufenen Jahres sieht dies nicht anders aus. Wieder gehören die Axel Springer-Erzeugnisse BILD (minus 9,9 Prozent) und Bild am Sonntag (minus 10,8 Prozent) zu den ganz großen Verlierern der deutschen Presselandschaft. Ebenfalls weit vorne – oder eben hinten – dabei: der Stern (minus 10,8 Prozent).

Das

Im Vergleich erfolgreicher sind da die Printausgaben von FAZ, Focus, Die Welt und der Spiegel. In diesen Redaktionsstuben konnte man den Auflagenschwund auf zwei bis fünf Prozentpunkte beschränken. Wie auch in den vergangenen Jahren kann auch im vierten Quartal 2016 die Junge Freiheit ihre Auflage steigern, doch klarer Gewinner ist diesmal die Wochenzeitung Der Freitag, die ihren bisherigen Aufwärtstrend noch steigern konnte - mit satten 12,1 Prozent Zuwachs.

Dieser Erfolg hat wohl auch personelle Gründe: Anfang Dezember verkündete die Publikation, den Journalisten Jürgen Todenhöfer als künftigen Herausgeber gewonnen zu haben. Der Nahost-Experte Todenhöfer gehört zu ebenjenen Stimmen, die vom Mainstream gerne als "umstritten" bezeichnet werden. Doch offenbar sind es genau jene Inhalte, die Mediennutzer verstärkt nachfragen und in den etablierten Zeitungen nicht finden.

Sowohl der Leserzuwachs des Freitags als auch jener der Jungen Freiheit belegen zudem, dass Print alles andere als tot ist. Zwar bemühen die großen Verlage angesichts ihrer sinkenden Relevanz gerne das Argument, dass sich der Medienkonsum immer mehr ins Netz verlagert. Gewinne erwirtschaften die meisten Digitalangebote jedoch nicht. Sinkende Einnahmen, Personalabbau und geringere Budgets führen schließlich zu einem weiteren Qualitätsrückgang. Die Mainstreammedien, so scheint es, befinden sich längst in einer Abwärtsspirale nach ganz unten.