Was ich selber mach und tu... Die AfD und ihre Themen in den Talkshows von ZDF und ARD

Was ich selber mach und tu... Die AfD und ihre Themen in den Talkshows von ZDF und ARD
Alexander Gauland bei einem AfD-Protest gegen Fluechtlingspolitik in Berlin, 31. Oktober 2015.
Die NATO-Propaganda verbreitet seit Jahren, russische Medien wie RT Deutsch würden in Deutschland die Rechtspopulisten unterstützen. Eine schnelle Überprüfung zeigt: Die öffentlich-rechtlichen Medien taten im letzten Jahr genau das, was sie RT Deutsch unterstellen.

Vor wenigen Wochen veröffentlichte das so genannten Recherchezentrum Correctiv mal wieder einen dieser Beiträge, der RT Deutsch in die rechte Ecke schieben sollte. Die Legende, die hartnäckig aus den transatlantischen Netzwerken gestreut wird, lautet in etwa, die russische Regierung würde rechtspopulistische Bewegungen in den EU-Staaten fördern, um hier die Politik zu spalten.

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung.

Natürlich können die Bundeszentrale für Politische Bildung oder der MDR ihre Beiträge nicht mit Fakten unterlegen. Aber trotzdem erzählen die von der NATO zertifizierten Kollegen auch faktenfrei immer den selben Text. Dazu gehört etwa, dass RT Deutsch den „Fall Lisa“ aufgebauscht und falsch dargestellt habe. Tatsächlich finden sich auf RT Deutsch nur zwei Beiträge zum Thema, beide ausgesprochen sachlich.  

Auch bei Correctiv durfte diese Falschbehauptung in dem wenig journalistischen Text von Camilla Kohrs nicht fehlen. Außerdem wärmte Kohrs natürlich die Falschbehauptung auf, dass Politiker der AfD „besonders gefragte“ Interviewpartner bei RT Deutsch seien. Weil sie dies mit den Veröffentlichungen von RT Deutsch nicht belegen kann, verweist Camilla Kohrs auf das einzige Interview, dass Jasmin Kosubek mit Frauke Petry führte.

Wenn Correctiv in der Lage wäre zu recherchieren, und nicht nur von irgendwem bezahlte Unterstellungen zu vertreiben, hätte Camilla Kohrs nicht nur herausgefunden, dass Politiker aus der Partei Die Linke die am meisten interviewten und zitierten Personen auf RT Deutsch sind. Sie hätte auch entdeckt, dass die Politiker und die Themen der AfD in den Mainstream-Medien sehr viel mehr Platz erhalten als bei RT Deutsch. 

Dieses recht offensichtliche Phänomen hat sich nun eine der letzten Bastionen des Recherche-Journalismus vorgenommen. Die Sendung Monitor ließ auswerten, worüber in den größten deutschen Talkshows im letzten Jahr gesprochen wurde. Bei ARD und ZDF waren dies 141 Sendungen.

Alleine 40 Talkrunden behandelten die Themen Flüchtlinge und Flüchtlingspolitik. In weiteren 15 Sendungen sprachen die Gäste über Islam, Gewalt und Terrorismus. Der angebliche „Populismus“ stellte 21 Mal das Thema und es ging allem um Rechtspopulismus. Insgesamt machten diese Themen 54 Prozent aller Talkshows aus.

Die Aufmachung war oftmals reißerisch, der Tenor Panikmache. „Bringt Härte gegen Zuwanderer mehr Sicherheit?“, lautete etwa der Aufmacher. Eine andere Sendung titelte: „Angst vor Flüchtlingen, Ablehnen, Ausgrenzen, Abschieben?“ oder „Misstrauen, Ängste, Verbote. Kippt die Stimmung gegen Flüchtlinge?“. Gegenüber Monitor kritisiert Professor Claus Leggewie:

„Dadurch fokussiert sich Politik auf die Themen der Rechtspopulisten. Das sind nämlich ihre Themen, der Islam, die Flüchtlinge, der Terror.“

Erstaunt musste die Monitor-Redaktion feststellen, dass die großen gesellschaftlichen Themen in den Talkshows keine Rolle spielten. Über Energie-Themen, wie die Zukunft der Kohle oder den Atomausstieg wurde ebenso wenig gesprochen wie über Bildungspolitik. Auch der viel diskutierte Abgasskandal war keiner einzigen Talkshows eine Sendung.

Gegenüber Monitor argumentierte Rainald Becker, seines Zeichens ARD-Chefredakteur, man habe die Aufgabe, die gesellschaftliche Stimmung aufzugreifen. Ob allerdings die Berichterstattung der Mainstream-Medien diese Stimmung erst mit schuf, oder sie zumindest verschärft, möchte Rainald Becker nicht diskutieren. Wenn die größten Medien dauerhaft angebliche Ängste vor Flüchtlingen, dem Islam oder Parallelgesellschaften diskutieren, wäre dies zumindest naheliegend.

Laut einer Umfrage der ARD selbst fühlen sich immerhin 73 Prozent der Deutschen trotz der letzten Anschläge „eher sicher“. Die einzige Ausnahme stellen Anhänger der AfD. Hier sagen 66 Prozent, sie fühlten sich „eher unsicher“. Und natürlich die Macher der Talkshows in den Mainstreammedien, die allein im letzten Jahr zu 54 Prozent typische Angst-Themen auswählten.

Dazu gehört natürlich, dass die Politiker der AfD im vergangenen Jahr in den etablierten Medien ausführlich Platz erhielten. Kaum eine etablierte Talkshow kam ohne AfD-Vertreter aus. Bereits in den ersten Monaten des Jahres 2016 hatte sich die Zahl der AfD-Auftritte um ein Drittel gesteigert. Allein in den ersten vier Monaten luden die Talk-Show-Macher die Partei so oft ein wie im ganzen Jahr 2015. Besonders häufig waren Frauke Petry und ihr Vize Alexander Gauland zu Gast bei ARD und ZDF.

Aber das alles war natürlich nur nötig, um die gesellschaftliche Stimmung aufzugreifen, um es mit Rainald Becker zu sagen. 

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