Britische "Wohnblockknacker"-Bombe in Augsburg: Größte Evakuierung seit Ende des 2. Weltkrieges

Britische "Wohnblockknacker"-Bombe in Augsburg: Größte Evakuierung seit Ende des 2. Weltkrieges
ARCHIVBILD: Koblenz, am 4. Dezember 2011: Nach erfolgreicher Entschärfung betrachtet ein Mitglied des Bombenräumungstrupps die britische 1.8 Tonnen-Bombe.
In Deutschland findet über Weihnachten die größte Evakuierung seit dem Zweiten Weltkrieg statt. 54.000 Augsburger müssen am zweiten Weihnachtsfeiertag vor der Entschärfung einer britischen 1,8 Tonnen-Bombe aus dem zweiten Weltkrieg in Sicherheit gebracht werden.

Die Bombe wurde von der britischen Air Force in den 1940er Jahren abgeworfen und nun bei Bauarbeiten gefunden, berichtet die Augsburger Allgemeine Zeitung unter Berufung auf einen Sprecher der Stadtverwaltung. Bomben dieser Bauart tragen den Spitznamen „Wohnblockknacker“, da die von ihnen ausgehende Detonationswelle in einem weiten Radiums das ungepanzerte, überwiegend zivile Umfeld verwüstet und den Weg für Brandbomben ebnet.

Die Evakuierung und Entschärfung der Luftmine findet während der Weihnachtszeit statt. Laut Behörden wird das Gefahrengebiet mit einem Radius von 1,5 km beschrieben, was bedeutet, dass etwa 54.000 Augsburger aus 32.000 Haushalten Weihnachten dieses Jahr nicht zu Hause verbringen dürfen.

Neben den evakuierten Bürgern hält der Bombenfund auch Brigaden der Rettungskräfte, Polizei, Feuerwehr sowie zahlreiche Freiwillige auf Trab, welche Weihnachten mit der Entschärfung der Bombe und Arbeiten in der Umgebung beschäftigt sind.

Frank Habermaier von der Stadtfeuerwehr berichtete, dass bis zu 2.500 Mitarbeiter von Rettungsdiensten, Feuerwehr und Polizei an der Operation teilnehmen werden. Darunter werden in etwa auch 750 Polizisten sein.

Behörden hoffen, dass alles wie geplant verläuft und die Evakuierung bis Sonntagnachmittag abgeschlossen ist.

Doch wieso findet das Ganze ausgerechnet an Weihnachten statt? Das hat einen pragmatischen Hintergrund. Laut den im Bericht zitierten lokalen Behörden seien die die Evakuierungen an Werktagen sehr kompliziert, im Gegensatz zu Wochenenden und Feiertagen, wenn es weniger Verkehr gibt.

Siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellen nicht-explodierte Bomben nach wie vor eine Bedrohung dar. Überbleibsel vergangener Kriege werden in regelmäßigen Abständen Deutschland sowie anderen europäischen Ländern entdeckt.

Bisheriger Rekordhalter war Koblenz im Jahr 2011: Vor fünf Jahren mussten sich circa 45.000 Bewohner der rheinland-pfälzischen Großstadt vor einem ebenfalls 1,8 Tonnen schweren Sprengkörper in Sicherheit bringen.

Im Jahr 2015 wurden etwa 20.000 Menschen in Köln evakuiert, nachdem eine 200-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg während Vorbereitungen für Bauarbeiten entdeckt wurde. Die Bombe, wahrscheinlich ein US-amerikanisches Modell, lag fünf Meter unter der Erde begraben, was die Aufgabe des Entschärfungskommandos erschwerte.

2014 evakuierten deutsche Behörden nach einem Fund einer nicht explodierten 1,8 Tonnen schweren Fliegerbombe über 17.000 Menschen aus Dortmund. Der während des Krieges von den Allierten über dem industriellen Ruhrgebiet abgeworfene Sprengkörper wurde entdeckt, als Experten alte Luftaufnahmen aus der Gegend analysierten.

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