Tragödie auf Berliner Weihnachtsmarkt – Aktueller Kenntnisstand

Tragödie auf Berliner Weihnachtsmarkt – Aktueller Kenntnisstand
Der Ort des Geschehens in Berlin.
Am Montagabend ereignete sich auf dem Berliner Breitscheidplatz eine Tragödie. Ein LKW fuhr in die Menschenmenge auf dem gut besuchten Weihnachtsmarkt und tötete dabei zwölf Menschen. 48 weitere wurden verletzt. Seitdem überschlagen sich die Informationen und Spekulationen. RT Deutsch mit einer Zusammenfassung der derzeitigen Faktenlage.

Nachdem Innenminister de Maiziere zunächst das Wort „Anschlag nicht in den Mund“ nehmen wollte, soll es sich nach aktuellen Erkenntnissen um eine vorsätzliche Tat handeln. Die Polizei spricht seitdem von einem „vermutlich terroristischen Anschlag“.

Am Dienstagmorgen bestätigte das Berliner Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (Lageso) einen SEK-Einsatz am Flughafen Tempelhof. Vier Männer Ende zwanzig aus dem von Flüchtlingen bewohnten Hangar 6 seien demnach befragt worden. Nach Angaben des Lageso-Sprechers, Sascha Langenbach, gab es jedoch keine Festnahmen. Der Einsatz fand in den frühen Morgenstunden unter Beteiligung von 250 Beamten statt.

Nach bisher noch nicht abschließend bestätigten Erkenntnissen soll der mutmaßliche Fahrer des Tatfahrzeugs ein Flüchtling Namens Naved B. (23) sein. Der Mann sei bereits festgenommen und an den Generalbundesanwalt in Karlsruhe überführt worden. Andere Medien wiederum berichten, dass der wahrscheinliche Täter noch nicht in Karlsruhe sei. Zwischenzeitlich vermeldet die Deutsche Presse-Agentur, dass der Verdächtige jede Beteiligung an der Tat abstreite.

Nach neuesten Informationen soll er am 31. Dezember 2015 über Passau eingereist und im Februar in Berlin aufgetaucht sein. Dabei habe er mehrere Identitäten genutzt und in einer Flüchtlingsunterkunft gelebt. Die Nationalität gilt als noch nicht endgültig gesichert, es soll sich jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Pakistaner handeln.

Auf die Spur des Täters hatte scheinbar ein Augenzeuge die Polizei gebracht. Nach Informationen von Polizeisprecher Winfrid Wenzel sei dieser dem flüchtenden LKW-Fahrer gefolgt und habe dabei über sein Mobiltelefon Kontakt mit der Notrufzentrale der Polizei gehalten.

Wie nun jedoch aus Sicherheitskreisen bekannt wurde, soll es sich bei dem Festgenommenen um den "falschen Mann" handeln.

Der abgesperrte Bezirk der Berliner Tragödie.

Der genutzte Lastwagen fuhr aus Richtung der Budapester Straße etwa fünfzig Meter tief in den Weihnachtsmarkt. Bei dem Tatfahrzeug handelt es sich um einen Sattelschlepper der Marke Scania.

Das Fahrzeug mit Zugmaschine und Auflieger verfügt über ein polnisches Kennzeichen und gehört nach letztem Kenntnisstand einer polnischen Spedition aus Gryfino, südlich von Stettin, nahe der deutschen Grenze. Nach Informationen der Polizeibehörden will der Inhaber der Spedition, Ariel Zurawski, einen seiner Lastwagen wiedererkannt haben.

Nach Angaben des Spediteurs sei das Fahrzeug am Montagnachmittag entführt worden. Weiter sagte Zurwaski, dass es sich bei dem Todesfahrer nicht um seinen Fahrer gehandelt haben könnte:

Das ist mein Cousin. Es kann einfach nicht mein Fahrer gewesen sein. Ihm muss etwas angetan worden sein. Ich stehe so unter Schock.

Der legitime Fahrer des LKW wurde mutmaßlich vom eigentlichen Täter erschossen.

Lukasz Wasik, leitender Mitarbeiter des Speditionsunternehmens sagte darüber hinaus aus, dass eine Person am Montag mehrfach geübt habe, das Fahrzeug zu starten. Dies habe sich aus den von ihm ausgewerteten GPS-Daten ergeben:

Es ist, als hätte jemand geübt, ihn zu fahren.

Zwischenzeitlich äußerten sich auch weitere Politiker zum wahrscheinlichen Anschlag. So unter anderem der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Klaus Bouillon (CDU). Dieser ließ sich mit folgenden Worten zitieren:

Wir müssen konstatieren, wir sind in einem Kriegszustand, obwohl das einige Leute, die immer nur das Gute sehen, nicht sehen möchten. Wir werden, wo wir es für erforderlich halten, auch mit schwerem Gerät antreten. Das heißt Langwaffen, Kurzwaffen, Maschinenpistolen.

Dies klinge zwar martialisch, sei aber notwendig. Zudem werde die Polizei auf Weihnachtsmärkten nun deutlich Präsenz zeigen. Als erste Reaktion wurde der Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Alexanderplatz jedoch vorerst für einen Tag geschlossen.

Auch der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) plädiert für mehr Präsenz:

Wir müssen jetzt noch mehr Wachsamkeit und Präsenz zeigen.

Zudem, so Jäger, werde die Polizei in NRW in Doppelstreifen und schwerer bewaffnet kontrollieren. Dabei werde es neben offenen auch verdeckte "Maßnahmen" geben, um dadurch auch die islamistische Szene zu beobachten.

Am Vormittag äußerte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu dem tragischen Vorfall.