"Bombardierungspraktikum" - Bundesakademie für Sicherheitspolitik würdigt saudische Piloten im Jemen

"Bombardierungspraktikum" - Bundesakademie für Sicherheitspolitik würdigt saudische Piloten im Jemen
Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik ist eine staatliche Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland, die im Auftrag des Bundessicherheitsrates agiert. Ein schlagkräftiges Saudi-Arabien ist ihr ein Herzensanliegen.
Saudi-Arabien bombardiert den Jemen, zehntausende Zivilisten sterben. Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik ist von der saudischen Armee jedoch begeistert. Als künftige Führungsmacht der liberalen Demokratie will Deutschland den Gleichgesinnten beistehen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hält in ihrem am Dienstag veröffentlichten Weltbericht fest, dass ein Großteil der Tausenden im Jemen-Krieg getöteten Zivilisten auf das Konto der Saudi-Koalition geht. Die USA, Großbritannien und auch Deutschland unterstützen diese Koalition. Die Vereinten Nationen nennen sogar noch höhere Opferzahlen und sprechen dabei von einer "konservativen Schätzung".

Symbolbild -

Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), eine ressortübergreifende Weiterbildungsstätte der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik, lässt sich aber in ihrer Beurteilung der saudischen "Aktivitäten" im Jemen von solchen Zahlen nicht beeindrucken.

In einem kürzlich veröffentlichten Analysepapier der BAKS zum Einsatz der saudischen Luftstreitkräfte im Jemen heißt es im schönsten Beamtendeutsch:  

Der letzte Auslandseinsatz vor dem arabischen Frühling war 1991 gegen den Irak, doch auch in den Jahrzehnten davor war das saudische Militär wenig im Einsatz. Seine Operation im Jemen hat unter anderem diese Funktion: Sie dient nicht nur den saudischen Piloten als Bombardierungs- und Aufklärungspraktikum, sondern auch der Koordinierung von verschiedenen Einheiten am Boden – und der Zusammenarbeit mit anderen Staaten.

Auf diese Wortwahl muss man/frau [bei der Verfasserin handelt es sich um die Senior-Analystin Florence Gaub] erstmal kommen: Die Bombardierung von zumeist zivilen Zielen im ärmsten Land der arabischen Welt als "Bombardierungspraktikum" zu bezeichnen, hat durchaus etwas Makaberes bis Zynisches an sich. Völlig falsch ist diese Einschätzung anderseits auch wiederum nicht, eingedenk der Tatsache, dass die von den Saudis ins Visier genommenen schiitischen Huthis kaum über Waffen zur Luftverteidigung verfügen. Von den zerbombten Krankenhäusern und Schulen ganz zu schweigen.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel

Doch das Analysepapier der BAKS geht noch einen Schritt weiter. In beinahe euphorischen Worten wird die massive Aufrüstung der absolutistischen Monarchie gefeiert:

Seit 2003 hat sich der Umfang der Armee von 100.000 auf 200.000 Soldaten verdoppelt; Saudi-Arabiens Luftwaffe ist mit 305 Kampfflugzeugen nunmehr auf dem arabischen Platz zwei hinter Ägypten, dabei aber vermutlich wesentlich moderner. Auch an einem Raketenabwehrsystem arbeitet Riad, und seine Marine ist von 15.000 auf 25.000 Mann gewachsen. Die Aufstellung des saudischen Militärs legt nahe, dass Riad sich auf einen Krieg zu Wasser und/oder in der Luft vorbereitet – oder zumindest den Eindruck erwecken will, dass es dies tut. Doch was dem saudischen Militär fehlt, ist Erfahrung.

Und was liegt bei einer solchen Diagnose fehlender Erfahrung näher, als ein Praktikum zu empfehlen? Da trifft es sich gut, dass die zukünftigen Praktikanten die Ehre haben, beim Sammeln ihren ersten schüchternen Erfahrungen im Bereich der völkerrechtswidrigen Militärintervention auf umfangreich zur Verfügung gestellte Rüstungsgüter der Bundesrepublik zurückgreifen zu können. Als künftige und bald alleinige Führungsmacht der liberalen Demokratie muss Deutschland den Gleichgesinnten beistehen. Das sieht wohl auch die Bundesakademie für Sicherheitspolitik so. Das Analysepapier kommt zu dem Schluss, dass "die Zeiten nicht einfach sind für Saudi-Arabien" und dieses bedauernswerte Land daher "Hilfe braucht". 

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