Hickhack beim Islamverband - Ditib gesteht erst Spitzel-Affäre und dementiert später

Hickhack beim Islamverband - Ditib gesteht erst Spitzel-Affäre und dementiert später
Alboğas Aussagen schaffen immer noch keine Klarheit, ob muslimische Geistliche im Auftrag türkischer Behörden als Spitzel gegen Angehörige ihrer eigenen Gemeinschaft tätig geworden sind.
Der deutsch-türkische Islamverband Ditib sorgt für Verwirrung: Erst bestätigte Generalsekretär Alboğa Medienberichte, denen zufolge Ditib-Imame als Spione im Auftrag türkischer Behörden unterwegs waren. Später ruderte er aber wieder zurück.

Bekir Alboğa, der Generalsekretär der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), ließ am Donnerstag mit einer unerwarteten Aussage aufhorchen. Er räumte gegenüber der Rheinischen Post und anderen Medien zunächst ein, dass einige Geistliche des Islamverbandes in Deutschland Informationen für die türkische Religionsbehörde gesammelt und an diese weitergeleitet haben. Ziel der Spionagekampagne seien die Anhänger des umstrittenen türkischen Predigers Fetullah Gülen gewesen.

Mittlerweile beteuert Alboğa aber, dass es sich bei seiner Aussage um ein Missverständnis gehandelt hat.

Ein türkischer Geheimdienstmitarbeiter vor dem Konterfei von Staatspräsident Recep Erdogan.

Das Schreiben der türkischen Religionsbehörde, das die Imame zu der Spionagetätigkeit veranlasst hatte, sei gar nicht an die Ditib gerichtet gewesen. Die muslimischen Geistliche hätten "fälschlicherweise" die Anweisung befolgt. Er erklärte, dass der Verband dies "zutiefst" bedauert.

Bereits im Dezember hatten Die Welt und die türkische linksliberale Zeitung Cumhuriyet berichtet, dass Geistliche der Ditib Mitglieder und Sympathisanten des Gülen-Netzwerkes in Deutschland ausspionieren. Die türkische Regierung macht Gülen und dessen Anhänger für den gescheiterten Putschversuch im Juli letzten Jahres verantwortlich.

Gülen bestritt stets alle Vorwürfe. Einige mutmaßliche Putschisten sollen türkischen Medienberichten zufolge gestanden haben, dass die Gülen-Organisation den Putsch organisierte. Beobachter warnen aber davor, dass die Aussagen unter Folter oder durch andere Druckmittel zustandegekommen seien könnten und daher nicht unbedingt verlässlich seien. Dass Anhänger des Predigers über Jahrzehnte hinweg gezielt den Staatsapparat unterwandert und ihre Befugnisse ausgenutzt hätten, um machtpolitische Ziele in eigener Sache zu verfolgen, argwöhnten seit Jahren jedoch auch Kritiker der seit 2002 regierenden AKP.

Kaum hatte das Geständnis des Ditib-Generalsekretärs hinsichtlich der Ditib-Spitzeleien die Runde gemacht, nahm Alboğa dieses wieder zurück. In einer Presseerklärung, die auf der Website des Verbandes erschien, erklärte er, dass er die Spitzel-Affäre nicht bestätigen wollte. "Meine Aussagen als Generalsekretär beabsichtigten lediglich, dass die Vorwürfe ernst genommen und von DITIB weiterhin untersucht werden", schrieb Alboğa.

Die Ditib ist der deutsche Ableger des türkischen Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet). Das Präsidium ist eine staatliche Behörde, die dem türkischen Ministerpräsidenten untersteht. Die Diyanet wurde 1924 gegründet und beaufsichtigt die offiziell sanktionierte Form des sunnitischen Islam in der Türkei. Gemäß ihrer Verfassung, die auf den sechs Säulen des Kemalismus beruht, ist die Türkei ein laizistisches Land, in dem der Staat von der Religion getrennt ist. Mittels der Diyanet sollte der Staat aber ein Instrument an die Hand bekommen, um kontrollieren zu können, in welcher Weise der Islam im Land gelehrt wird. 

Faktisch hat die Bildung der Diyanet in der Türkei eine Art "Staatsislam" geschaffen. Alle offiziellen muslimischen Geistliche sind Beamte des Präsidiums und somit weisungsgebunden. Zudem verwaltet die Behörde auch alle Moscheen. Dagegen müssen andere Glaubensgemeinschaften in der Türkei ihre Geistlichen aus der eigenen Kasse bezahlen. In letzter Zeit geriet die Ditib wegen ihrer - seit knapp 100 Jahren bestehenden - Verbundenheit zum türkischen Staat unter heftige Kritik vonseiten deutscher Politiker.